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Großflughafen BER: Baumann versus Schönefeld

Wolfgang Baumann, Rechtsanwalt

Wolfgang Baumann, Rechtsanwalt

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dpa

Für starke Worte ist der bayerische Rechtsanwalt Wolfgang Baumann stets zu haben. „Ich will aus dem Flughafen in Schönefeld ein großes Messegelände machen“, sagte er vor Kurzem. Dazu sei das Areal geeignet – und nicht als Großflughafen in einem dicht besiedelten Gebiet.

Mit solchen Vorschlägen und einem selbstbewussten Marketing hat sich Baumann zu einem gefragten Ansprechpartner gemacht. Schönefeld ist für ihn, wie auch für andere Anwälte, zu einem einträglichen Geschäft geworden – ohne juristischen Beistand läuft nichts mehr, wenn es um den BER geht. Doch wohl keiner seiner Kollegen ist länger dabei als er. Von einer „bewussten Irreführung der Bevölkerung“ sprach Baumann schon vor 13 Jahren, als die Planungsentwürfe für den Großflughafen vorlagen. Da arbeitete er noch für den Bürgerverein Brandenburg Berlin, der ersten Anti-Schönefeld-Initiative. Die hielt schließlich seine Honorarforderungen für überzogen. Der Streit endete mit einem Vergleich.

Wolfgang Baumann, 64 Jahre alt, in Schweinfurt geboren, legte sein zweites Staatsexamen Mitte der Siebzigerjahre in Würzburg ab, da war er gerade 25. In seinem ersten großen Fall vertrat er die Gegner der Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf vor Gericht. 1989 gab die Betreibergesellschaft auf. Baumann hatte gewonnen. Heute führt er eine Kanzlei in Würzburg, mit sechs Anwälten und einer Außenstelle in Leipzig.

Längst kann Baumann, der in Verhandlungen auch mal stur werden kann, auf weitere Erfolge verweisen: das Nachtflugverbot am Flughafen Frankfurt am Main etwa. Und zuletzt gab das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg den Anwohnern des BER recht: Der geplante Lärmschutz entsprach nicht den Vorgaben der Baugenehmigung. Eine Anwältin aus Baumanns Kanzlei hatte das Verfahren akkurat vorbereitet.

Das OVG, das Dienstag und Mittwoch über die Müggelsee-Flugroute verhandelt, könnte Baumann jetzt eine weitere Referenz verschaffen. Seine Kanzlei hatte vor einem Jahr die Klageschrift im Auftrag von neun Bürgern und den Naturfreunden Berlin eingereicht. Die Sache ist nicht hoffnungslos: Im Januar kippte das OVG schon die West-Startroute über den Wannsee. Diesmal könnte die fehlende sogenannte Umweltverträglichkeitsprüfung den Ausschlag geben, wegen der die Europäische Kommission Ende Mai bereits ein Verfahren gegen Deutschland eingeleitet hat. Die Beschwerde dazu hatte Baumann vorgetragen.