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Gerüche in der U-Bahn: Mit Kaffeebohnen nach Italien

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Ein U-Bahnzug mit Gaffiti steht an einem Bahnhof in Berlin.

Foto:

imago

Berlin -

Gerüche im Nahverkehr. Riesenthema. Alles gesagt dazu, könnte man meinen. Döner in der U-Bahn: geschenkt. Stinkt. Sollte man nicht. Wird trotzdem gegessen. Pommes, Fischbrötchen, Pizza – dito.

Zu wenig wurde  bisher über Fruchtgummis geschrieben, wobei der Wortteil „Frucht“ ja weniger Obst meint, als vielmehr die Aromastoffe, die das Glibberzeug nach etwas schmecken lassen, das man mit Obst verbindet. Und was danach riecht.

Der hellgrüne Geruch

Will sagen: Keiner hat wohl was dagegen, wenn einer in der Bahn einen Apfel isst. Apfelringe hingegen, dieser Süßkram, der aussieht wie frittierte Tintenfischringe, nur eben in grün, sollte einen Extra-Verbotsaufkleber bekommen. Verboten. Der hellgrüne Geruch (ja, es gibt Gerüche, die eine Farbe haben) schafft es in den hintersten Winkel.

Andererseits: Schaden die ganzen Verbote nicht der Toleranz? Es ist ja erstaunlich, was Großstädter aushalten. Nicht nur Speiseausdünstungen. So mancher Fahrgast, Mensch oder Hund, ist ja auch eine aromatische Prüfung. Wie die Menschen das durchstehen, wenn einer im ganzen Wagen sich verströmt, das ist bewundernswert. Schals werden an Nasen gedrückt. Luft angehalten. Stoisch aus dem Fenster gestarrt. Verzweifelte Blicke unter Unbekannten werden ausgetauscht.

Nasezuhalten nur als allerletzte Notlösung

Doch kaum einer verlässt die Bahn, ja sogar das demonstrative Nasezuhalten scheint nur als allerletzte Notlösung erlaubt zu sein. Schließlich könnte es der Stinkende sehen, und das will man dann doch nicht. Soll noch mal jemand sagen, Großstädter seien verzärtelt. Oder dächten ein jeder nur an den eigenen Komfort. Durch klinisch reine Luft im Nahverkehr würde diese Dickhäutigkeit vielleicht leiden.

Und es bedeutete wohl auch das Aus für Erlebnisse wie kürzlich: Da waberte ein Duft durch die Bahn, der alle Anwesenden von ihren Geräten  aufschauen ließ. Nasenflügel bebten, Augen suchten nach der Quelle der Wohltat, Köpfe verrenkten sich. Es roch nach Kaffee.

Es roch nach Morgensonne, nach Italien

Nicht nach irgendeinem To-go-Gesöff. Es duftete nach frisch geröstetem, frisch gemahlenem, frisch und kundig aufgebrühtem Kaffee. Es roch nach Morgensonne, nach Augenschließen und Italien. Vielleicht hatte nur jemand ein Paket Kaffeebohnen in der Tasche. Wenn es so war, sollten die auch einen Aufkleber bekommen. Einen, der sagt: Das Mitführen von sehr guten Kaffeebohnen ist ausdrücklich erwünscht. Ein Aufpreis ist nicht zu entrichten.


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