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Gastbeitrag von Gabriele Hiller der Fraktion Die Linke: Wir sind gegen Olympia, weil wir für Berlin sind

Gabriele Hiller ist sportpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Abgeordnetenhaus.

Gabriele Hiller ist sportpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Abgeordnetenhaus.

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Die Linke

Berlin -

Nein, ich will die Spiele nicht. Nicht, weil es Spaß macht, dagegen zu sein. Aber Olympia als Heilsversprechen, das lehne ich ab. Unsere Stadt kann sportliche Großveranstaltungen wie Berlin-Marathon und Leichtathletik-WM. Berlin kann Begeisterung auf der Fanmeile, alles unbestritten. Aber dass sich Berlin um Olympia bewirbt, einzig weil SPD und CDU die Probleme in der Stadt nicht gelöst kriegen und sonst kein anderes Thema haben, das sehe ich nicht ein.

Dabei hätte Berlins neuer Regierender Bürgermeister bei seinem Amtsantritt einen geordneten Rückzug antreten können. Jeder hätte verstanden, wenn er gesagt hätte: Das war der Plan von Klaus Wowereit. Jetzt bringen wir erst einmal die Stadt in Ordnung - über eine Bewerbung für Olympische Spiele reden wir später. Doch Michael Müller hat die Chance nicht genutzt. Wie sein Vorgänger vertröstet er die Berlinerinnen und Berliner auf die Zukunft: Kommt Olympia, kommt mehr Geld, und Milch und Honig werden fließen.

Was hat Marzahn davon?

Mal abgesehen davon, dass die Stadt noch heute für die Olympiahallen aus der Bewerbung für die Sommerspiele 2000 Monat für Monat draufzahlt: Es mangelt an bezahlbarem Wohnraum, an Personal in den öffentlichen Verwaltungen, intakten Schulen und Schwimmbädern, einer funktionierenden S-Bahn. Nicht Olympia muss möglich machen, dass Aufzüge in jeden U-Bahnhof und abgesenkte Bordsteine kommen. Dafür muss der Senat sorgen. Und zwar nicht erst in zehn Jahren, sondern bald.

Warum sollen die Berliner darauf warten, dass nach 2024 in Tegel eine vielleicht bezahlbare Wohnung für sie frei wird? Jetzt müsste der Senat dafür sorgen, dass von den Neubauten, die ja überall in der Stadt hochgezogen werden, auch welche zu günstigen Mieten entstehen. Ja, und weil ich dort zuhause bin: Was bringt eine Bewerbung für Marzahn-Hellersdorf, wo es für 250.000 Einwohnerinnen und Einwohner nicht mal ein Freibad gibt, und was für das Strandbad Müggelsee, das schon heute eine Bauruine ist?

Statt an alledem zu arbeiten, erleben wir einen Senat auf Tingel-Tangel-Werbetour: Ein Justizsenator, der Pfannkuchen verschenken will und nicht loswird, ein Regierender Bürgermeister, der einsam am Brandenburger Tor steht und grauenvolle Leuchtreklame anknipst. Oder ein Sportsenator Henkel, der sich windet wie ein Aal bei der Frage, welche Kosten auf Berlin denn zukommen werden. - Nun, wie teuer es genau werde, könne man natürlich noch nicht sagen, aber es werde wohl sehr teuer. - Na danke.

Da kann Kulturstaatssekretär Renner Sportfunktionären gerne seine Couch anbieten. Ich finde es unverantwortliche Kaffeesatzleserei, wenn der Senat sagt, das IOC werde bis dahin reformiert sein und transparent arbeiten. Das IOC will Profit machen, schon um den eigenen wachsenden Finanzbedarf und den der Verbände zu decken. Das ist genau wie mit der Fifa, die uns gerade eine Fußball-WM im Winter beschert hat. Fifa oder IOC - die Herren sind aus einem Holz.

Wir wissen nicht, woher der Senat seine Zuversicht nimmt, dass der Bund bei alledem helfen wird. Viel zu viele gibt es, die Berlin nicht leiden können und seit Jahren um wachsende Hauptstadtkosten feilschen. Haben wir nicht gerade erst erlebt, dass ein Bundesverkehrsminister aus München versuchte, den von Berlin gewollten neuen Flughafenchef zu verhindern?

Die Stadt ist jetzt schon toll

Wann immer SPD und CDU in Berlin zusammen regiert haben, war am Ende der Schaden für die Stadt größer als der Nutzen. Erinnert sei an den Verkauf der Wasserbetriebe, an den Bankenskandal, die Olympiabewerbung für 2000. Von dem Moment an, als der Senat wieder so ein Heilsversprechen gab, dass alles besser wird, wenn Berlin 2024 oder 2028 die Spiele bekommt, hat er klar gemacht, dass er jetzt und heute nichts mehr auf die Reihe kriegen will. Die Linksfraktion ist im Abgeordnetenhaus die einzige Fraktion, die deutlich gesagt hat, dass sie die Olympiabewerbung Berlins falsch findet. Wir sind dagegen, weil wir für Berlin sind.

Berlin ist jetzt schon toll, schön, lebens- und besuchenswert. Damit das so bleibt, dafür braucht es keine Olympischen Spiele, aber eine Regierung, die sich ernsthaft um die aktuellen Probleme in der Stadt kümmert.

Gabriele Hiller ist sportpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Abgeordnetenhaus. Zu Wort gemeldet haben sich bereits Franziska Eichstädt-Bohlig (Bündnis 90/Grüne) und Dennis Buchner (SPD).


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