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Gewässer-Studie der FU Berlin: Der Rummelsburger See ist extrem mit Giftstoffen belastet

Zugefroren ist der Rummelsburger See ungefährlich – wenn man sich nicht zu früh aufs Eis wagt.

Zugefroren ist der Rummelsburger See ungefährlich – wenn man sich nicht zu früh aufs Eis wagt.

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Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Der Rummelsburger See ist das schmutzigste Gewässer Berlins. Davon ist Hans Pagel überzeugt, seit er die Studie der Geowissenschaftler der Freien Universität kennt, die jetzt veröffentlicht wurde. „Über hundert Jahre Industrieansiedlung haben ein übles Erbe hinterlassen“, sagt Pagel, der sich im Kiezbeirat engagiert. Die Experten der FU hatten das 45 Hektar große und anderthalb Kilometer lange Gewässer zwischen Rummelsburg und der Stralauer Halbinsel ein Jahr lang akribisch an rund 20 Messstellen untersucht.

Kein Ort zum Baden

Ihr Fazit fällt erschreckend aus. Die Sedimente des Sees sind „immer noch extrem hoch und flächenhaft belastet mit Schwermetallen und organischen Schadstoffen“, heißt es in dem Gutachten. Ob Blei, Cadmium, Kupfer, Zinn oder Quecksilber – überall werden die Grenzwerte beträchtlich überschritten. An einigen Stellen wird der sogenannte Consensus 2 um das Sechsfache übertroffen. Oberhalb des einfachen Grenzwerts ist ein toxischer Effekt zu erwarten.

„Manche werden das nicht gern hören“, ist Pagel überzeugt. Die Zahl der Badenden im See wächst von Jahr zu Jahr, im letzten heißen Sommer waren es besonders viele. „Davon ist dringend abzuraten. Wahrscheinlich ist das Wasser noch viele, viele Jahre zum Baden ungeeignet.“ Der Kiezbeirat will, das am Ufer Warnschilder aufgestellt werden. „Ein Appell an die Vernunft ist vielleicht wirksamer als ein Badeverbot“, hofft Pagel.

Um das Jahr 2000 herum war schon viel getan worden, um die Bucht ökologisch zu sanieren. 70.000 Kubikmeter Faulschlamm waren abgesaugt worden, mehr als fünf Tonnen Kampfmittel konnten geborgen werden. Zwei besonders belastete Stellen wurden chemisch behandelt, 8000 Tonnen Seeboden ausgetauscht. Der Eingang zur Bucht wurde mit einer Spuntwand versperrt, die nur noch einen schmalen Durchlass gewährt. Das sollte die Strömung am Seegrund vermindern.

Vor vier Jahren wurde bei einer Untersuchung jedoch festgestellt, dass die Schadstoffbelastung nicht weiter zurückgeht. Zu diesem Ergebnis kommt auch die neueste Studie. „Keine eindeutige Veränderung der Belastung in den Sedimentprofilen (0–15 cm)“, wird dort nüchtern konstatiert.

Schlimmer noch: Die Experten beobachten eine „Remobilisierung von belasteten Sedimenten“. Auf Deutsch: Der See ruht nicht still. Er wird ständig aufgewirbelt durch Wind und Schiffsverkehr, sodass sich unbelastete Sedimentschichten nicht über den belasteten ablagern können und den Seegrund so auf natürliche Weise versiegeln.

Konzept für Versiegelung

Seit einiger Zeit schon denken die Umweltexperten im Senat darüber nach, wie man diesen Versiegelungsprozess mit „technischen“ Mitteln herbeiführen kann. Drei Testfelder sollen in diesem Jahr angelegt und über Monate beobachtet werden. Nach diesen Erfahrungen wird dann ein Konzept für den ganzen See ausgearbeitet. Das soll 2017 fertig sein. „Eine Totalreinigung würde insgesamt rund 250 Millionen Euro kosten“, hat Pagel herausgefunden. Also müssen andere Lösungen her.