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Friedhofscafé Berlin: Kaffeekränzchen auf dem Friedhof in Kreuzberg

Eine ungewöhnliche Verbindung: Das Café Strauss auf dem Gelände des Friedhofs des Friedrichwerdeschen Kirchhofs in Berlin.
Eine ungewöhnliche Verbindung: Das Café Strauss auf dem Gelände des Friedhofs des Friedrichwerdeschen Kirchhofs in Berlin.
 Foto: dpa

Früher lagen in der Aufbahrungshalle auf dem Friedhof in Berlin-Kreuzberg die Toten. Heute werden hier Cappuccino, Kuchen und Schnittchen gereicht. Experten schätzen, dass es bald mehr solcher Friedhofcafés geben könnte.

Langsam bewegt sich der Trauerzug mit der Urne über den kleinen Friedhofsweg. Die Herbstsonne scheint. Nur einige Meter entfernt sitzen Sebastian Klopfleisch und Gritt Brosowski vor der früheren Aufbahrungshalle im Berliner Stadtteil Kreuzberg - und trinken Kaffee. Den Trauerzug sehen sie nicht, ein Torbogen steht im Weg. „Ich fand den Gedanken charmant, hier ein Café zu errichten. Das hat ja auch etwas Lebendiges“, sagt die 34-Jährige, die hier oft spazieren geht.

Noch sind Friedhofscafés eher selten zu finden. Von der Bergmannstraße aus - eine belebte Meile mit vielen Kneipen - ist das rote historische Backsteingebäude auf dem Friedrichwerderschen Kirchhof kaum zu übersehen. In der Halle, die aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammt, wurden früher die Toten für mehrere Tage aufgebahrt. An den Füßen trugen sie ein Glöckchen, damit Scheintote vor der Beisetzung bewahrt werden. Später stand das Gebäude lange leer und die evangelische Kirche dachte über die Weiternutzung nach.

Zuletzt seien ein Schuh- beziehungsweise ein Stühlemuseum im Gespräch gewesen, erzählt Martin Strauss. Der 48-Jährige bekam dann aber den Zuschlag - er betreibt inzwischen mit seiner Frau Olga das Café in der Aufbahrungshalle. Rund ein Jahr dauerte der Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes, um den sich Strauss selbst kümmerte. Er ist als Architekt bei der evangelischen Kirche angestellt.
In der kleinen Halle ist es an diesem Vormittag relativ still. Nur das Surren des Kühlschranks ist zu hören, das Licht ist gedimmt. Olga Strauss steht hinter dem kleinen Tresen und bereitet Schnittchen vor. „Nachmittags ist hier mehr los“, sagt sie. Früher hat sie selber in einer Kaffeerösterei gearbeitet, die Idee mit dem Friedhofscafé stammt von ihr.

In einer Ecke des Cafés haben vier Rentnerinnen Platz genommen. „Ein Friedhofscafé macht doch einen Friedhof attraktiver“, sagt eine 73-Jährige. „Es ist ein Ort, an dem man über Verstorbene sprechen kann, die hier begraben sind“, sagt eine 64 Jahre alte Frau. „Die meisten unserer Kunden sind Friedhofsbesucher oder Anwohner“, berichtet Café-Inhaber Strauss. Genau dies wollte das Ehepaar schaffen: einen ruhigen Anlaufpunkt ohne Trubel, wie er etwa weiter oben in der Bergmannstraße herrscht.

Nach Einschätzung des Verbandes der Friedhofsverwalter Deutschland sind Friedhofscafés bisher eher die Ausnahme. In der Millionenstadt Berlin jedoch könnten künftig noch mehr solcher Lokale öffnen. Seit einigen Jahren gibt es bereits das „Café Finovo“ auf einem Friedhof im Stadtteil Schöneberg. „In ein paar Jahren werden Friedhofscafés sicherlich keine Ausnahme mehr sein“, meint Jürgen Quandt, pensionierter Pfarrer und Geschäftsführer des Evangelischen Friedhofsverbandes Berlin Stadtmitte. In Berlin gibt es weitere Friedhöfe, in denen solche Einrichtungen vorstellbar oder sogar schon in Planung seien. Das geschehe aber weniger aus finanziellen Gründen. „In erster Linie geht es darum, einen öffentlichen Ort zugänglicher zu machen“, sagt Quandt.

Im Café Strauss scheint das zu gelingen. Hier finden regelmäßig Trauerfeiern statt, zudem gibt es Konzerte oder Lesungen - sogar aus der Krimiwelt. „Neulich hatten wir die „Mörderischen Schwestern“ hier“, sagt der Architekt. Zu rummelig soll es im Friedhofscafé aber nicht zugehen. Vorgaben von der Kirche gebe es nicht, alles beruhe auf Vertrauen, sagt Strauss. „Aber natürlich wissen die, dass ich hier kein Metallica-Konzert veranstalten werde.“ (dpa)

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