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Giftköder-Atlas Berlin: Wenn der Hass auf Hunde eskaliert

Hunde sind manchen ein Hassobjekt.

Hunde sind manchen ein Hassobjekt.

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dpa/Fredrik von Erichsen

Rasierklingen, Angelhaken, Rattengift – bei vielen Hundehaltern in Berlin schrillen bei diesen Begriffen die Alarmglocken. Immer wieder werden in der Stadt damit präparierte Wurststückchen oder Buletten gefunden, mit denen Unbekannte versuchen, Hunde auf qualvolle Art und Weise zu töten. Auch Thorsten Schatz musste um seinen Schützling fürchten. „Mein Labrador hat vor zweieinhalb Jahren einen Giftköder gefressen“, erzählt er. „Wenn man mit ansehen muss, wie das Tier sich quält und wie hilflos man ist, sieht man viele Dinge anders.“

Das Tier hat überlebt, aber seit diesem Vorfall engagiert sich Schatz noch intensiver für den Schutz der Vierbeiner. Der Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus hat gemeinsam mit seinem Parteifreund, dem Bundestagsabgeordneten Kai Wegner, die Facebook-Seite „Giftköderalarm Berlin“ erstellt.

120 gefährliche Leckerli seit April

Auf ihr veröffentlichen beide die Fundorte von Giftködern in der Stadt. Seit April, als sie die Seite an den Start brachten, wurden 120 giftige oder mit Rasierklingen gespickte Leckerli gemeldet. Ein ähnliches Angebot unter dem Namen „Giftköderradar“ gibt es bereits seit Jahren. Die App stammt ursprünglich aus Österreich und deckt mittlerweile auch ganz Deutschland ab. Der größte Unterschied sei, dass bei „Giftköderradar“ jeder ungeprüft Warnungen veröffentlichen könne, sagt Schatz. Das führe oftmals zu Falschinformationen. „Einige wollen sich nur wichtigmachen.“ Deshalb würden er und Wegner die Informationen, die sie bekommen, immer genau prüfen. Zudem hätten sie in Pankow und Spandau zwei Begehungen organisiert, bei denen sie und andere Freiwillige aktiv nach Ködern suchen.

Wie viele Giftköder tatsächlich in Berlin gefunden werden, darüber führt die Polizei keine Statistik, so ein Sprecher. Aus diesem Grund wollen es Schatz und Wegner auch nicht bei ihrer Seite belassen. Sie fordern, dass die Stadt einen offiziellen Giftköder-Atlas unter Leitung des Tierschutzbeauftragten betreibt. Das Anliegen werde vom Senat geprüft, hieß es im Frühjahr in einer Antwort auf eine Anfrage im Abgeordnetenhaus. Seitdem sei noch nichts passiert, so Schatz. In das amtliche Warnportal sollen nach seiner Vorstellung Informationen von der Polizei, dem Ordnungsamt und von Tierärzten einfließen. Letztere wüssten häufig am besten, wo Giftköder gefunden werden. Viele Hundehalter gingen nämlich nicht zur Polizei, so Schatz. Gerade das sei aber derzeit noch nötig, um gefährdete Orte zu identifizieren. Orte, wo gefährliche Köder ausgelegt würden, seien vor allem Hundeauslaufgebiete.