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Gastro-Kritik Klunkerkranich in Berlin-Neukölln: Der Klunkerkranich ist nicht perfekt, aber echt

Vom Klunkerkranich aus hat man einen guten Blick auf Berlin.

Vom Klunkerkranich aus hat man einen guten Blick auf Berlin.

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imago/IPON

Ich mag Shopping-Malls nicht. Dass sie praktisch sind, glaube ich gern, besonders in der Weihnachtszeit. Aber ich weigere mich, ein Leben zu führen, das praktisch ist. Deshalb gehe ich auch nie, nie, nie in einer Mall essen. Auch wenn es noch so praktisch wäre.

Die einzige Ausnahme in Berlin sind die Neukölln Arcaden. Allerdings fahre ich da direkt nach ganz oben, aufs Parkdeck 6. Dort hat sich seit zwei Sommern der Klunkerkranich niedergelassen, der irgendetwas zwischen Dachgarten, Kulturclub, Strandbar im Sommer und Weihnachtsmarkt im Winter ist.

Auf den alten Parkplatzmarkierungen stehen Bottiche, in denen noch Thymian, Oregano und einige Blumen grünen, in selbstgezimmerten Buden werden hausgebrannte Schnäpse, handgenähte Kissen und selbst gebastelter Schmuck verkauft. Und am Horizont erhebt sich die Berlin-Kulisse mit Fernsehturm, Plattenbauten und Europacenter wie im Scherenschnitt.

Alternativ mit viel Kreativität

Letzten Sonntag wollte ich in der aus Holz gezimmerten Hütte auf dem Parkplatzdeck ein spätes Frühstück nehmen und den Weihnachtsmarkt ansehen.

Vielleicht sollten Sie dieses Wochenende nicht ganz so früh wie ich dort erscheinen. Der Klunkerkranich-Weihnachtsmarkt mit seinem guten Dutzend Buden öffnet ab 12 Uhr, die Klunkerkranich-Bar und ihr Personal kommen um diese Zeit gerade erst in die Gänge. Leider bei viel zu lauter Drum ’n’ Bass-Musik.

Auch hängt der Zigarettenrauch vom letzten Partyabend noch in der Hütte, die mit ihrer großen Fensterfront zugig ist und anfangs trotz Heizlüfter zu kalt.

Es ist also zu laut, es riecht nach Rauch, das Personal ist verpennt, und eine Erkältung fängt man sich auch leicht ein? Und ich empfehle das trotzdem? Ja, tue ich, denn der Klunkerkranich ist – das Gegenteil von dem, was einen ein paar Etagen tiefer erwartet – alternative Stadtkultur mit viel Kreativität, nicht perfekt, aber echt.

Der Frühstücksteller „Klunkerkranich“ zum Beispiel ist ein verwegener Mix aus deutschen, spanischen, italienischen und Nahost-Zutaten. Eine ordentliche Chorizo gibt es, ein paar Scheiben Manchego, die sich ebenso gut zum deutschen Körnerbrot machen wie der selbst gemachte Hummus. Mir gefällt er hier besser als bei manchem Israeli oder Araber, er ist eher grob passiert, sodass er noch Stückchen von Kichererbsen enthält. Zudem, auch wenn das beim Hummus natürlich Geschmackssache ist, halten sich die Köche beim Sesammus eher zurück.

Hinter den Kulissen ziehen Profis die Fäden

Dafür würzen sie kräftig mit Kreuzkümmel, was mir viel besser schmeckt. Ein wenig mehr Zitrone und ein Schuss mehr Öl für die Cremigkeit, und er wäre wirklich perfekt. Dazu darf man sich aus der Antipasti-Theke selbst eingelegtes Gemüse wählen, auch hier kann ich nicht meckern: Die in Kräutern und Öl gedünsteten und marinierten Auberginen und Zucchini sind frisch und hausgemacht.

Hinter dem Klunkerkranich stehen keine Anfänger. Zwei der Initiatoren betreiben in Neukölln das Fuchs & Elster, ein Restaurant mit Kellerclub, von dem ich Ihnen schon einmal sehr gute Venusmuscheln in Weißweinsud und ein Entrecôte mit Rosmarinkartoffeln beschrieben habe. Zwar sind Küche und Personal vom Klunkerkranich getrennt, und das Angebot ist hier schon wegen des winzigen Küchenverschlags viel kleiner und weniger elaboriert, der Anspruch bleibt aber spürbar. Neben Frühstück und Toasts produzieren die Köche auch eine Tagessuppe und ein warmes Tagesgericht aus ihrem Verschlag heraus, welches sich nach einem Rundgang über den Markt empfiehlt.

Es gibt in Berlin bestimmt größere und schickere Weihnachtsmärkte als die paar Stände auf dem Dach – aber ein solcher Ort, eine solche Idee verdienen Unterstützung. Zumal, wenn das Essen so ordentlich ist.

Klunkerkranich

Frühstück kostet 4,50 bis 6,50,ein Antipasti-Teller 8, das Tagesgericht 7,50 Euro.

Mehr Informationen finden Sie unter http://www.klunkerkranich.de/