16.10.2011

Grillverbot im Tiergarten: "Überzogene Reaktion"

Von Sabine Rennefanz
Der Tiergarten am Sonntag: grillfrei, aber immerhin sonnig.
Der Tiergarten am Sonntag: grillfrei, aber immerhin sonnig.
Foto: David Oliviera
Berlin –  

Das künftige Grillverbot im Großen Tiergarten wird heftig kritisiert – selbst von der Jungen Union.

Barbecue im Tiergarten - eine große Belästigung oder Teil des Berliner Lebensgefühls? Der Entschluss des Bezirks Mitte, das Grillen zu verbieten, wird weiter heftig diskutiert. Es ist die erste Entscheidung der rot-schwarzen Koalition, die sich im Bezirk zusammengefunden hat - und ein großes Zugeständnis der SPD an die CDU, die sich seit einiger Zeit für ein Grillverbot einsetzte.

Kritik daran kommt ausgerechnet vom CDU-Nachwuchs. Die Junge Union hält die Reaktion für übertrieben. "Strenge Verbote passen nicht zum Freizeitverhalten der Berlinerinnen und Berliner. Die CDU sollte als Großstadtpartei hier eine Vorbildfunktion einnehmen und das Verbot noch stoppen", teilte der Vorsitzende Conrad Clemens mit. Er schlägt vor, die Griller nach dem Vorbild von Anglern an den Kosten zu beteiligen und Grillkarten zu verkaufen.

Reinigung des Parks zu teuer

Der amtierende Bürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD), hatte die Entscheidung damit begründet, dass die Reinigung des Parks nach den Wochenenden zu teuer geworden ist. Die Grillflächen werden überwiegend von türkischen und arabischen Großfamilien genutzt. Mitte ist der Bezirk mit dem größten Migrantenanteil in Berlin.

Nach Angaben des Bezirks kostet die Müllbeseitigung pro Jahr 300.000 Euro. Er argumentiert, dass wegen der hohen Reinigungskosten anderswo im Bezirkshaushalt Geld, zum Beispiel für Sozial- und Jugendprojekte, fehle. Konkrete Beispiele nannte er aber nicht. Unklar ist, wie das Verbot, das ab 1. Januar 2012 gelten soll, durchgesetzt werden soll. Voraussichtlich auf der Sitzung des Bezirksparlaments am 17. November soll über das Verbot beraten werden.

Die Integrationsbeauftragte des Bezirks, Maryam Stibenz, nannte das strikte Grillverbot "unsensibel". Sie hätte sich einen stärkeren Abwägungsprozess und Einbeziehung der betroffenen Familien gewünscht, zum Beispiel durch Infostände oder mehrsprachige Schilder. "Man hätte auf die Menschen zugehen und vermitteln können, dass es um einen gemeinsamen öffentlichen Raum geht, für den wir alle verantwortlich sind", sagte sie. Jetzt, fürchtet sie, werde das Grillverbot zum symbolischen Thema hochstilisiert, bei dem es wieder zu einer "Wir-Deutschen-Ihr-Migranten-Spaltung kommt. Viele Migranten dürften die Entscheidung als ein Zeichen sehen, dass sie mit ihren Gewohnheiten nicht akzeptiert werden. Dadurch schaffe man neue Feindschaften, so Stibenz, die selbst iranischstämmig ist. Sie erinnert sich an die öffentlichen Grillfeste in ihrer Kindheit in Teheran, bei der arm und reich zusammenkamen.

Der Türkische Bund hatte die Entscheidung bereits kritisiert.

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