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Gedenken an Hatun Sürücü: Vom eigenen Bruder hingerichtet

Hatun Sürücü wollte ihr Leben selbst bestimmen. Die Familie war dagegen.

Hatun Sürücü wollte ihr Leben selbst bestimmen. Die Familie war dagegen.

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dpa/Sören Stache

Neun Jahre ist es her, dass die damals 23 Jahre alte Hatun Sürücü in Tempelhof von ihrem Bruder erschossen wurde. Der Fall wurde deutschlandweit bekannt und sorgt bis heute für eine Debatte über deutsche Integrationspolitik sowie über Menschenrechtsverletzungen im Namen der Ehre. Hatun Sürücü war eine Deutsche kurdisch-türkischer Herkunft. Ihr Bruder erschoss sie, weil sie emanzipiert und selbstbestimmt lebte, was ihm und der Familie nicht passte.

Der damals 18 Jahre alte Bruder Ayhan Sürücü hatte seiner Schwester am 7. Februar 2005 an einer Bushaltestelle in der Oberlandstraße in Tempelhof aufgelauert. Er erschoss die Mutter eines damals fünf Jahre alten Sohnes, die in einer stark islamisch geprägten Familie aufgewachsen war. Das Landgericht verurteilte ihn im April 2006. Er erhielt eine Jugendstrafe von neun Jahren und drei Monaten wegen Mordes.

Bis heute ist der Fall noch nicht zweifelsfrei aufgeklärt. Die Mordermittler gehen nämlich davon aus, dass der Mörder von seinen beiden älteren Brüdern zu dieser Tat angestiftet worden ist. Gegen die beiden Männer war zwar wegen gemeinschaftlichen Mordes ermittelt worden und sie wurden auch angeklagt. Das Landgericht sprach sie jedoch aus Mangel an Beweisen frei. Der Bundesgerichtshof stimmte der Revision der Staatsanwaltschaft zu. Bevor neue Ermittlungen geführt wurden, waren die beiden Brüder mit ihren Familien längst in die Türkei ausgereist.

Die Türkei liefert, wie andere Länder auch, eigene Staatsbürger nicht aus. Die türkische Polizei ermittelt in diesen Fällen dann selbst. Im Sommer vergangenen Jahres baten türkische Behörden um die deutschen Ermittlungsakten. Die wurden ihnen übergeben. Seitdem haben Berliner Ermittler nichts von ihren türkischen Kollegen gehört. Es gibt nichts Neues in diesem Fall, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Thomas Fels auf Anfrage.

Zur Erinnerung an die junge Frau werden Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) sowie Vertreter mehrerer Organisationen am Freitag in der Oberlandstraße einen Kranz niederlegen.

Auch die Frauen und Mädchen des Sportvereins Türkiyemspor werden an der Gedenkveranstaltung teilnehmen. Im vergangenem Jahr organisierten sie ein Frauenfußballturnier, den sogenannten Hatun Sürücü Cup. Der findet auch in diesem Jahr statt. Am Sonntag werden acht Teams aus Kreuzberg und Neukölln gegen einander antreten und um den Wanderpokal spielen. Das Turnier findet in der Sporthalle der Lenau-Grundschule in der Nostizstraße 60 statt.