26.11.2011

Grünen-Konflikt: Ratzmann empört sich

Von Jan Thomsen
        

Teilt kräftig aus: Volker Ratzmann.
Teilt kräftig aus: Volker Ratzmann.
Foto: dapd
Berlin –  

Der Ex-Fraktionschef übt sich in Eskalationsstrategie via FAZ. „Eine Berliner Empörung“ heißt sein Text. Zwar ist nicht alles neu, was er darin schreibt, aber diesmal wird er persönlich - ohne Namen zu nennen.

Wie lange verkämpfen sich die Grünen noch?“, erkundigte sich am Freitag das Fachblatt für Frieden und Nachhaltigkeit, die „Bild“-Zeitung, bei der derzeit einzigen Fraktionschefin der Hauptstadt-Grünen, Ramona Pop. Die 34-Jährige, seit dem Rücktritt ihres Amtskollegen Volker Ratzmann gewissermaßen allein an der Doppelspitze, antwortete tapfer: „Wir machen uns jetzt an die Arbeit.“ Dies soll sicher Hoffnung wecken, dass die suizidalen Flügelzänkereien nach enttäuschender Wahl und verpatzter Regierungsbildung doch mal ein Ende finden.

Doch derlei Signale durfte nur der Teil der Grünen-Sympathisanten empfangen, der ausschließlich „Bild“ liest. Wer am Freitag dagegen zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) griff, fand einen dreispaltigen Namensartikel von Ratzmann, der, sagen wir, nicht gerade für die Politik der ausgestreckten Hand stehen kann. Realo Ratzmann – der am Donnerstag im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses, während der Wahl Wowereits zum rot-schwarzen Senatschef, seltsam abwesend, ja entrückt wirkte – hatte sich offenbar vorgenommen, im Großorgan konservativer Bürgerlichkeit eine konsequente Eskalationsstrategie gegen seine Parteifeinde zu fahren.

Die waren ja auch nicht zimperlich, indem sie Proporz vor Mehrheitsrecht stellten und Ratzmanns Rücktritt trotz demokratischer Wahl forderten. Ratzmann zog dann ja wirklich zurück, hat aber offenbar eine gewisse Wut zurückgehalten. Für die FAZ.

Nicht alles neu, aber dafür persönlich

Vom grünen Wahldesaster zum Fraktionsstreit

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„Eine Berliner Empörung“ heißt sein Text. Nicht alles darin ist neu. Jedenfalls nicht das, was Ratzmann als „Wahlanalyse“ darbringt: Er verteidigt den Kurs zur Mitte, die Ansprache an die „ganze Stadt“, die anfängliche Offenheit für die CDU.

Doch er greift auch ganz persönlich – ohne den Namen zu nennen – seinen Intimfeind, den Kreuzberger Dirk Behrendt, an. Der kandidierte gegen Ratzmann als Fraktionschef, verlor und protestierte. Dass Behrendt privat mit dem Landeschef Daniel Wesener, beide linke Grüne, liiert ist, kommentiert Ratzmann (selbst verheiratet mit der Bundestagsreala Kerstin Andreae) so: Warum werde nicht problematisiert, wenn „der Lebenspartner des Landesvorsitzenden zum Fraktionsvorsitz“ greife, wenn „die politisch einflussreichsten Ämter familiär verbunden werden sollen“. Weiter: „Wir geißeln in anderen Parteien auch schon den leisesten Hauch der Verquickung von persönlichen, insbesondere wirtschaftlichen Interessen und politischen Ämtern, der Ballung von Machtpositionen aufs Schärfste. Im Rahmen flügelarithmetischer Postenverteilung wird das nicht angesprochen.“

Vielleicht musste das mal raus. Und vielleicht wäre es besser, die bisherigen Mediatoren des Fraktionszwists, zwei Parteimitglieder, schleunigst auszutauschen – gegen die Grünen-Versteher Kai Diekmann und Frank Schirrmacher.

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