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Gentrifizierung in Berlin: Milieuschutz für Wedding und Moabit

Die Müllerstraße am Leopoldplatz in Berlin-Wedding.

Die Müllerstraße am Leopoldplatz in Berlin-Wedding.

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imago stock&people

Fast 100.000 Menschen in Wedding und Moabit sollen vor Verdrängung durch steigende Mieten besser geschützt werden. Gutachter empfehlen, insgesamt fünf Areale in beiden Stadtteilen als Milieuschutzgebiete auszuweisen.

Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, über die Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) am Mittwoch informierte. Spallek sagte, Ziel sei es, die Bevölkerungsstruktur in den Gebieten zu erhalten, also die „typische Berliner Mischung“. Das Bezirksamt arbeite derzeit einen Entwurf für die Milieuschutz-Verordnung aus. Diese werde anschließend von der Bezirksverordnetenversammlung beraten. Im April oder Mai könne sie beschlossen werden und in Kraft treten.

Der Milieuschutz soll sich in Wedding auf die Gebiete beidseits der Seestraße zwischen Amrumer- und Müllerstraße sowie rund um den Sparrplatz und den Leopoldplatz erstrecken. Dort leben zirka 52.000 Menschen. In Moabit ist geplant, die Stadtviertel nördlich und teilweise auch südlich der Turmstraße als Milieuschutzgebiete auszuweisen. Dort leben rund 45.000 Einwohner.

75 Prozent der Haushalte unter Verdrängungsrisiko

Laut der Untersuchung sind die Wohnungen in Wedding einem teils „starken Aufwertungsdruck“ ausgesetzt. Für fast 75 Prozent der Haushalte ermittelten die Experten ein mittleres oder starkes Verdrängungsrisiko. Die Gutachter empfehlen unter anderem, die Zusammenlegung von Wohnungen und die Änderung von Grundrissen auszuschließen. So soll verhindert werden, dass sich die Zahl der Wohnungen verringert. Zudem soll der Abriss von Wohnraum ausgeschlossen werden.

In Moabit stehen nach Ansicht der Gutachter alle untersuchten Quartiere unter „hohem Aufwertungsdruck“. Die Experten empfehlen ähnliche Schutz-Maßnahmen wie für die Stadtviertel in Wedding. Sowohl für Wedding als auch für Moabit bringen die Gutachter den Einsatz „gebietsspezifischer Mietspiegel“ ins Gespräch. Sie sollen dazu beitragen, dass die Mieten nach Modernisierungen weniger stark steigen. Sollten die Stadtviertel in Wedding und Moabit zu Milieuschutzgebieten ausgewiesen werden, genießen die Bewohner noch einen weiteren Schutz: Die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen kann verboten werden.

Der Berliner Mieterverein (BMV) erklärte, bereits vor einem Jahr habe eine erste Grob-Prüfung den Aufwertungs- und Verdrängungsdruck in den Gebieten bestätigt. Umso ärgerlicher sei es, dass der Bezirk nicht schneller gehandelt habe. „Mieter hätten bereits Schutz vor kostentreibenden Modernisierungsmaßnahmen haben können“, so Wibke Werner, die stellvertretende BMV-Geschäftsführerin. Die Idee, auf Grundlage eines gebietsspezifischen Mietspiegels modernisierungsbedingte Mietsteigerungen zu begrenzen, sei grundsätzlich zu begrüßen, müsste jedoch rechtssicher ausgestaltet werden.


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