blz_logo12,9

Gefährliche Spielautomaten: Berliner verzocken täglich 500.000 Euro

Durch die Umwandlung der eingeworfenen Beträge in Punkte schwindet beim Glückspieler das Bewusstsein, dass es um echtes Geld geht.

Durch die Umwandlung der eingeworfenen Beträge in Punkte schwindet beim Glückspieler das Bewusstsein, dass es um echtes Geld geht.

Foto:

imago stock&people

Um soziale schwache Quartiere in Berlin zu erkennen, kann man in den Sozialstrukturatlas des Senats schauen. Oder einfach die Spielhallen im Straßenbild zählen. Frei nach der Faustregel: Wo viele Spielhallen sind, gibt es viele soziale Probleme: An der Sonnenallee in Neukölln etwa. An der Pichelsdorfer Straße in Spandau. Oder im Quartier rund um die Stromstraße in Moabit.

„Die meisten Spielhallen drängen, ebenso wie Wettbüros, in sozial schwache Quartiere und zerstören Kieze und Menschen. Immer mehr Berliner werden abhängig von diesem ‚Zeitvertreib‘, krankhafte Spielsucht zerstört ihre soziale, berufliche und materielle Lebenssituation“, sagt der Berliner SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz. Deshalb begrüßt er die jüngste Initiative der Bundesregierung, die die Regeln für das Automatenspiel drastisch verschärfen will.

„Das ist ein absolut wichtiger Schritt“, sagt der Abgeordnete. Vor allem das sogenannte Punktespiel will die schwarz-rote Bundesregierung verbieten. Dabei wird der in einen Spielautomaten eingeworfene Geldbetrag in Punkte umgewandelt. „Das ist besonders problematisch, weil der Spieler dadurch völlig den Bezug zum Geld verliert und noch höhere Risiken eingeht“, sagt Buchholz.

Laut Buchholz haben rund 34.000 Menschen in Berlin ein problematisches Spielverhalten, davon seien rund 17.000 pathologisch spielsüchtig. „Jeden Tag versenken die Berlinerinnen und Berliner mehr als 500.000 Euro in den Spielautomaten der Stadt.“ Die Allgemeinheit müsse sich dann mit den Folgen wie Verschuldung herumschlagen.

Buchholz war auf Berliner Landesebene maßgeblich an an einem verschärften Spielhallengesetz beteiligt, das im Juni 2011 in Kraft trat. Wichtigste Punkte: Anhebung der Vergnügungssteuer von 11 auf 20 Prozent. Erlaubt ist nur noch eine Spielhalle pro Gebäude, es muss ein Mindestabstand von 500 Metern zu bestehenden Hallen und Jugendeinrichtungen eingehalten werden, pro Halle sind maximal acht Spielautomaten erlaubt, vorher 12.

Allerdings gibt es wegen gesetzlicher Übergangsfristen immer noch ganze Straßenzüge, die von den auffälligen, mit Spielcasinomotiven zugeklebten Automatenhallen dominiert werden. Damit sei am 31. Juli 2016 Schluss, wenn nur noch das neue Spielhallenrecht gelte.

Monatlich 3000 Euro Bruttogewinn pro Automat

„Mehrfachkomplexe und von Spielhallen geprägte Straßenzüge werden dann aus dem Stadtbild verschwinden,“ verspricht der SPD-Abgeordnete. Die geplante Verschärfung durch den Bund unterstütze diese Bemühungen. Die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft forderte er auf, die Umsetzung des Gesetzes jetzt vorzubereiten. Die Materie sei kompliziert und zwei Jahre keine lange Zeit.

Kritisch sieht der Abgeordnete, dass die Bundesregierung die Zahl von Automaten in Gaststätten lediglich von drei auf zwei reduzieren will. „Am besten wäre ein vollständiges Verbot, wie in Norwegen und der Schweiz“, sagt Buchholz. Die Hälfte des Automatenumsatzes werde in Gaststätten gemacht.

Für die Betreiber ist das ein gutes Geschäft: 3000 Euro Bruttogewinn im Monat sind pro Automat üblich, an guten Standorten auch weit mehr. Für die Spieler sind die Folgen weniger schön. Sie werden zu Stammkunden bei der Schuldnerberatung.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?