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Gestohlene Räder in Berlin: Fahrraddiebe werden immer dreister

Sicher ist sicher: Beim Anschließen eines Fahrrades kommt es allerdings nicht auf die Höhe, sondern vor allem auf das richtige Schloss an.

Sicher ist sicher: Beim Anschließen eines Fahrrades kommt es allerdings nicht auf die Höhe, sondern vor allem auf das richtige Schloss an.

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imago stock&people

Berlin -

Es ist wieder Saison – für Fahrraddiebe. Erst in der Nacht zum Dienstag hat die Polizei drei Fahrraddiebe erwischt. Die Männer aus Polen waren den Beamten aufgefallen, als sie in der Pasewalker Straße in Pankow mit mehreren Fahrrädern zu einem Kleintransporter liefen und diese verladen wollten. Bei der Kontrolle der Räder stellte sich heraus, dass eines der Räder zur Fahndung ausgeschrieben war. Der Besitzer hatte vor einigen Tagen den Diebstahl angezeigt und dabei die Rahmennummer angegeben. Die Nummer war in die Fahndungsliste eingegeben worden. Die Diebe konnten überführt werden.

Nummer mitgeteilt

Der Diebstahl von Fahrrädern nimmt rapide zu. Im vergangenen Jahr wurden laut polizeilicher Kriminalitätsstatistik 26.513 Räder in Berlin gestohlen. Das waren 484 mehr als im Jahr zuvor. Die Aufklärungsquote ist außerordentlich gering: Sie lag bei unter zwei Prozent. Ermittler gehen zudem davon aus, dass die Zahl der Diebstähle viel höher ist, weil nicht jeder Betroffene Anzeige erstattet. Viele gehen davon aus, dass sich die Polizei nicht um jedes gestohlene Fahrrad kümmere. „Müssen wir aber“, sagt Polizeisprecher Michael Merkle. Man sei verpflichtet, jeder Anzeige nachzugehen.

Darauf hofft auch Ralph K. aus Pankow. Er hatte sein Rad am vergangenen Samstag vor den Schönhauser Allee Arkaden in Prenzlauer Berg abgestellt und war gerademal zehn Minuten einkaufen. Als er nach Hause wollte, war das Rad weg. Die Rahmennummer habe er der Polizei mitgeteilt und auf Strafverfolgung gedrungen, sagt er. Nicht der materielle Wert des Rades sei für ihn das Entscheidende, sondern der ideelle. „Das Rad habe ich bereits viele Jahre, es ist mir irgendwie ans Herz gewachsen.“

Die individuelle Kennzeichnung eines Rades sei bei einer Fahndung sehr hilfreich, sagt Polizeisprecher Merkle. Außerdem erschwert eine Codierung den Weiterverkauf. Es gebe noch nicht viele Radfahrer, die die kostenlose Kennzeichnung durch die Polizei nutzen. Für diesen Schutz plädieren auch die Macher des Internetportals Fahrradjaeger.de. Einer von ihnen ist Anton Marcuse. Auf der Seite gibt es Tipps zum Schutz vor Dieben und auch Fotos von gestohlenen Rädern nebst Rahmennummern – auf Wunsch sortiert nach Postleitzahlen.

Die Diebe werden immer dreister, sagt Anton Marcuse. Sie würden mit Kleintransportern vorfahren, dann die Räder, die im Hinterhof eines Hauses abgestellt sind, verladen und weiter zum nächsten Haus fahren. Marcuse und die anderen Mitarbeiter der Plattform haben die Erfahrung gemacht, dass Diebe ihre Beute zunehmend auf nahe gelegenen Trödelmärkten zum Kauf anbieten – in Einzelteilen oder komplett. Innerhalb weniger Tage hätten so drei Bestohlene ihre Räder wieder gefunden, sagt er.

Es gibt allerdings auch professionelle Täter, die direkt auf Bestellung Räder an ihre Auftraggeber liefern. Das musste Uwe H. aus Köpenick erfahren. Sein Rad war aus seinem Hausflur entwendet worden. Das war 2012 im Herbst. Als er ein Jahr später mit seiner Freundin eine Radtour durch die Weinberge in Eger in Ungarn unternehmen wollte, bot ihm ein Fahrradverleiher ein Rad an. Er stutzte. Es war seins. Der Verleiher sagte, dass er es von einem Großhändler gekauft habe. Uwe H. hat es dem Verleiher wieder abgekauft.

Der Fahrraddiebstahl wachse proportional mit dem Tourismus in osteuropäischen Ländern, sagen Fahnder. Je mehr deutsche Touristen im Auslandsurlaub Fahrräder ausleihen wollten, umso mehr wird gestohlen, gefragt seien vor allem Räder von renommierten Herstellern.

Die gestohlene Ware kommt mit Schiffen oder auf Laster außer Landes. Entweder komplett oder demontiert. Die Ware wird zumeist als Schrott oder Ersatzteil-Lieferung deklariert und dementsprechend mit falschen Frachtpapieren versehen. Die Bundespolizei hat seit Jahresbeginn in 14 Fällen gestohlene Räder sichergestellt. Die meisten lagen auf Transportern und sollten nach Polen gebracht werden.