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Gebrüder Grimm: Bei Elfen und Zwergen

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Noch mal kurz wischen, dann kann das Jubiläum kommen. Bernd Boßmann an der Grabstätte der Brüder Grimm.
Noch mal kurz wischen, dann kann das Jubiläum kommen. Bernd Boßmann an der Grabstätte der Brüder Grimm.
 Foto: Markus Wächter
Berlin –  

Die Brüder Grimm sind in Schöneberg beerdigt. Ihr Grab auf dem St-Matthäus-Friedhof ist eine Pilgerstätte. Dass ihre letzte Ruhestätte so schlicht angelegt ist, überrascht viele Besucher und steht so im Gegensatz zu den opulenten Werken der Märchenerzähler.

Die roten Rosen erinnern an zerbrechliche Eisblumen. Erstarrt ragen sie aus den Schneehügeln über den Gräbern. Weiße Hauben tragen auch die knapp 1,70 Meter hohen Grabsteine. Vier anthrazitfarbene Granitsteine in Form von Obelisken stehen nebeneinander auf dem Alten St-Matthäus-Friedhof in Schöneberg.

Auf den beiden rechten, gleich neben einer mächtigen Linde, sind in weißen Buchstaben die Namen der vielleicht berühmtesten Märchenerzähler der Welt zu lesen: Wilhelm und Jacob Grimm. Die Brüder fanden auf dem Friedhof an der Großgörschenstraße 1859 und 1863 ihre letzte Ruhestätte, im Alter von 73 und 78 Jahren. Links neben ihnen sind die beiden Söhne von Wilhelm Grimm begraben.

Die Brüder Wilhelm und Jacob Grimm waren im Jahr 1840 von Göttingen nach Berlin gekommen. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. hatte die Brüder zu Mitgliedern der Akademie der Wissenschaften berufen. Längst hatten sie sich als Sprachforscher und Sammler von Sagen und Märchen einen Namen gemacht. Gemeinsam wohnten die Grimms im Tiergartenviertel, das damals wegen der Konzentration von Beamten, Unternehmern, Wissenschaftlern und Künstlern auch „Geheimratsviertel“ genannt wurde. Die Grimms waren mit die ersten, die auf dem 1856 eröffneten St-Matthäus-Friedhof beerdigt wurden. Ihre Gräber zählen dort heute zu den am meisten besuchten.

Schlichte Eleganz

Dass die berühmten Brüder, deren Kinder- und Hausmärchen vor 200 Jahren erstmals erschienen, so schlichte Gräber haben, überrascht viele Besucher. „Manche sind enttäuscht, weil sie hier so gar nichts Romantisches finden“, sagt Bernd Boßmann vom Förderverein Efeu e.V., der sich um die historischen Gräber auf dem Friedhof kümmert.

Friedhofsführung:

Am 22. Dezember gibt es anlässlich des Grimm-Jubiläums „Geschichten fürs Leben“. Beginn 14 Uhr, Eintritt frei, Großgörschenstraße 12–14.

Ein nur mit Efeu bewachsener Hügel und einfache Granitblöcke sind offenbar für viele nicht in Einklang zu bringen mit den opulenten Märchen der Grimms, in denen es häufig um Gold, Edelsteine und andere Reichtümer geht. Eine prunkvollere Grabgestaltung wäre aber verboten: Efeuhügel waren einst Sitte auf Berliner Friedhöfen, und weil das knapp fünf Hektar große Gräberfeld zwischen Großgörschenstraße und Monumentenstraße eine denkmalgeschützte Anlage ist, bleibt alles wie es war.

Der Schöneberger Friedhof gehört zu den kunsthistorischen und stadtgeschichtlich bedeutendsten in Berlin. Viele Prominente sind dort bestattet, so zum Beispiel der Arzt Rudolf Virchow, der Meierei-Unternehmer Carl Bolle und der Bildhauer Friedrich Drake. Seit 2011 liegt dort auch der Sänger Rio Reiser. Viele Schwule haben dort Grabstätten, oft in Gemeinschaftsanlagen. „Hier ist Platz für alle, für Heteros und Homos, für Deutsche und Muslime, für Alte und ganz Junge“, sagt Bernd Boßmann. Er zeigt auf den „Garten der Sternenkinder“, wo Eltern ihrer Kinder gedenken.

Kiezfeste auf dem Friedhof

Boßmann, der am Friedhofseingang das Café Finovo betreibt, sagt, die liebsten Besucher seien ihm Kitagruppen. „Die Kinder kommen gern und ganz gezielt zu den Grimm-Gräbern, weil sie die Märchen kennen und wissen wollen, wo deren Erzähler begraben sind.“ Sie seien neugierig und offen, auch für Gespräche über das Tabuthema Tod. Der Friedhof werde mit ihnen zu einem fast heiteren Ort. Im Sommer sitzen häufig Kinderguppen im Kreis unter einem Kirschlorbeer-Baum oder suchen Rapunzel schon mal in der historischen Friedhofskapelle.

Auch Kiezfeste finden teilweise auf dem Friedhof statt. Für diese sympathisch tolerante Atmosphäre, die für Friedhöfe nicht selbstverständlich ist, glaubt der Schriftsteller und Sänger Wolfgang Müller eine Erklärung zu haben. Elfen und Zwerge, sagt er, hätten die Menschen mit ihrer Zauberkraft positiv beeinflusst. Diese Fabelwesen bevölkerten nämlich nicht nur die Märchen der Brüder Grimm: „Wir haben gerade um die Grimm-Gräber herum eine verstärkte Elfen-Konzentration festgestellt.“ Zumindest die Kitakinder werden begeistert sein.

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