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Gesundheitsreport 2013: Der Mann, das unbekannte Wesen

Hat schon so manches (Männer-)hirn erforscht: der Kabarettist und Arzt Eckart von Hirschhausen.

Hat schon so manches (Männer-)hirn erforscht: der Kabarettist und Arzt Eckart von Hirschhausen.

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riediger henning

Herbert Grönemeyer fragte sich einst: „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Geht es nach den Experten der Krankenkasse Barmer GEK in etwa so: wenn er trinkt, raucht und fett isst, viel arbeitet und gefährliche Hobbys hat – und erst dann zum Arzt geht, wenn’s nicht mehr anders geht. Diese Verhaltensweisen will die Barmer GEK jetzt ändern. Denn, so das Fazit des Gesundheitsreports 2013, den die Kasse am Montag vorstellte: Bisher sei das Thema Männergesundheit sowohl in der Politik als auch bei den Kassen vernachlässigt worden. Dabei seien die Zahlen alarmierend.

Laut dem Gesundheitsreport fallen Frauen auf der Arbeit wegen Krankheit mit 21,63 Tagen pro Jahr zwar häufiger aus als Männer (17,02 Tage), jedoch dauere ein Krankheitsfall bei Männern (durchschnittlich 16 Tage) länger als bei Frauen (15,5 Tage). Ganz drastisch sind die Unterschiede zum Beispiel bei den Todesraten. Demnach ist die Todesrate bei Männern zwischen 15 und 30 Jahren vier Mal höher als bei Frauen. Hauptursache seien Verletzungen, Unfälle, aber auch Selbstmorde. Auch in den Altersgruppen danach sterben mehr Männer als Frauen. Erst oberhalb des 70. Lebensjahres gleichen sich die Sterberisiken von Männern und Frauen weitestgehend an. Insgesamt liegt die Lebenserwartung laut Statistisches Bundesamt bei neugeborenen Mädchen bei 82,75 Jahren, bei Jungs sind es 77,72 Jahre.

„Das Thema Männergesundheit ist für die Barmer eher neu. Wir haben uns bisher als Familienkasse gesehen – und das hieß immer: Frauen und Kinder“, sagte Claudia Korf, Landesgeschäftsführer der Barmer für Berlin und Brandenburg. Nun wolle man umsteuern und lege erstmals Daten etwa zu Arbeitsunfähigkeitstagen nach Krankheitsarten und nach Alter von Männern vor, so Korf.

Dramatische Zahlen

Demnach fällt bei „jüngeren Erwerbspersonen (15 bis 35 Jahre) eine erhöhte Anzahl an Fehltagen wegen Verletzungen auf, viele davon verursacht durch Sport oder gefährliche Hobbys. Insbesondere seien Knie (21,4 Prozent), Hände (rund 20 Prozent) und Füße (16 Prozent) betroffen. In der „mittleren Erwerbsphase“ (35-50 Jahre) rücken Rückenerkrankungen nach vorne. So fehlt jeder fünfte Mann dieser Altersgruppe 19 Tage im Jahr wegen Wirbel- und Rückenproblemen. In der „fortgeschrittenen Erwerbsphase“ dominieren die Herz-Kreislauferkrankungen. Ganz dramatisch, so Männerforscher Lothar Weißbach von der Stiftung Männergesundheit, stellten sich die Zahlen nach Renteneintritt dar. „Dann haben fast 40 Prozent aller Todesfälle bei Männern Herz-Kreislauferkrankungen als Ursache“, sagte er. Vielfach seien dies Folgen eines ungesunden Lebenswandels in den Jahrzehnten zuvor.

Die Barmer GEK setzt auf Aufklärung und Prävention. So biete man etwa Schulen und Betrieben eine Zusammenarbeit an.

Weißbach, dessen Stiftung bereits 2010 einen ersten Männergesundheitsbericht vorgelegt hat, begrüßte, dass sich immer mehr Kassen dem Thema zuwendeten. Forderungen etwa nach Männerärzten erteilte er jedoch eine Absage. Es sei sehr kompliziert, Aufgabenbereiche abzugrenzen und Prüfungsordnungen zu ändern. Besser sei es Allgemeinärzte und Internisten stärker auf diese Klientel mit ihren Bedürfnissen hinzuweisen.

Im Übrigen veränderten sich die Lebensumstände derzeit dramatisch. Frauen seien aktiver im Arbeitsleben, und sie lebten auch ungesünder. Das führe dazu, dass sich die Lebenserwartung irgendwann angleichen werde. Doch noch, so Weißbach, gebe es eine Rangliste von Berufen, die die relativ hohe Sterblichkeit junger Männer erkläre: „Männer dominieren die ersten 16 Risikoberufe, auf Nummer 17 kommt der erste Risikoberuf, den Frauen häufiger ausüben. Es ist der der Krankenschwester.“


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