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Green Gym Berlin: Berliner Fitnessstudio erzeugt Strom aus Muskelkraft

Fitnesstrainer René Eick bietet in seinem "Green Gym Berlin" Strom zum Mitnehmen an.

Fitnesstrainer René Eick bietet in seinem "Green Gym Berlin" Strom zum Mitnehmen an.

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Thomas Kutschbach

Kürzlich hat das russische Fernsehen angefragt. Kurz nach der Atomkatastrophe in Fukushima war ein japanisches Kamerateam in Prenzlauer Berg. Und davor schon die Deutsche Welle. Sie wollten wissen, was es auf sich hat mit diesem Berliner Fitnessstudio, das aus Muskelkraft Strom erzeugt.

Die Idee hatte Studioleiter René Eick vor fünf Jahren. Seitdem kommen die Anfragen "immer dann, wenn Öko gerade gefragt ist“, erzählt Eick mit einem kleinen Schmunzeln. Sein Einfall ist so einfach und so genial, dass man sich fragt, wieso außer ihm noch niemand darauf gekommen ist.

Eicks Ansatz: Millionen Menschen strampeln sich tagtäglich in den Fitnessstudios dieser Welt ab, damit ihre Pfunde purzeln, aber die wertvolle Trainingsenergie scheint einfach so zu verpuffen.

Berliner Fitnessstudio als Energieerzeuger
05.11.2014: In René Eicks Fitnessstudio "Green Gym" in Prenzlauer Berg wird aus Muskelkraft Elektrizität.

Dabei lernen Schüler schon im Physikunterricht, dass Energie nie wirklich verloren geht, sondern nur umgewandelt wird. In Fitnessstudios wird auf Fahrrad-Ergometern und Crosstrainern aus Bewegungsenergie also Wärmeenergie. Eicks Vision: Im Berliner „Green Gym“ wird statt Wärme Elektroenergie erzeugt.

Da trifft es sich gut, dass Eick nicht nur Fitnesstrainer ist, sondern auch Maschinenbauingenieur. Gemeinsam mit seinem Vater, einem Elektroingenieur, und mit befreundeten Tüftlern nahmen sie die Trainingsgeräte auseinander, schalteten Spannungswandler dazwischen und legten Kabel in einen kleinen Abstellraum des Studios.

Körper trainiert, Akku geladen

Dort speichert nun eine Batterie für Solaranlagen den gewonnenen Strom. Und die Kunden profitieren auch davon: An den Trainingsgeräten brachten die Tüftler kleine Steckdosen an, damit die Sportler dort direkt die Akkus ihrer Handys und MP3-Player aufladen können.

Ein durchschnittlicher Sportler tritt auf dem Fahrrad-Ergometer mit einer Leistung von 80 Watt in die Pedalen. Wenn er eine halbe Stunde fährt, kommt er so auf 40 Wattstunden. Reibungsverluste mal außer Acht gelassen, ließe sich ein Smartphone so theoretisch gleich mehrmals aufladen.

Eick hat sich dafür den Slogan „WATTs take away“ ausgedacht. Insgesamt 18 Fahrräder und Stepper sind an das interne Netz angeschlossen. Mit dem nicht selbst genutzten Strom beleuchten die Sportler den Kardio-Bereich des Studios.

Verglichen mit dem Strompreis von 27 Cent pro Kilowattstunde „erstrampeln“ die Sportler zwar nur Cent-Beträge. Aber darum geht es Eick auch gar nicht: „Mir ist das Bewusstsein für die Energieerzeugung wichtig“, erklärt er. Wenn der tüftelnde Fitnesstrainer von seinen Errungenschaften erzählt, spürt man seinen Enthusiasmus.

Trotzdem zieht er nach den ersten fünf Jahren eine enttäuschte Bilanz. Eick hat mit seiner Erfindung weder Geld verdient, noch hat ein Geräte-Hersteller seine Idee aufgegriffen. „Es ist schon ein wenig ernüchternd, wie wenig Resonanz es gab“, sagt Eick. Selbst die Fachpresse habe zwei Jahre gebraucht, um auf ihn aufmerksam zu werden. "Wenn die Industrie keine Möglichkeit auf Profit sieht, interessiert sie die beste Idee nicht.”

Haifischbecken Fitnessmarkt

Dennoch ist er stolz auf sein Alleinstellungsmerkmal. „Der Berliner Fitnessmarkt ist ein Haifischbecken. Große Ketten kommen und gehen. Da muss man sich behaupten.“ Und mit der Verknüpfung von Fitness und einem nachhaltigen Lebensstil hat sich das "Green Gym Berlin" bestens an den Wandel von Prenzlauer Berg angepasst.

Im Moment setzt Eick nicht auf Energiegewinnung, sondern Energieeinsparung. Peu á peu ersetzt er seine Halogen-Beleuchtung durch LED-Lampen, die teilweise nur zehn Prozent des bisherigen Stroms verbrauchen. Außerdem hat er sich vorgenommen, die Trainingsleistung und die erzeugte Energie auf Monitoren sichtbar zu machen um das Bewusstsein für den selbst erzeugten Strom zu stärken.

Und dann ist da noch die Idee, die Studiowände mit Pflanzen zu begrünen, um das Raumklima im Studio zu verbessern. Grüner geht es dann aber wirklich kaum noch.