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Gold und Silber in Berlin und Brandenburg: Hoffnung treibt Schatzsucher in die Wälder

Diesen Silberschatz grub der Cocos e.V. auf dem Anwesen einer Grafenfamilie aus.

Diesen Silberschatz grub der Cocos e.V. auf dem Anwesen einer Grafenfamilie aus.

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Privat

Alles begann, als Thomas Nottrodt als Junge im Garten seiner Eltern mit Totenköpfen spielte. Er hatte sie dort ausgebuddelt. Zu dieser Zeit setzte seine Faszination für Geschichte ein, die die Erde reichlich birgt. Bis in die Kaiserzeit war das Gelände am Heckerdamm in Wedding der Hinrichtungsfriedhof der umliegenden Haftanstalten. Heute ist die Fläche zubetoniert.

Thomas Nottrodt wohnt heute in Neukölln. Er ist Mitglied im einzigen Schatzsucherverein Berlins, dem Cocos e.V. Dieser wurde 1981 in West-Berlin gegründet und hat noch sieben Mitglieder. Auf den Namen kamen sie, als sie sich damals auf der zu Costa Rica gehörenden Cocos-Insel umschauten, die für Robert Louis Stevenson die Vorlage für sein Buch „Die Schatzinsel“ war, und das Thomas Nottrodt mit vierzehn das erste Mal gelesen hatte.

Gefunden haben sie keine Kisten mit Gold. Aber es war ein schöner Urlaub, verbunden mit schönen Geschichten. Genau darum geht es den Vereinsmitgliedern. „Man lernt die Geschichte kennen und kommt rum in der Welt“, sagt Nottrodt, der wie seine Freunde kein Profi-Schatzsucher ist, sondern sein Geld als Handwerker verdient und inzwischen auf die Rente zugeht.

Doch nicht nur in der Karibik gibt es etwas zu holen. Berlin, einst Residenz- und Reichshauptstadt, war schon vor tausenden Jahren ein Gebiet, in dem Handel zwischen dem Süden und dem Norden getrieben wurde. Berlin war „Durchgangs- und Handelsgebiet“, wie Archäologen sagen, wo auch hochwertige Objekte in den Boden gelangten. Erst vor einigen Wochen wurde bekannt, dass ein Hobbyarchäologe an der Oder bei Lebus einen Silberschatz fand.

Die Hoffnung treibt zahllose Schatzsucher in die Wälder. Mit Metalldetektoren, deren Tonhöhe zwischen Eisen (tiefer Ton) und edleren Metallen (hoch) unterscheiden. Leider erzeugen auch Kronkorken und Getränkedosen hohe Töne. In Scharen suchen Schatzsucher mit Metallsonden im Herbst auch Badestrände nach verlorenen Ringen und Kleingeld ab.

Viele graben illegal und zerstören so die für Archäologen wertvollen Fundzusammenhänge. Spuren im Erdreich, Verfärbungen oder die Lage weiterer Funde werden vernichtet. Schlüsse auf die Geschichte lassen sich dann nicht mehr ziehen. „Wir vom Cocos e.V. halten uns ans Gesetz“, sagt Nottrodt, in dessen Arbeitszimmer sich Bücher und Zeitschriften zum Thema häufen, aus denen er sich Anregungen holt.

Wenn der Cocos e.V. auf Schatzsuche geht, dann in wetterfesten Schuhen und Kleidung, die vor Zecken schützen. Die Männer haben Metallsonden dabei und oft auch eine große Induktionsschleife, die von zwei Leuten getragen werden muss, und deren Magnetfeld bis zu fünf Meter in die Erde reicht. Und sie haben mitunter eine Skizze von der Lage des Schatzes. Denn Nottrodt und seine Freunde werden nach eigenen Angaben vor allem tätig, wenn sie von Privateigentümern beauftragt werden.

Barren im Grunewald

So war es etwa in Mecklenburg-Vorpommern, als sie für eine zurückgekehrte Grafen-Familie das Familiensilber fanden, das diese 1945 auf der Flucht vor der Sowjetarmee vergraben hatte. In Sachsen-Anhalt suchten sie mit der Induktionsschleife ein privates Waldstück ab nach einer Schatztruhe des Großvaters, die an einer alten Eiche liegen musste. Die Truhe stellte sich als Lederfutteral heraus. Drin steckten eine alte Schrotflinte und ein Damenrevolver. Im letzten Winter wurden sie in den Grunewald gerufen. Bei einer Schneeballschlacht war einer Frau der Brillantring weggeflogen. Mit Detektoren fanden ihn die Schatzsucher und konnten ihn der glücklichen Frau zurückgeben.

Überhaupt der Grunewald: Dort soll das Gold liegen, das die Brüder Sass erbeuteten. Frank und Erich Sass waren 1929 in die Disconto-Gesellschaft am Wittenbergplatz eingebrochen. Ein Polizist sah danach die beiden mit Spaten aus dem Wald kommen. Seitdem hält sich das Gerücht vom Schatz. Der Cocos e.V. hat dort schon mehrfach gesucht, zuletzt vor etwa zwei Jahren. Unter archäologischer Anleitung und Aufsicht der Polizei, wie Nottrodt sagt.

Er kennt nicht nur diese Geschichte, sondern noch viele andere: etwa die vom Piratenschatz von Wilmersdorf. Wo heute der Volkspark Wilmersdorf ist, war früher der alte Fenn-See. Um 1700 lebte dort ein Junge, der wegen seiner roten Haare der „Rote Brant“ genannt wurde. Er zog in die Welt und wurde Seeräuber. Als reicher Mann kam er zurück. Vor seinem Tod befahl er seinen Dienern, das erbeutete Gold und die Edelsteine im alten Fenn-See zu versenken. Der See wurde 1915 zugeschüttet. Vor Jahren bat Thomas Nottrodt den damaligen Wilmersdorfer Bürgermeister um Erlaubnis, dort nachzuschauen. Der lehnte ab.

Nottrodt war auch auf der Suche nach Napoleons Kriegskasse. In Tempelhof sollen die Soldaten 1813 Geld vergraben haben, bevor Preußens Truppen anrückten. Man fand auf dem Gelände, auf dem eine alte Villa steht, tatsächlich Skelette, nur keine Kriegskasse. Auch Nottrodt hatte dort gesucht. Er begann in einem Keller die alten Steinplatten anzuheben. Und bekam Ärger mit dem Chef seiner Baufirma. Das alles ist viele Jahre her.

Man soll die Hoffnung nicht aufgeben. In den Fundamenten alter Häuser bestehe Hoffnung, etwas zu finden, sagt der Schatzsucher. Oder in alten Brunnen: Als Berlin noch keine Wasserversorgung hatte, holten die Bewohner ihr Wasser aus Brunnen in den Hinterhöfen. In Mitte soll ein Juwelier, als die Rote Armee anrückte, sein Gold in einen Brunnen geworfen haben. Viele suchten bisher vergeblich danach.

Für Nottrodt und den Cocos e.V. hat das alles vor allem etwas mit Geschichte und Geschichten zu tun. Denn durch die Schatzsuche reich geworden ist von ihnen keiner.


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