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Gelände der ehemaligen Bar 25: Neustart am Spreeufer

Längst geschlossen: Im Herbst 2010 schloss die Bar 25 ihre Tore am Ufer der Spree.

Längst geschlossen: Im Herbst 2010 schloss die Bar 25 ihre Tore am Ufer der Spree.

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dapd

Berlin -

Kein Hochhaus, kein Büro-Monolith, kein Hotel-Klotz: Die Planung für das Grundstück Holzmarktstraße 10–30 in Friedrichshain wird zurück auf null gesetzt. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat am Dienstag damit begonnen, den Bebauungsplan zu ändern, der seit mehr als zehn Jahren gilt. Mehr Wohnungen und mehr Freiflächen sollen jetzt am Spreeufer entstehen. Es ist das erste Mal, dass eine Planung im Bereich Mediaspree derart grundsätzlich geändert wird.

„Die alten Planungen sind nicht mehr zeitgemäß, weil es schon genug Büros und Hotels gibt. Deshalb werden wir die Baudichte um etwa die Hälfte reduzieren“, sagt Bürgermeister Franz Schulz (Grüne). Am Mittwochabend billigten die Bezirksverordneten diese Änderung, die jetzt zügig offiziell im Amtsblatt veröffentlicht werden soll. Die Eile hat Gründe: Gerade ist ein Bieterverfahren für das gut 18 000 Quadratmeter große Grundstück zwischen Holzmarktstraße und Spreeufer zu Ende gegangen. Der Verkäufer, die landeseigene BSR, prüft derzeit die Gebote. Wie viele Kaufinteressenten es gibt, ist unbekannt. Ebenso, wie hoch die Gebote sind. Der Kaufpreis dürfte aber bei mindestens zehn Millionen Euro liegen. Ein Münchner Interessent wollte Anfang des Jahres für 15 Millionen Euro kaufen, das Geschäft kam nicht zustande.

Kita, Club und Hotel

Doch ob die BSR so viel Geld bekommt, bleibt abzuwarten. Denn nach der Planungsänderung wird der Grundstückswert rapide sinken – weil Investoren nicht mehr so viel bauen dürfen. Möglicherweise werden sie ihre Gebote, die noch auf den alten Planungen beruhten, nachträglich reduzieren. Bei der BSR will man sich aktuell dazu nicht äußern. „Wir wollen das wirtschaftlichste umsetzbare Konzept“, heißt es nur knapp.

Zumindest eine Gruppe Kaufwilliger könnte von der Planungsänderung profitieren – die Betreiber der einstigen Bar 25, die bis zum Herbst 2010 auf dem BSR-Gelände residierte. Das Team, das heute das KaterHolzig betreibt, will an seiner alten Wirkungsstätte das Projekt Holzmarkt entwickeln, ein Dorf mit Ateliers und Läden, mit Studentenwohnungen und einer 24-Stunden-Kita, mit einem Club und einem Hotel. Etwa die Hälfte des Areals soll eine Freifläche bleiben, zum Gärtnern, Feiern und Spielen.

Offen für Neues

Der Holzmarkt, der so heißt, weil dort im 19. Jahrhundert mit Holz gehandelt wurde, hat viele Sympathisanten. Jochen Sandig, Chef des benachbarten Kunsthauses Radialsystem, gehört dazu. „Wir brauchen hier mehr Kultur, Vielfalt und Lebendigkeit“, sagt er. Ähnlich denkt man im Bezirksamt. „Der Holzmarkt könnte ein Beispiel sein für den städtebaulichen Paradigmenwechsel“, sagt Rathauschef Schulz und meint damit den erfolgreichen Bürgerentscheid von 2008. Damals hatte eine Mehrheit der Beteiligten gegen die Mediaspree, die geplante Büro-Monokultur am Spreeufer, und für mehr Freiflächen votiert.

Bislang war der Bezirk mit Wünschen nach Planänderungen stets auf Ablehnung gestoßen. Bei landeseigenen Unternehmen, in deren Aufsichtsräten Senatoren sitzen, könnte jetzt ein Umdenken einsetzen. Vielleicht zeigt der andauernde Protest gegen Mediaspree Wirkung. Aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, bei der Schulz die Änderung angezeigt hatte, kam kein Widerspruch. „Wir haben dem Bezirk nur mitgeteilt, dass er gesamtstädtische Interessen beachten muss“, sagt Sprecherin Daniela Augenstein.

So soll das Gewerbezentrum am Ostbahnhof nicht mit zu vielen neuen Läden geschwächt werden. Schulz: „Offenbar ist der neue Stadtentwicklungssenator, anders als seine Vorgängerin, offen für Neues.“ Ist Berlin also auf dem Weg zu einer Stadtpolitik, die sich am Bedarf der Menschen orientiert? Schulz: „Ich hoffe es und erwarte ambitionierte Debatten.“