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Görlitzer Park: Diskussion über Drogen und Müll

Trotz fünfmaliger Leerung in der Woche, platzen die öffentlichen Mülleiner aus den Nähten. Zeit für ein Umdenken in der eigenen Müllproduktion?

Trotz fünfmaliger Leerung in der Woche, platzen die öffentlichen Mülleiner aus den Nähten. Zeit für ein Umdenken in der eigenen Müllproduktion?

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Markus Wächter

Berlin -

Die Anwohner des Görlitzer Parks sind es leid. Mehr als hundert Dealer säumen seit Monaten die Parkwege. Die meisten von ihnen sind schwarzafrikanische Flüchtlinge, die legal nicht arbeiten dürfen. Gut 100 Bürger diskutierten am Sonnabendnachmittag darüber, was dagegen getan werden kann. Die Veranstaltung war ein Versuch des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg, gemeinsam etwas zu verändern im Park, der wegen der massiven Zunahme des illegalen Drogenhandels einen schlechten Ruf genießt.

„Es ist wie ein Spießrutenlaufen, ständig werde ich belästigt, auch mit aggressiven sexistischen Sprüchen“, sagte eine Frau, die seit 30 Jahren dort lebt. Für ihre Familie, die einst im Park Geburtstage und andere Feste gefeiert habe, sei der Görli zur No-Go-Area geworden.

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Ähnlich äußerten sich andere langjährige Anwohner. Einer schlug vor, die Parkeingänge auf drei zu reduzieren und dort professionelle Sicherheitsleute einzusetzen. Doch davon wollten die anderen Kreuzberger nichts wissen. Sie wollen weder mehr Polizeirazzien noch Security im Park. Dass nicht alle Schwarzen, die sich im Park aufhalten, Dealer sind, versuchte Katharina Oguntoye vom Sozialprojekt Joliba zu erklären. Sie und ihre Kollegen, die sich hauptsächlich um die Sorgen und Nöte von Afrikanern in Berlin kümmern, sprechen seit Mitte September im Görlitzer Park gezielt Schwarzafrikaner an.

„Etliche verkaufen Drogen, aber viele sind nur dort, weil sie an anderen Orten der Stadt nicht sein dürfen, nicht akzeptiert werden“, sagte Oguntoye. Sie erzählte von jungen Männern, die gern legal arbeiten würden. Es seien Elektriker, Bauarbeiter, aber auch Lehrer, die aus afrikanischen Krisenstaaten geflüchtet seien. Auch Kora Cherno, 30 Jahre alt und Sozialarbeiter, ist aus seiner Heimat geflüchtet.

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Vor eineinhalb Jahren kam er aus Gambia nach Berlin. Wie viele Flüchtlinge im Görlitzer Park führte sein Weg über die italienische Insel Lampedusa. Was bedeutet, dass er in Deutschland weder Asyl beantragen darf noch irgendeine finanzielle Hilfe erhält. Ob Kora Cherno zu den Drogendealern im Görlitzer Park gehörte, blieb im Ungewissen. Er sagte: „Joliba hat mich aus dem Park geholt. Ich besuche jetzt eine Sprachschule in Kreuzberg.“

Welche Chance er hier hat, weiß er aber nicht. Der vom grün dominierten Bezirksamt ins Gespräch gebrachte „Coffeeshop“ am Park, in dem Cannabis legal unter Aufsicht verkauft werden soll, um dem illegalen Geschäft den Boden zu entziehen, wurde in der Diskussion weitgehend gelassen zur Kenntnis genommen. Dass weiche Drogen legalisiert werden müssen, ist in Kreuzberg offensichtlich Konsens.

Viel Engagement

Der Drogenhandel ist aber nicht das einzige Problem für die Park-Nachbarn. Sie klagen über laute Partys, zu denen sich bis zu 500 junge Leute versammeln, über E-Gitarren, die die Nachtruhe stören – und über den Müll. Der Park sei verdreckt, hieß es übereinstimmend. Baustadtrat Hans Panhoff von den Grünen sagte dazu: „Wir leeren fünfmal pro Woche die Mülleimer, aber den Dreck auf den Wiesen holen wir nur einmal wöchentlich ab.“

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Man will die Parkbesucher dazu erziehen, ihren Abfall nicht einfach liegen zu lassen, sondern ihn in die zahlreichen Müllbehälter zu werfen. Aber die Erziehung verfängt nicht. „Lieber sitzen die Leute im Dreck, als dass sie ihn wegbringen“, sagten die Nachbarn resigniert.

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Um den Park schöner zu machen, haben Bezirk und Anwohner-Initiativen in den letzten zwei Jahren viel Geld und Engagement investiert. Die Hauptwege sind durchweg beleuchtet, der Drachenspielplatz wurde saniert, dort ist sogar ein Barfußpfad entstanden. Der Wunsch von Anwohnern, einen Platz für freilaufende Hunde zu haben, wurde auch erfüllt: Zunächst bis zum 14. November ist dafür ein Drittel der eingezäunten Ballspielwiese im Park abgeteilt.

Können im Görlitzer Park die Wünsche aller erfüllt werden, wie Initiativen und Politik hoffen? Darüber wird weiter diskutiert werden.