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Görlitzer Park Kreuzberg: Coffeeshop - einen Versuch ist es wert

Bisher wird Cannabis offen illegal im Görlitzer Park verkauft.

Bisher wird Cannabis offen illegal im Görlitzer Park verkauft.

Foto:

dpa/Paul Zinken

Was halten Sie von einem Coffeeshop am Görlitzer Park?

Es ist eine gute Idee. So wie es jetzt ist, mit ständigen Polizeikontrollen im Park, erreicht man nichts. Es wäre einen Versuch wert, den Coffeeshop zu erproben. Das muss aber vorher und auch im Betrieb sorgfältig überprüft werden, damit man nicht neue Probleme schafft.

Was wäre gut an legalem Cannabis?

Es geht darum, der organisierten Kriminalität den Boden zu entziehen. Mit dem Shop könnte man Suchtprävention betreiben und dem Jugendschutz gerecht werden.

Glauben Sie, die Dealer würden dann aus dem Park verschwinden?

Das sei mal dahingestellt. Aber diejenigen, die dort handeln, sind auch keine Schwerkriminellen. Nein, ich meine damit, dass man durch die Legalisierung von Cannabis etwas gegen die organisierte Schwerkriminalität im Drogenhandel unternimmt. Ein Coffeeshop ist natürlich eher symbolisch. Aber wenn das Modell Schule macht, hätte das eine Wirkung.

Aber die Dealer würden wohl woanders weiter Drogen verkaufen. Viele dürfen hier ja legal nicht arbeiten

Das Argument überzeugt mich nicht. Viele Dealer im Park verdienen kaum etwas und können auch auf andere Weise zu Geld kommen. Pfandflaschensammeln ist zum Beispiel legal. Es ist doch absurd zu sagen, wir verbieten weiterhin Drogen, damit Menschen ohne Arbeitserlaubnis einen Gelderwerb haben.

Wer hätte etwas von dem Shop ?

Für die Konsumenten wäre es eine Verbesserung. Sie bekämen kontrollierte Substanzen auf legalem Weg. Zugleich könnte man sie über Drogen beraten.

Dort dürften nur Erwachsene Cannabis kaufen. Jugendliche würden sich wohl weiter illegal eindecken.

Da bin ich mir nicht sicher. Unsere gesellschaftliche Norm muss sein, dass Jugendliche nicht kiffen. Darauf muss man hinwirken. Aber davon unabhängig kann man bei den Erwachsenen doch mit dem Verbraucherschutz anfangen.

Woher soll das saubere Cannabis kommen?

Es gibt ja schon jetzt eine legale Produktion, etwa für Krebskranke.

Fixpunkt berät vor allem schwer Drogenabhängige. Spielt Cannabis in ihrer Arbeit eine große Rolle?

Weniger. Kiffen ist bei den Leuten, die zu uns kommen, zwar üblich, aber das Problem sind vor allem Heroin, Kokain, Alkohol und Tabletten.

Ist Cannabis eine Einstiegsdroge?

Das ist schon lange widerlegt. Wenn, dann ist Alkohol die Einstiegsdroge.

Für wie gefährlich halten Sie Cannabis?

Es kommt darauf an, wann, wie und in welcher Dosis es genommen wird. Und natürlich auf die konkrete Situation, etwa beim Autofahren. Auch der häufige Gebrauch ist problematisch. Besonders riskant sind synthetische Cannabinoide. Diese illegalen, chemischen Drogen können unberechenbare Nebenwirkungen haben. Ziel der modernen Suchtprävention ist, die Konsumkompetenz in der Gesellschaft zu fördern. Wir wollen die Leute im vorsichtigen Umgang mit Drogen schulen, und dazu gehören dann auch Alkohol und Nikotin.

Wie beurteilen Sie die Situation im Görlitzer Park?

Der Park ist einfach übernutzt. Deshalb kommt es zu Konflikten zwischen den Nutzern. Es gibt Beschwerden über die Afrikaner dort. Aber: Nicht alle Afrikaner im Park sind Dealer. Viele halten sich dort einfach auf.

Wenn ein Coffeeshop öffnet, kommen vielleicht noch mehr Menschen in den Park - Kiffer von überallher.

Das könnte ich mir schon vorstellen. Aber das muss der Bezirk dann kanalisieren. Er kann ja den Verkauf beschränken, beispielsweise auf diejenigen, die im Bezirk gemeldet sind. Die Idee war ja auch, dass das Modell noch auf andere Bezirke ausgedehnt wird. Dann würde sich das Interesse verteilen.

Gespräch: Iris Brennberger