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Frachtzentrum BER: Jetzt geht’s ein bisschen los

Nicht schön, aber zweckmäßig: Das BER-Frachtzentrum hat 7 000 Quadratmeter Büros und 12 000 Quadratmeter Hallenfläche.

Nicht schön, aber zweckmäßig: Das BER-Frachtzentrum hat 7 000 Quadratmeter Büros und 12 000 Quadratmeter Hallenfläche.

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dpa/bernd settnik

Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn sprach von einem „wesentlichen Meilenstein“, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck freute sich über einen „ausgesprochen schönen Tag“ und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (beide SPD) lobte den „wichtigen Zwischenschritt“. Demonstrative Euphorie war das Gebot der Stunde, als am Mittwoch das Frachtzentrum des künftigen Flughafens Berlin Brandenburg (BER) eröffnet wurde. Zwar wird dort noch gar keine Fracht abgefertigt, und die Auslastung wird sich zunächst im einstelligen Prozentbereich bewegen. Aber immerhin: Nach dem Lotsen-Tower der Flugsicherung nimmt die zweite Verkehrsanlage auf dem BER-Gelände ihren Betrieb auf. Das wurde groß gefeiert, mit Blasmusik, Bratwurst und Prosecco.

„Mit guten Nachrichten sind wir nicht verwöhnt“, sagte Mehdorn. Doch jetzt sei klar: „Es tut sich was am BER. Dies ist ein elementarer Baustein für die Gesamtinbetriebnahme des BER.“ Das war die Botschaft, die der pompöse Empfang aussenden sollte. Während anderswo die Einweihung von Frachtanlagen eher wenig Prominenz anlockt, war am Mittwoch selbst der Bund vertreten. Auch Finanz-Staatssekretär Werner Gatzer genoss die Beschaulichkeit am BER, die nur von der Feuerwehr, die zu einem Fehlalarm ausrückte, und der Blasmusik zeitweilig gestört wurde.

Luftfracht reist meist im Lastwagen

Was bedeutet die Eröffnung? Zunächst einmal: Auch weiterhin werden Flugzeuge mit Fracht von der einzigen Schönefelder Startbahn abheben, die heute noch dem alten Flughafen SXF zugeordnet ist. Der BER und die künftige Südbahn bleiben geschlossen. Doch wichtige Funktionen im Frachtverkehr werden jetzt nach und nach in das viergeschossige Gebäude verlagert, das für 25 Millionen Euro in Sichtweite des BER-Passagierterminals entstanden ist – das Air Cargo Center Berlin. Investor ist die Dietz AG, das für 60 Jahre einen Erbbaurechtsvertrag von der Flughafengesellschaft bekam. Das Familienunternehmen hat bereits alle Büros sowie 90 Prozent der Lager- und Umschlagflächen vermietet. „Wir haben zwar Zeit verloren, aber es ist noch nicht zu spät. Auch wir spüren die Aufbruchstimmung“, sagte Vorstandschef Wolfgang Dietz.

Erste Mieter haben bereits Büros bezogen. Nun ziehen Behörden ein: die Grenzveterinäre und die Pflanzengesundheitskontrolle, die zum Beispiel darauf achtet, dass mit Holzpaletten keine Schädlinge eingeschleppt werden. Wenn das Luftfahrt-Bundesamt die Flächen freigibt, kann am 1. August im Frachtzentrum die Abfertigung beginnen – mit UPS und Fedex. Von diesem Tag an werden die Beiladungen in Passagierflugzeugen, die das Schönefelder Cargo-Geschäft beherrschen, dort organisiert. Am 1. September soll der Zoll die Arbeit aufnehmen. Mehdorn: „Dann können wir internationale Luftfracht abfertigen.“

Damit werde das Cargo Center auch für Firmen interessant, die heute in Tegel tätig sind, sagt Lothar Klemm, Vorsitzender des Dietz-Aufsichtsrats. „So können wir Tegel entlasten.“ Allerdings könnte es noch lange dauern, bis die Startkapazität von 100 000 Tonnen pro Jahr auch nur annähernd ausgeschöpft ist. 2012 wurden auf dem jetzigen Schönefelder Flughafen gerade mal 5 206 Tonnen Luftfracht umgeschlagen. In Tegel waren es 26 933 Tonnen, weitere 38 500 Tonnen reisten zunächst per Lkw – meist nach Frankfurt am Main oder Leipzig.

Wowereit: Tegel wird geschlossen

Mehdorn bekräftigte, dass im August feststehen soll, wann der BER-Nordpier für Fluggäste eröffnet wird: aller Voraussicht nach kurz vor oder kurz nach dem Jahreswechsel.

Seine Laune war jedoch anfangs nicht die beste. Als er auf Platzeck wartete, rückten ihm Journalisten auf die Pelle. Hat er sich in die Schadenersatzverhandlungen mit seinem Ex- Arbeitgeber Air Berlin eingeschaltet? „Ich habe nicht verhandelt“, sagte der Flughafenchef. Und fügte hinzu: „Das ist ein aufgeblasener Treppenwitz. Hier wird ein Kopf so lange über der Suppe geschüttelt, bis ein Haar in der Suppe ist.“

Auch Wowereits Bekenntnis zur Schließung des Flughafens Tegel wird Mehdorn, der ihn offenhalten will, nicht gefallen haben. „Denkverbote gibt es nicht, aber es gibt Beschlusslagen und Festlegungen“, so der Regierende. Und die sehen vor, dass der Verkehr am BER konzentriert wird und Tegel schließt. „Da gibt es kein Wenn und Aber.“