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Futterküche im Berliner Zoo: Was unsere Zootiere serviert bekommen

Die Zutaten werden dem Silo eimerweise entnommen. Pro Jahr verfüttert der Zoo allein zwei Tonnen Mais.

Die Zutaten werden dem Silo eimerweise entnommen. Pro Jahr verfüttert der Zoo allein zwei Tonnen Mais.

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BLZ

Koch hat in dieser modernen Großküche niemand gelernt. Kellner auch nicht. Trotzdem schallen Bestellungen durch den Vorraum der Futterküche am Rande des Zoos: „Zwei Rinderherzen und sechs gefrorene Hähnchen bitte!“. Die sind für die Raubtiere, erklärt Futterfahrer Marco Röhrig, der gerade – mit dem Futterplan in der Hand – eine Lieferung zusammenstellt. Das ist die zweite Fuhre, die er an diesem frühen Vormittag in die Reviere hinausbringen wird.

Früh um 6 Uhr war er bereits mit vielen Kisten Obst und Gemüse, gedämpften Kartoffeln und Reiskuchen unterwegs. Vorher hat er für seine Kollegen noch das Wasser in den Riesentöpfen aufgesetzt, damit es schon kocht, wenn sie um 6 Uhr zur Arbeit kommen.

Nichts für Vier-Sterne-Köche

Alle fünf Mitarbeiter in der Futterküche des Zoos sind ausgebildete Tierpfleger. „Vier-Sterne-Köche brauchen wir hier nicht“, sagt Futtermeisterin Ingeborg Griesbach lachend. Trotzdem wird auch in dieser Küche auf die Minute genau gekocht. „Sonst würde uns der Reiskuchen beim Stürzen zerfallen“, erklärt die 58-Jährige, während sie so einen weißen dampfenden Koloss in Viertel zerschneidet.

Auf den Reiskuchen ist man in der Zoo-Küche besonders stolz. Er ist eine Berliner Erfindung aus den 1960er-Jahren und wird mittlerweile in vielen Tiergärten und Zoos verfüttert, sogar im Ausland. Denn wenn ein Tier an einen anderen Zoo abgegeben wird, geht immer auch der Futterplan mit, damit dem Tier die Eingewöhnung leichter fällt. „Das Rezept ist eigentlich ganz simpel: Wasser, Bruchreis und Rosinen, alles 36 Minuten kochen“, sagt Ingeborg Griesbach, „aber man muss erstmal drauf kommen“. Affen, Vögel, Fasane, selbst Nashörner sind geradezu verrückt danach.

Stolz zeigt sie die großen Kühlräume, die direkt an die Küche grenzen. Beim Neubau des Futtermagazins samt Küche vor fünf Jahren durften die Beschäftigten mitreden: „Früher waren die Kühlräume weit weg von der eigentlichen Küche und es ging viel Wegezeit verloren. Jetzt können wir die Paletten mit der Ware direkt von hier an die nur wenige Meter entfernte Rampe rollen, wo sie der Futterfahrer abholt.

In den Kühlzellen sieht es wie bei einem guten Obst- und Gemüsehändler aus. Koriander und Minze duften frisch gegen Bananen und Äpfel an. Die gedämpften Kartoffeln und Möhren scheinen aus dem Bilderbuch zu stammen und haben genau die Festigkeit, wie sie die Tierpfleger in den Revieren für ihre Schützlinge bevorzugen.

Extras für Eisbären und Co.

Den Futterplan für jedes Tier erstellt Futtermittelmanager Christian Matschei in Zusammenarbeit mit den Tierärzten und Kuratoren des Zoos. Das wird dann gemäß der Zahl der jeweiligen Tiere einer Art hochgerechnet. Das Menü wird ständig angepasst – zum Beispiel wenn ein Tier tragend ist oder gerade Jungtiere geboren wurden. Aber auch entsprechend der Saison und den Jahreszeiten. Eisbären, die sich in der Natur am Ende des Sommers einen Fettvorrat anfressen, um im Winterschlaf davon zehren zu können, bekommen in Zoo und Tierpark tatsächlich Ende des Sommers eine größere Portion.

Matschei ist für beide Einrichtungen zuständig und bislang Deutschlands erster und einziger Futtermittelmanager in einem Zoo. Zuvor war dieser Beruf nur in Amerika, England und den Niederlanden bekannt. Der promovierte Zoologe ist seit Dezember 2014 in dieser Funktion tätig und konnte bereits das Bestellsystem vereinfachen und durch Großbestellungen Geld sparen. Zugute kommt dem gebürtigen Pankower bei der Arbeit, dass seine Eltern einen Obst- und Gemüsehandel besaßen. Mit Ein- und Verkauf sowie Lieferantengesprächen ist er groß geworden.