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Berliner Zeitung | Gemüseladen „Bizim Bakkal“: Der Wrangelkiez wehrt sich gegen Verdrängung
17. June 2015
http://www.berliner-zeitung.de/972174
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Gemüseladen „Bizim Bakkal“: Der Wrangelkiez wehrt sich gegen Verdrängung

Kein Durchkommen mehr in der Wrangelstraße.

Kein Durchkommen mehr in der Wrangelstraße.

Foto:

Aleksandar Zivanovic

Zum ersten Mal haben sie sich Ende Mai getroffen. Auf der Wrangelstraße. Ungefähr 70 Menschen haben damals vor dem Café gleich neben dem Gemüseladen „Bizim Bakkal“ beratschlagt, wie sie Ahmet Caliskan helfen können. Denn sein im Kiez beliebter Gemüseladen muss im September schließen, der Gewerbevertrag wird vom neuen Eigentümer nicht verlängert.

An Mittwochabend trafen sich die Anwohner bereits zum vierten Mal, immer mehr Menschen versammelten sich in den letzten Wochen. Auf dem Bürgersteig war kein Platz mehr, die Menschen standen auf der Straße. Zum ersten Mal ist diese Veranstaltung nun auch offiziell angemeldet. Die Polizei hat das Teilstück der Wrangelstraße zwischen Falckensteinstraße und Cuvrystraße für den Verkehr gesperrt.

Banner prangen dort über der Straße: "Bizim Bakkal bleibt – Wir auch. Keine Verdrängung im Wrangelkiez!", steht darauf geschrieben. Ähnliche Parolen haben Kinder mit Kreide auf die Straße gemalt. Stühle und Tische stehen dort, Menschen reden, diskutieren und scherzen, eine Band spielt ein paar Songs. Etwa 300 Menschen sind gegen 19.30 Uhr vor Ort.

"Dieser Protest ist ein Zeichen dafür, dass man nicht alles einfach so hinnimmt, dass man wenigstens Solidarität zeigt. Selbst wenn es rechtlich eindeutig ist, dass 'Bizim Bakkal' gehen muss", sagt ein Protestler. "Aus so einer Sache können viele positive andere Sachen folgen."

Räumung am Morgen blockiert

Bereits am frühen Morgen wurde nicht weit vom Bizim Bakkal in der Oppelner Straße die Zwangsräumung einer Familie verhindert. Spontan hatten sich vor dem Haus etwa 50 Demonstranten des Bündnisses "Zwangsräumung verhindern" versammelt und den Eingang blockiert, sodass die Gerichtsvollzieherin wieder abreisen musste, ohne die Räumung zu vollstrecken.

Wie aus einer Mitteilung des Bündnisses hervorgeht, war die dreiköpfige Familie nicht mehr im Stande die Miete für die Wohnung zu bezahlen, nachdem zwei Kinder ausgezogen waren und das Jobcenter die monatlichen Zahlungen dementsprechend neu berechnet hatte. In dem Schreiben kündigen die Aktivisten an, die Räumung um 14 Tage verschieben zu wollen, um in der Zwischenzeit ein Lösung zu finden. Noch ist unklar, für wann der nächste Räumungstermin in dem Fall angesetzt wird.