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Friedrichshain-Kreuzberg: Ein neuer Weg über die Spree

Die Reste der Brommybrücke am Spreeufer in Kreuzberg sind noch erhalten. Jetzt entsteht dort eine neue Verbindung.

Die Reste der Brommybrücke am Spreeufer in Kreuzberg sind noch erhalten. Jetzt entsteht dort eine neue Verbindung.

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imago

Berlin -

Seit fünf Jahren liegen die Pläne auf Eis, jetzt könnte alles ganz schnell gehen: Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) hat entschieden, dass die Brommybrücke zwischen Kreuzberg und Friedrichshain wieder aufgebaut wird. Die alte Straßenbrücke war 1945 gesprengt worden. Nur Reste der Widerlager erinnern noch an die einstige Verbindung. Ein Wiederaufbau scheiterte zuerst am Mauerbau und dann, nach 1989, an fehlendem Geld. Die neue Brücke soll gut vier Millionen Euro kosten – und ausschließlich von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden.

„Die Planung wird neu gestartet und erfolgt im Rahmen des Programms Stadtumbau West“, sagte die Sprecherin des Senators am Montag. Der Stadtumbau West ist faktisch die Antwort auf die vielfältigen Förderprogramme für den Osten der Stadt. Kreuzberg, konkret ein 73 Hektar großes Areal am Spreeufer zwischen Oberbaum- und Schillingbrücke, ist eines von insgesamt fünf Gebieten im Westteil der Stadt, die mit diesen Fördermitteln bedacht werden.

Bereits dritte Brücke an dieser Stelle

Mit der neuen Brückenplanung folgt der Senator im wesentlichen den Vorstellungen des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Der hatte eine Autobrücke, wie sie vom Vorgänger-Senat befürwortet wurde, strikt abgelehnt. Im damaligen Senat hieß es: Fördergeld gibt es nur für eine Brücke, über die auch Lkw fahren können. So wollte man die Wirtschaft ankurbeln.

Und weil sich Senat und Bezirk nicht einigen konnten, blieb alles, wie es war. Nur an der Brommystraße, einem knapp 100 Meter kurzen Straßenstummel zur Spree, entstand vor sieben Jahren auf den alten Widerlagern der einstigen Brücke ein rund hundert Quadratmeter großer Austritt, der sogenannte Brommy-Balkon. Von diesem hat man, gut vier Meter über dem Wasser stehend, eine prima Sicht aufs Friedrichshainer Ufer.

Genau dort soll jetzt die alte neue Verbindung über die Spree errichtet werden. Es wäre bereits die dritte Spreebrücke dort. Über die erste, eine einspurige Eisenbahnbrücke, fuhren Mitte des 19. Jahrhunderts Kohlezüge zum Frankfurter Bahnhof, dem Vorläufer des heutigen Ostbahnhofs. Über die zweite Brücke rollte von 1909 bis 1945 der Autoverkehr, bis sie auf Geheiß des NS-Regimes gesprengt wurde.

Architekturwettbewerb soll 2013 entscheiden

Wie die dritte Brücke aussehen wird, soll ab 2013 ein Architekturwettbewerb entscheiden. Über Baubeginn und Fertigstellung gibt es noch nichts Konkretes. Das Ziel, so Behördensprecherin Augenstein, sei eine attraktive Verknüpfung der Uferwege beiderseits der Spree.

Der Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), ist über den Meinungsumschwung im Senat überrascht. Dass dort niemand mehr von einer Autobrücke redet, zeugt seiner Meinung nach von neuem Realitätsbewusstsein: „Unsere Studien hatten ergeben, dass eine Autobrücke eine enorme Verschlechterung für die Anwohner rund um den Lausitzer Platz zur Folge hätte.“

Doch auch der Bezirk wird Abstriche machen müssen bei seinen Uferplänen. Ursprünglich war vorgesehen, dass auf Kreuzberger Seite eine durchgängige Spreepromenade entsteht. Wo Gebäude direkt am Ufer stehen, sollte von 2013 an ein drei Meter breiter Holzsteg übers Wasser gebaut werden. Dies könnte sich nun ändern, so die Sprecherin von Senator Müller: „Die Brommybrücke gilt als Teil der Ufererschließung, dafür kann auf besonders wartungsintensive Teile des Holzsteges verzichtet werden.“



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