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Gefährliche Infektionskrankheiten: TBC: Tuberkulose-Fall an der Freien Universität

Die FU wollte den Fall nicht bestätigen.

Die FU wollte den Fall nicht bestätigen.

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dpa

An der Freien Universität (FU) ist ein Fall von Tuberkulose aufgetreten. Betroffen ist der Fachbereich Rechtswissenschaften in der Van’t-Hoff-Straße 8 in Dahlem. „Anfang Dezember wurde uns eine TBC-Erkrankung gemeldet“, bestätigte die Leiterin des Tuberkulosezentrums in Lichtenberg, Gisela Glaser-Paschke, am Donnerstag auf Nachfrage. Daraufhin seien Recherchen eingeleitet worden, um die Kontaktpersonen des Erkrankten zu ermitteln, die sich möglicherweise infiziert haben. „Mitte nächster Woche werden rund 300 Studenten und Mitarbeiter untersucht“, kündigte die Radiologin an.

Die FU bestätigte, dass Ende des Jahres die Erkrankung eines Studenten gemeldet wurde. „Die Person ist seitdem in medizinischer Behandlung, sie ist nicht mehr infektiös und befindet sich auf dem Weg der Besserung“, sagte ein Sprecher. Vorsichtshalber würden in den kommenden zwei Wochen an einigen Personen, die zur damaligen Zeit im engeren Kontakt zu der erkrankten Person standen, Kontrolluntersuchungen durchgeführt, fügte er hinzu. Ob sich jemand mit der Lungenkrankenheit angesteckt hat, lässt sich frühestens acht Wochen nach der Infektion zuverlässig diagnostizieren.

Der Erkrankte, über den die Leiterin des Tuberkulose-Zentrums Glaser-Paschke aus Gründen das Datenschutzes keine Angaben machen kann, litt unter offener Tuberkulose, das heißt, es wurden Tuberkulosebakterien festgestellt. „Er wurde isoliert und gut vier Wochen lang behandelt.“ Weil der Patient nicht mehr ansteckend ist, sei es nicht erforderlich, das FU-Gebäude zu sperren.

Weltweit sterben sehr viele Menschen an Tuberkulose, einer gefährlichen bakteriellen Infektionskrankheit. In Deutschland schien Tuberkulose überwunden zu sein, aber seit einigen Jahren häufen sich die Erkrankungen wieder. 336 Fälle von offener TBC wurden vergangenes Jahr in Berlin gemeldet, darunter sechs mit tödlichem Ausgang.

Im Jahr 2012 erkrankten 310 Menschen, sieben starben. 2009 wurden 266 Personen gemeldet, alle überlebten. Auf 100.000 Einwohner kamen in Berlin im Jahr 2012 nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 9,6 Fälle – so viele wie in keinem anderen Bundesland. Deutschlandweit beträgt der Durchschnittswert 5,3.

2012 stammten in Berlin erstmals die Mehrzahl der Erkrankten, 55 Prozent, aus dem Ausland. „Auch 2013 hatten mehr als die Hälfte der Betroffenen einen Migrationshintergrund“, sagt die Leiterin des Tuberkulosezentrums. Vor allem Zuwanderer aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa erkrankten.

Wachsende soziale Probleme würden die Situation verschärfen. Beengte Wohnverhältnisse etwa begünstigten einen Ausbruch der Krankheit, die durch eingeatmete Tröpfchen übertragen wird. Zudem ist Tuberkulose zunehmend resistent gegen Antibiotika. Das macht die Behandlung schwieriger und teurer.

Jeder Fall wird gemeldet

Gefährdet sind insbesondere Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Zu den Risikogruppen zählen Wohnungslose, Alkohol- und Drogenabhängige, aber auch Kinder. Ärzte und Labors müssen dem Tuberkulosezentrum jeden diagnostizierten Fall melden. Die Experten in Lichtenberg setzen sich dann mit den Patienten in Verbindung und ermitteln die Kontaktpersonen. Diese – und nicht die Erkrankten, die beim niedergelassenen Arzt oder in der Klinik behandelt werden – werden im Tuberkulosezentrum untersucht. Weil die Inkubationszeit extrem lang ist, werden Infizierte ein Jahr lang beobachtet. Bei den allermeisten bricht die TBC nicht aus.