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Friedrichshagen wird über Jahre zur Baustelle

Für Anwohner in Friedrichshagen sind die zahlreichen Bauarbeiten deutlich spürbar.

Für Anwohner in Friedrichshagen sind die zahlreichen Bauarbeiten deutlich spürbar.

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BLZ/Paulus Ponizak

Berlin -

Jammern nützt ja nichts, sagt Tobias Apelt und atmet tief durch. Der Chef der Werbegemeinschaft Friedrichshagen, der die Interessen von gut 200 Unternehmen im Ortsteil vertritt, ist dieser Tage viel unterwegs. Er führt Gespräche mit Gewerbetreibenden und mit Baufirmen. Denn Friedrichshagen, der idyllische Kiez am südöstlichen Stadtrand, wird in den kommenden Jahren zur Baustelle. Die Bahn AG, die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Berliner Wasserbetriebe (BWB) bereiten umfangreiche Arbeiten vor. Gleise, Wasserkanäle und Fahrbahnen werden erneuert.

„Alle Bauarbeiten sind wichtig, aber wir wollen die Auswirkungen für Händler und Besucher so gering wie möglich halten“, sagt Tobias Apelt. Friedrichshagen, bevorzugter Wohnort für Künstler und junge Familien, lebt hauptsächlich vom Tourismus. Besucher genießen das Treiben auf der Bölschestraße, an der sich 220 kleine Läden und rund 50 Restaurants aneinanderreihen. „Wir müssen erreichen, dass die Leute trotz der Bauarbeiten zu uns kommen“, sagt der 43-Jährige.

17 Kilometer Umweg über Rahnsdorf und Schöneiche

Das wird nicht leicht, und auch für die Anwohner werden die Bauarbeiten bald schon spürbar sein. Ab dem 23. März sperrt die Bahn AG die Unterführung am S-Bahnhof Friedrichshagen. Bis voraussichtlich Ende November ist der etwa 20 Meter lange Straßenabschnitt zur Dahlwitzer Landstraße und weiter Richtung B 1 für Autos zu. Die Umleitung für die bis zu 15.000 Fahrzeuge, die dort täglich unterwegs sind, ist riesig: Sie führt auf rund 17 Kilometern über Rahnsdorf und Schöneiche in Brandenburg (siehe Grafik).

Der Grund für die Sperrung sind Arbeiten der Bahn. Das Unternehmen erneuert derzeit in zwei Baustufen Fernbahngleise und Brücken zwischen Hirschgarten und Erkner. Ziel ist, dass zwischen Berlin und Frankfurt (Oder ) künftig Personenzüge 160 statt wie bisher 120 Kilometer pro Stunde und Güterzüge mit höheren Lasten fahren können.“

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Und es werden nicht nur die Gleise erneuert, sondern auch vier bis fünf Meter hohe Lärmschutzwände aufgestellt. Der S-Bahnhof Friedrichshagen erhält zudem einen neuen Zugang zum Fürstenwalder Damm. Radfahrer und Fußgänger können übrigens während der Sperrzeit die Unterführung weiter nutzen. Der Verkehr der S-Bahnlinie S 3 soll bis auf wenige Wochenenden wie gewohnt im 10-Minuten-Takt erfolgen.

Auch die BVG und die Wasserbetriebe haben Arbeiten angekündigt, die ebenfalls bis Ende November dauern sollen. Beginn ist Anfang Mai am Müggelseedamm. Zwischen Charlotte-E.-Pauly- und Bölschestraße werden 1 250 Meter Straßenbahngleise erneuert, so dass dort künftig moderne Niederflurbahnen fahren können. Danach geht es am Fürstenwalder Damm mit den gleichen Arbeiten weiter. Über Schienenersatzverkehr und Umleitungen will die BVG jeweils zwei, drei Wochen vor Beginn der Arbeiten informieren.

Hunderte Schächte und Gullys werden erneuert

Zeitgleich mit der BVG bauen auch die Wasserbetriebe. Wenn die alten Tramgleise weg sind, werden die dort liegenden, teils hundertjährigen Rohre und Schächte saniert, danach kommen die neuen Schienen ins Gleisbett. Insgesamt sollen in Friedrichshagen in den kommenden Monaten etwa 13,6 Kilometer Wasserkanäle sowie Hunderte Schächte und Gullys erneuert werden. Die meisten Arbeiten erfolgen, ohne dass dafür Straßen aufgegraben werden, heißt es. „In die gereinigten alten Kanäle werden Kunststoffrohre eingezogen, die dann wieder lange halten“, sagt BWB-Sprecher Stephan Natz.

Doch auch wenn all diese Arbeiten wie geplant Ende des Jahres beendet sind, ist noch lange nicht Schluss: Im kommenden Jahr ist die Bölschestraße dran. Auch dort werden die Straßenbahngleise erneuert, Fahrbahnen und Gehwege saniert. Die Baupläne sind noch bis zum 10. März im Rathaus Köpenick ausgelegt.

Tobias Apelt und weitere Aktive tüfteln derweil an Aktionen, mit denen Besucher trotz der Beschwernisse angelockt werden können, um so die Einbußen für die Händler möglichst zu minimieren. Eine Idee ist es, Autos auf zusätzlichen Parkplätzen an der Dahlwitzer Landstraße abzustellen und dort – gerne auch gratis – auf Bahn-Fahrräder umzusteigen, um so durch die Unterführung zur Bölschestraße zu gelangen. Die Bahn AG versprochen, das zu prüfen.