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Gastro-Kritik "Rosa Lisbert " in der Arminiusmarkthalle: Elsässische Leckereien am Backsteinofen mitten in Moabit

Man sitzt frisch hier, trotz Ofen, isst aber gut: Das Rosa Lisbert in Moabit.

Man sitzt frisch hier, trotz Ofen, isst aber gut: Das Rosa Lisbert in Moabit.

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Berliner Zeitung/Markus Wächter

Für diesen Tipp müssen Sie sich warm anziehen. Am besten, Sie holen Ihre lange Unterwäsche hervor, dicke Wollsocken und einen Fleece-Pullover, falls Sie beim Essen die Jacke lieber ausziehen. Dafür verspreche ich Ihnen: Es lohnt sich, ins Rosa Lisbert zu gehen. Empfehlen würde ich auch, einen Tisch möglichst nah am mit Buchenholz befeuerten Backsteinofen zu wählen, in dem das Feuer für die Flammkuchen lodert.

Doch auch hier wird es kalt, was daran liegt, dass das wunderbar atmosphärische, kleine Restaurant Rosa Lisberg mitten in der wunderbar atmosphärischen, aber riesigen Arminiusmarkthalle in Moabit liegt. Zwar ist die Markthalle überdacht. Aber 3 500 Quadratmeter Grundfläche, eine luftige Eisenkonstruktion aus dem vorigen Jahrhundert mit einer Fenstergalerie und geschätzte zwölf Meter Deckenhöhe lassen sich im Winter nicht warm kriegen. Trotzdem sollte Sie das nicht davon abhalten herzukommen, bevor es in der Arminiushalle zugeht wie donnerstags in der Markthalle Neun.

Dünner und knuspriger Teig

Schon seit einiger Zeit kann man hier nicht nur Feinkostprodukte, Wein und internationale Spezialitäten kaufen, sondern auch essen. Und seit vergangenem April tischt das Rosa Lisbert großartige Elsässer Küche auf. Es ist ein beeindruckendes Repertoire von einfacher Hausmannkost bis Haute Cuisine, das Dennis Lennartz, zuvor Küchenchef im französischen Bistrot De Maufel in Charlottenburg, hier auffährt. Denn eigentlich handelt es sich beim Rosa Lisbert um einen ausgebauten Streetfood-Stand. Es ist jedoch kein Truck mehr, sondern ein gemauerter Tresen, hinter den nicht viel mehr als der Backofen und eine winzige Arbeitsfläche passen. Das ist die ganze Küche, drum herum nehmen die Gäste an eingedeckten Tischen Platz.

Beim ersten Blick in die Karte ahne ich bereits, dass ich öfter kommen werde. Schon die Entscheidung unter den Flammkuchen fällt mir schwer. Es gibt ihn hier so ungewöhnlich belegt wie mit Schweinebauch und Sauerkraut, Knochenmark und Flusskrebsen oder mit Stopfleber und Trüffel. Diesmal entscheide ich mich als Appetitmacher für die klassische Variante: mit Speck und Zwiebeln.

Es ist eine gute Wahl, der Teig des Flammkuchens ist dünn, aber nicht zu dünn, sondern richtig knusprig und bleibt es bis zum letzten Biss. Das liegt auch daran, dass Zwiebeln und Speck nicht in einer dicken Schmand-Käse-Schicht begraben wurden. Sie sind hier richtig bemessen und luftig verteilt, jede Zutat behält ihr Eigenaroma. Hervorragend macht sich der Riesling vom Elsässer Weingut Gresser dazu.

Nur zwei kleine Minuspunkte

Schon sehr zufrieden warte ich nun auf meine Maultaschen mit Stopfleber und Trüffel. Die Aromenwucht, die mir in einem tiefen Teller vorgesetzt wird, ist beeindruckend. Die Maultaschen selbst, aus Kartoffelteig hergestellt, sind mit einer kräftigen Geflügelfleischmischung befüllt, obenauf liegen das gebratene Stück Stopfleber und aromatische Schnitzer vom Perigord-Trüffel.

Doch das ist nicht alles. Der Koch hat die Maultaschen zusätzlich mit einer kräftigen Zwiebel-Wein-Jus umgossen, in dem sich einzelne Rosenkohlblättchen finden und als Crunch frittierte Süßkartoffelchips und Zwiebelringe obenauf. Ich bin begeistert.

Seltsamerweise ist das Coq au vin, das mein Freund bestellt hat, das genaue Gegenteil davon. Ihm fehlt es an Geschmack. Hier ist es nicht als sämiges Schmorgericht zubereitet, sondern als wässrige, blasse Suppe mit einzelnen grob geschnittenen Komponenten wie Lauch, Karotten und ausgelöstem Huhn, die aber nicht zu einem Gericht zusammenfinden.

Dies und die Kälte sind aber auch die einzigen Minuspunkte bei unserem Besuch. Beim Dessert, einer Tarte Tartin, auf deren karamellisierten warmen Äpfeln ein Rum-Sorbet dahinschmilzt, haben wir beides längst wieder vergessen.

Rosa Lisbert

Arminiusmarkthalle Moabit, Arminiusstraße 2–4, 10551 Berlin-Moabit,

Tel.: 0152–21 98 29 23,

Öffnungszeiten: Di–Sa 12–22 Uhr.

Flammkuchen kosten zwischen 8,20 und 22,70 Euro, Zwischen- und Hauptgerichte gibt es ab 12 Euro.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.rosalisbert.de/