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Grüne Woche: Wie vegan ist die Ernährungsmesse in Berlin?

Scherazar Scholz verkauft auf der Grünen Woche den veganen Döner.

Scherazar Scholz verkauft auf der Grünen Woche den veganen Döner.

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Nadine Pensold

Egal, ob als süß oder deftig, auf der Schrippe oder im Fladen: vegan ist gefragt. Vor allem in Berlin. Deshalb darf man auch vermuten, dass vegane Ernährung auf der Grünen Woche, einer der weltweit wichtigsten Ernährungs- und Verbrauchermessen, eine gewisse Rolle spielt. Doch wer in diesen Tagen durch die Hallen des Berliner Messegeländes flaniert, der muss sich schon etwas genauer umsehen, um diese Lebensmittel zu finden. „Es gibt nicht so viele vegane Anbieter, wie man vielleicht vermuten mag“, sagt Wolfgang Rogall, Pressesprecher der Messe Berlin.

Der Fokus der Messe liegt vor allem auf Produkten aus regionaler Herstellung, Bundesländer präsentieren ihre lokalen Spezialitäten. Und Themenhallen bieten Angebote für unterschiedliche Geschmäcker. Wer nach Kost ohne tierische Inhaltsstoffe sucht, der ist zunächst mit der Bio-Themenwelt – diese befindet sich in Halle 1.2. – gut beraten.

Unter den verschiedenen Bio-Siegeln werben einige Anbieter offensiv mit der Marke Vegan. Aufstriche, Gemüsegerichte, Süßwaren und Suppen sind dabei. Im hinteren Bereich der Halle reichen junge Damen Apfelchips oder lassen Neugierige von Snacks mit veganen Gewürzen kosten. „Ältere Leute sind bei dem Thema oft etwas skeptisch. Aber guter Geschmack überzeugt besser als der Begriff vegan“, weiß Giuliano Bertuzzi, der Messe-Abteilungsleiter der bayerischen Firma „Lebe gesund Versand“, der schnell neue Interessenten für die bestrichenen Brotwürfel und getrockneten Mangoscheibchen findet.

Veganer Döner

Ebenfalls in der Bioabteilung hat sich Kenan Kayis mit seinem Team von „Makam Naturkost“ einen Stand gesichert. Zum ersten Mal sind sie bei der Grünen Woche dabei. Mit im Gepäck haben die Münchner ihren Verkaufsschlager: den veganen Döner aus Seitan, den Kenan Kayis vor zehn Jahren entwickelt hat.

Normalerweise lockt er mit dieser Spezialität die Massen an den Verkaufstresen. Seine Mitarbeiter kommen bei Veranstaltungen, wie dem veganen Sommerfest auf dem Alexanderplatz oder der für die Branche wichtigen „Veggie & frei von“-Messe in Stuttgart mit der Zubereitung nicht hinterher. Bei der Grünen Woche zeigt sich das Publikum eher zurückhaltender. „Es ist fast wie Urlaub“, muss Scherazar Scholz zugeben, als sie auf Kundschaft wartet.

Wenn es ums Thema Veganismus geht, herrscht bei vielen Besuchern schlicht Skepsis, viele sind aber auch neugierig und wollen probieren. Außerhalb der Biohalle muss man dafür allerdings mit achtsamem Blick durch die Hallen laufen. Wer gezielt nach veganen Angeboten sucht, der sollte sich vor dem Messebesuch auf der Internetseite der Messe bei der Ausstellersuche informieren, oder sein Smartphone beim Besuch der Grünen Woche griffbereit haben.

In der Halle von Sachsen-Anhalt kann man beim Spazieren gleich zwei Firmen finden, die sich der tierfreien Lebensmittelproduktion verschrieben haben. Seit zehn Jahren ist das Unternehmen „Leha“ regelmäßig mit ihren Milchersatzprodukten auf der Messe. Mit veganen Varianten von Schlagcreme, Gurkeneis und Pina Colada wirbt man um die Aufmerksamkeit der Menschen, die aber meist lieber bei den nicht weit entfernten Wursthäppchen zugreifen.

Keine vegane Sonderschau

„Auf der Grünen Woche findet man nicht das Hauptpublikum für vegane Produkte. Hier ist der Otto-Normalverbraucher unterwegs“, sagt Leha-Mitarbeiterin Susanne Machert. Sie bedauert ein wenig, dass es nicht wieder eine vegane Sonderschau bei der Grünen Woche gibt, wie es 2015 der Fall war. Die „V Delicious Show“ war aber von Anfang an als einmalige Sache angelegt, heißt es von Seiten der Messe Berlin.

Die Grüne Woche ist für die meisten Vegan-Unternehmer auch eine Aufklärungs-Mission. Dabei geht es ihnen sowohl darum den Leuten zu erklären, was den Unterschied zu vegetarischer Ernährung ausmacht, aber auch, dass man es sich ohne tierische Produkte gut schmecken lassen kann.

Steffi Tomljanovic vermittelt während der Messe vielen Besuchern, was in veganen Produkten steckt – und warum vermeintlich Veganes, wie zum Beispiel Marmelade, es nicht unbedingt ist. „Die Industrie fügt oft tierische Fette, Eiweiße oder Gelatine zu Marmeladenprodukten hinzu. Vielen sei deshalb nicht bewusst, dass sie tierische Stoffe in eigentlich pflanzlichen Produkten zu sich nehmen“, sagt die Inhaberin der Firma „Malzit“. Dann gebe es oft große Augen – und die Skepsis weicht Interesse.

Produkte aus dem Berliner Umland kann man reichlich in der Halle 21a finden, dort präsentieren sich Brandenburger Hersteller. Unter ihnen auch ein paar wenige, die Veganes feilbieten. Am Eröffnungstag ließ Frank Schmid aus Luckenwalde (Teltow-Fläming) von veganen Eissorten probieren. Trotz frostiger Temperaturen draußen, fanden Schoko- und Kiwisorbet einen guten Absatz. „In unserer Region ist der Markt für vegane Lebensmittel nicht groß. In Berlin ist das ganz anders“, sagt der Inhaber der Eismanufaktur „Eiscafé 21“. „Wir haben das ursprünglich für Menschen hergestellt, die an Laktoseintoleranz leiden“, erklärt er.

Ein Neuling im Vegan-Geschäft ist die Firma Jütro aus Jüterbog (Teltow-Fläming), die Konserven und Feinkost anbietet. Auf der Messe präsentieren die Mitarbeiterinnen eine vegane Mayonnaise. „Vegan ist ein Trend, genauso wie Bio. Brandenburg steckt bei veganen Produkten aber noch in den Kinderschuhen“, sagt Sybille Opitz. Denn vor allem wegen der höheren Rohstoffkosten und fehlenden Nachfrage im ländlichen Raum kommt der Ernährungs-Trend außerhalb der Metropolen viel langsamer in Gang.


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