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Gedenktafeln für Maueropfer: Die gestohlenen Mauerkreuze sind wieder da

Wieder am Ursprungsport: Die Gedenktafeln für die Mauertoten an der Spree unweit des Reichstags.

Wieder am Ursprungsport: Die Gedenktafeln für die Mauertoten an der Spree unweit des Reichstags.

Die am 3. November gestohlenen Gedenkkreuze für die Mauertoten sind wieder da. Sie befinden sich seit Sonntagabend wieder an ihrem Ursprungsort am Spreeufer östlich vom Reichstag.

Nach Informationen der Berliner Zeitung meldete sich bereits einen Tag nach ihrem Verschwinden ein Rechtsanwalt telefonisch bei der Berliner Polizei. Er sagte, er vertrete jene Leute, die die Kreuze entfernt hätten. Er beteuerte, dass sie zurückgebracht würden. Die Polizei machte klar, dass trotzdem wegen Diebstahls ermittelt werde.

Am Sonnabend meldete sich der Anwalt erneut bei der Polizei. Er kündigte an, dass am 9. November abends die Kreuze wieder anmontiert würden. Am Sonntagabend rief er jedoch noch einmal an und blies die Aktion ab mit der Begründung, dort seien zu viele Menschen. Sicherheitshalber waren Beamte des Staatsschutzes im Landeskriminalamt trotzdem vor Ort. Ermittler vermuten, dass die Diebe, gedeckt durch die Menschenmassen, die Kreuze heimlich anbringen wollten.

Gegen 22.30 sahen die Staatsschützer vier Personen, die die 14 gestohlenen Kreuze auf einem Palettenwagen zu der Gedenkstätte schoben. Bei den Tätern handelt es sich um drei 27, 32 und 41 Jahre alte Männer und eine 31-jährige Frau. Unter der Aufsicht der Polizisten schraubten diese die Kreuze wieder an. Nach Feststellung der Personalien wurden sie entlassen. Nach Angaben eines Polizeisprechers werden sie nun des besonders schweren Diebstahls beschuldigt.

Theater beschuldigt

Für Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte der Vorfall am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses ein Nachspiel. Die Grünen kritisierten, dass Henkel in einem Gastkommentar für den Tagesspiegel dem Maxim-Gorki-Theater Komplizenschaft beim Diebstahl der Mauer-Gedenkkreuze vorgeworfen hatte.

In den Medien war zuvor Intendantin Shermin Langhoff mit dem Eingeständnis zitiert worden, ihr Theater habe im Rahmen einer Kunstaktion für Flüchtlinge Duplikate der gestohlenen Kreuze angefertigt. Eigene Erkenntnisse liegen dem Innensenator aber offenbar nicht vor.

Auf die Frage der Grünen-Abgeordneten Benedikt Lux und Canan Bayram, auf welche Anhaltspunkte der Senator seine öffentlichen Anschuldigungen stütze und ob es ein Ermittlungsverfahren gegen das Theater gebe, konnte Henkels Staatssekretär Bernd Krömer (CDU) nicht konkret antworten. Er sprach lediglich von „Ermittlungen in alle Richtungen“ und „Gesprächen mit einem Rechtsanwalt“ ohne dies näher zu erläutern.

Das trug ihm scharfe Kritik der Grünen ein. Statt ohne gute Gründe ein Theater zu bedrohen, müsse der Senat für die Freiheit der Kunst eintreten, sagte Bayram. Henkel hatte den Diebstahl der Kreuze als verabscheungswürdig beschrieben. Besonders bitter sei, dass die „Komplizenschaft“ zwischen den Dieben und dem Theater offenbar mit Steuergeldern gefördert worden sei, so Henkel. Die Rolle des Maxim-Gorki-Theaters müsse dringend aufgeklärt werden.

Krömer qualifizierte Henkels Einschätzung nicht als strafrechtliche, sondern als politische Äußerung. Die Opposition könne ja beim Abgeordnetenhausplenum am Donnerstag Henkel persönlich dazu befragen.

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