Neuer Inhalt

Gastbeitrag von Dennis Buchner: "Wir müssen uns Olympia trauen"

Schüler bilden am 19.02.2015 in Berlin vor dem Brandenburger Tor die Olympischen Ringe nach. Bei der Veranstaltung übergab der Regierende Bürgermeister etwa 100.000 Unterschriften von Berliner Olympia-Unterstützern an Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB).

Schüler bilden am 19.02.2015 in Berlin vor dem Brandenburger Tor die Olympischen Ringe nach. Bei der Veranstaltung übergab der Regierende Bürgermeister etwa 100.000 Unterschriften von Berliner Olympia-Unterstützern an Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB).

Foto:

dpa

Es ist kein Zufall, dass sich die Metropolen dieser Welt nach wie vor darum reißen, Ausrichter des weltgrößten Sportereignisses zu werden: Die Bewerbung und die Ausrichtung der Spiele bringt über ein Jahrzehnt Aufmerksamkeit in die Stadt – vor allem aber viel Geld.

Ein Zuschlag für Berlin würde in unserer Stadt in nur einer Dekade massive Investitionen ermöglichen - in die Wettkampf- und Trainingsstätten für die Spiele, im Straßenbau und im öffentlichen Nahverkehr, für mehr Barrierefreiheit in der ganzen Stadt und für die Mietwohnungen des olympischen Dorfes. Berlin muss dabei nur den kleineren Teil dieses Geldes aus eigenen Mitteln aufbringen. Das IOC als Ausrichter und die Bundesrepublik Deutschland tragen erheblich bei. Auch Erlöse aus Sportlotterien und Wettspielen, aus dem Verkauf von Gedenkmarken und –münzen fließen auf diesem Wege nach Berlin.

Olympische Spiele sind irgendwann zu Ende, die Infrastruktur bleibt unserer Stadt über viele Jahrzehnte erhalten. Zur Erinnerung: Olympia 1972 brachte München den Mittleren Ring und die U-Bahn und Tausende Wohnungen im Olympischen Dorf. All das wird bis heute genutzt und nur einen Bruchteil davon hat die Stadt München damals selbst zahlen müssen.

Die fünf Ringe als Logo werden nicht umsonst gut geschützt, sondern weil sie eine der begehrtesten Marken der Welt sind. Als Bewerberstadt darf man sie nutzen und bekommt so über viele Jahre weltweite Werbung. Eine Stadt, die heute einen Gutteil ihrer Wirtschaftskraft der Tatsache verdankt, dass sie Touristenmagnet ist, muss interessant und lebendig bleiben, um weiter zu wachsen. Der Werbeeffekt von TV-Bildern während der Spiele auf drei bis vier Milliarden Bildschirmen, die Chance für Berlin sich zu präsentieren, all dies liegt auf der Hand.

Ich weiß nicht, ob am Ende jede Berlinerin, jeder Berliner auch persönlich profitiert. Aber es ist klar: Wir brauchen für über 600.000 organisierte Sportler sanierte Sportanlagen. Wir brauchen gute Arbeitsplätze im Handwerk und auf dem Bau. Unsere Hotels, Gaststätten und Taxis brauchen Kunden. Und nur weiteres wirtschaftliches Wachstum in Berlin wird am Ende dazu führen, dass in der Stadt auch die Einkommen stärker steigen. Wir brauchen auch mehr Mietwohnungen, damit wir den Preisanstieg stoppen können – für all dieses ist Olympia weit mehr Chance als Risiko.

Ja, ich will Olympia und Paralympics auch, weil das ein verbindendes und friedliches Fest ist, weil es den Sportarten Interesse verschafft, die sonst nicht im Mittelpunkt stehen und weil es Kinder dazu animiert, Sport zu treiben.
Aber ich will sie vor allem, weil sie die Entwicklung Berlins vorantreiben, weil sie den Sanierungsstau im Bereich der Sportanlagen beheben, weil sie es möglich machen, endlich an jedem U-Bahnhof einen Aufzug und abgesenkte Bordsteine in der ganzen Stadt zu bekommen.

Ich will sie, weil sie über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren Arbeitsplätze in der Stadt schaffen und Investitionen in Milliardenhöhe möglich sind. Und ich will sie, weil viel Geld damit nach Berlin geholt wird, das sonst eben woanders verbaut wird: in Hamburg, in Rom oder in Paris. Die Entscheidung ist eben nicht, ob wir unser Geld für Olympia oder etwas anderes ausgeben! Die Frage ist, ob wir die Chance nutzen wollen, viele Milliarden zusätzlich nach Berlin zu holen und zu investieren, die wir allein nicht so schnell aufbringen könnten.

Schaut man sich die bundesweiten Umfragen an, gibt es eine große Zustimmung zu einer deutschen Olympiabewerbung und eine große Mehrheit sagt: Das muss die Hauptstadt machen. Ein ganzes Land steht hinter dieser Stadt, weltweit ist Berlin für viele Sehnsuchtsort und Symbol für Freiheit geworden. Nur in Berlin selbst regiert kleinmütiger und skeptisch.

Es ist nicht ehrenrührig zu sagen, dass wir von den Spielen auch profitieren wollen. Aber es ist Zeit den Rücken gerade zu machen und zu sagen: Ein ganzes Land traut es uns zu, dann trauen wir es uns auch zu.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?