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Berliner Zeitung | Forsa-Umfrage zum Berliner Senat: Berliner trauen Henkel mehr zu als Wowereit
30. May 2014
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Forsa-Umfrage zum Berliner Senat: Berliner trauen Henkel mehr zu als Wowereit

Die Berliner trauen Innensenator Frank Henkel (l.) mehr zu als dem langjährigen Senatschef Klaus Wowereit (r.).

Die Berliner trauen Innensenator Frank Henkel (l.) mehr zu als dem langjährigen Senatschef Klaus Wowereit (r.).

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dpa

Die Berliner trauen Innensenator Frank Henkel (CDU) mehr zu als dem langjährigen Senatschef Klaus Wowereit (SPD). 33 Prozent würden sich für den Innensenator entscheiden, wenn sie den Regierenden Bürgermeister direkt wählen könnten. Dagegen würden nur 28 Prozent der Wähler dem Amtsinhaber ihre Stimme geben.

Das ergibt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Berliner Zeitung. 1008 Berliner wurden zwischen dem 20. und 28. Mai befragt, erstmals nach der Abgeordnetenhauswahl 2011 sollten sie Wowereit und Henkel vergleichen. Dabei zeigt sich, dass auch der Innensenator nicht wirklich überzeugt. Denn mit einem Anteil von 39 Prozent würde die Mehrheit der Befragten weder ihn noch den Regierungschef wählen.

Rückhalt in der Partei

Mit 66 Prozent ist der Rückhalt Henkels in seiner Partei größer als der Wowereits, den lediglich eine knappe Mehrheit (51 Prozent) der SPD-Anhänger wählen würde. Während der Senatschef als der Machtbewusstere (77 gegenüber 63 Prozent) und Modernere (62 zu 35 Prozent) gilt, wird dem Innensenator eine höhere Kompetenz (60 zu 41 Prozent) zugesprochen. Von den Belangen Berlins verstehen beide nicht übermäßig viel. 57 Prozent ordnen diese Einschätzung dem CDU-Landeschef zu. Nur ein Prozent mehr erzielt Wowereit, der mit der Kampagne „Berlin verstehen“ bei der Abgeordnetenhauswahl 2011 angetreten war.

Als der Sympathischere der beiden gilt dennoch der Regierungschef (55 Prozent), während Henkel einen Wert von 49 Prozent erreicht. Der Regierende Bürgermeister findet nach wie vor mehr Zuspruch im Ostteil (34 Prozent) und bei den 18- bis 29-Jährigen (33 Prozent). Henkel punktet in West-Berlin (36 Prozent) und bei den über 60-Jährigen (39 Prozent).

Die Befragung fiel in die Zeit der Europawahl und des Volksentscheides zum Tempelhofer Feld am vergangenen Sonntag, bei dem der Gesetzentwurf des Senats zur Randbebauung deutlich abgelehnt wurde. Abgestraft wird die Regierung auch in der Umfrage: Nur noch 21 Prozent würden die SPD wählen, wenn nächsten Sonntag Abgeordnetenhauswahl wäre, minus zwei Prozent gegenüber dem Vormonat. Die CDU verliert sogar vier Prozent der Stimmen, kann aber mit 26 Prozent weiterhin den ersten Platz behaupten. Klarer Gewinner sind die Grünen mit einem Stimmenzuwachs um drei auf 19 Prozent, die die erfolgreiche Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld unterstützt hatten. Auf deren Seite hatte sich die gesamte Opposition geschlagen. Die Linke liegt jedoch unverändert bei 15 Prozent, die Piraten verbessern sich um ein auf sechs Prozent. Im Abgeordnetenhaus vertreten wäre auch die AfD, die ihren Stimmenanteil auf sechs Prozent ausbauen konnte (plus ein Prozent).

Im Zentrum der jüngsten Befragung stand die Union. Trotz ihres Vorsprungs zur SPD ist es dem Koalitionspartner nicht gelungen, ein eigenes Profil zu bilden. 52 Prozent der Berliner verbinden spontan nichts mit der Arbeit der CDU im Abgeordnetenhaus. Neun Prozent denken bei den Christdemokraten zuerst an die Flüchtlingsproblematik, sechs Prozent an die Bebauung des Tempelhofer Feldes, vier Prozent an die innere Sicherheit. Fünf Prozent halten die CDU für tatenlos.

Die Zwischenbilanz nach gut der Hälfte der Legislaturperiode fällt für die CDU dürftig aus. 67 Prozent der Berliner meinen, dass sie ihre Rolle als Regierungspartei erst noch finden muss. Selbst 57 Prozent der Anhänger der Union sehen das so. Insgesamt nur jeder Fünfte ist der Ansicht, dass die Union in der Koalition schon etwas geleistet hat. 66 Prozent sagen, die guten Umfragewerte der CDU seien auf die Schwäche der SPD zurückzuführen, die viel mit sich selbst zu tun hat. So denken nur 27 Prozent der Befragten, dass die CDU die besseren Führungspersönlichkeiten hat, 33 Prozent der Wähler meinen dies von der SPD, weitere 33 Prozent sehen zwischen beiden Parteien kaum einen Unterschied.

Wenig Akzeptanz für Senat

Generell schwindet die Akzeptanz für den rot-schwarzen Senat. Dass die SPD mit den Problemen in Berlin am besten fertig wird, finden nur 13 Prozent der Befragten gegen über 15 Prozent im April. Aber auch die CDU kommt nur auf 17 Prozent und verliert drei Prozent. 51 Prozent trauen keiner Partei die politische Kompetenz zu. Als größte Probleme werden der Ausbau des Flughafens Schönefeld und die Wohnungsnot genannt. An dritter Stelle rangiert die Zukunft des Flughafens Tempelhof, noch vor wenigen Monaten spielte dieses Thema kaum eine Rolle.