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Grundschule in Kaulsdorf: Franz-Carl-Achard-Schule vor Abriss gerettet

Das Gebäude der Achard-Schule in der Kaulsdorfer Adolfstraße soll erhalten bleiben.

Das Gebäude der Achard-Schule in der Kaulsdorfer Adolfstraße soll erhalten bleiben.

Foto:

Gerd Engelsmann

Im Fall der Franz-Carl-Achard-Grundschule in Kaulsdorf ist es zu einer überraschenden Wendung gekommen. Der unmittelbar bevorstehende Abbruch des historischen Schulgebäudes ist plötzlich aller Voraussicht nach vom Tisch. So verheerend wirkt der Hausschwamm-Befall, der zur völlig überstürzten Schulschließung im September geführt hat, nun offenbar doch nicht.

„Der Abriss der Franz-Carl-Achard-Grundschule kann aufgrund einer neuen Einschätzung der baulichen Situation vermieden werden“, heißt es nun einer Erklärung des SPD-Kreisvorstandes von Marzahn-Hellersdorf. Bemerkenswert daran ist, dass der SPD-Kreisvorsitzende Stefan Komoß heißt und gleichzeitig Bezirksbürgermeister ist.

Und in diesem Amt hat er noch vor wenigen Tagen den Abriss des gut 100 Jahre alten Schulgebäudes verfochten. Stattdessen sollte dort 2017 ein Neubau aus vorgefertigten Modulen errichtet werden. Die über 300 Schüler werden seit September jeden Morgen mit Bussen in das zehn Kilometer entfernte Gebäude der Marcana-Schule in Marzahn-Nord gebracht und dort auch wieder abgeholt, was viel Geld kostet.

Die Kehrwende erfolgte jetzt, nachdem empörte Bürger über 5000 Unterschriften gesammelt haben und das planerische Chaos rund um den geplanten Abriss immer mehr zum unliebsamen Wahlkampfthema für Komoß und seine SPD zu werden drohte. Offiziell wird der Kurswechsel nun mit einem neuen Baugutachten des beauftragten Sachverständigen begründet. Der hatte in einem neuerlichen Gutachten von Ende Dezember festgestellt, dass eigentlich nur ein Balken massiv von Hausschwamm befallen sei und insbesondere die Treppenhäuser durch Sicherheitsvorkehrungen gesichert werden können. Sie sollen nun mit Metallrohren und -platten eingehaust werden. Zudem soll ein Klassenraum wegen einer Einsturzgefährdung gesperrt bleiben.

Bürger sammelten Unterschriften

Die Schüler sollen spätestens zum neuen Schuljahr, womöglich schon früher wieder in ihrem alten Schulgebäude unterrichtet werden, sagte der Kaulsdorfer SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier. Das entspreche auch dem Elternwillen.

Die Schule war im September zwei Tage nach Schulbeginn gesperrt worden, weil der Hausschwamm angeblich die Statik eines Treppenhauses gefährdete und deshalb der aus Brandschutzgründen vorgeschriebene zweite Fluchtweg gesperrt werden musste. Die Umstände dieser Entscheidung sind weiter unklar, es gibt kein Gutachten, das die Schließung ausdrücklich empfohlen hat. Dennoch beschloss das Bezirksamt schon wenig später den Abriss der Schule. Umgehend wurde per Ausschreibung ein Abrissunternehmen gesucht, das ab dem 20. Januar tätig werden sollte.

Die Linke-Bildungspolitikerin Regina Kittler kritisierte, dass Bezirksbürgermeister Komoß den Abriss monatelang als alternativlos dargestellt habe und erst auf Druck von Bürgern und Protesten im Bezirksparlament nachgegeben habe. Insgesamt zeigt der Fall der Achard-Grundschule die Defizite Berlins bei der nachhaltigen Sanierung von Schulgebäuden auf:

Bei einem unzureichenden Sanierungsversuch wurde das Dach zwar neu gedeckt, aber Bauschäden nicht behoben. „Das zeigt, was passieren kann, wenn die Bezirke immer den günstigsten Anbieter nehmen müssen“, sagt Norman Heise, der Vorsitzende des Landeselternausschuss. Geld für eine umfangreiche Sanierung wurde nicht zur Verfügung gestellt. Das überfordete Bezirksamt beauftragte zudem verschiedene Baugutachter, die zu unterschiedlichen Einschätzungen kamen.

Sanierung ab 2019 möglich

Kein Wunder, dass derzeit in Berlin der Stadtstaat Hamburg als vorbildlich bei Schulsanierungen gilt. Dort gibt es einen zentralen Landesbetrieb Schulbau, der dem Finanzressort zugeordnet ist. Sanierungsvorhaben werden dadurch wesentlich zügiger umgesetzt als in Berlin. Der aktuelle Sanierungsbedarf der einzelnen Gebäude wird ganz einfach mittels Schulnoten bewertet – eine Eins steht für Neubau, eine Sechs bedeutet abrissreif.

Letzter Anlass für den Kurswechsel in Kaulsdorf war eine Begehung der Schule samt Dachstuhl mit Baustadtrat Stephan Richter (SPD). Dort gewann der Politiker schließlich den Eindruck, dass das Schulgebäude nie baufällig war, allein die Turnhalle abgerissen und durch einen Modularen Ergänzungsbau ersetzt werden sollte. Nun betont auch der SPD-Kreisvorstand plötzlich, dass eine umfassende Sanierung des Gebäudes bis 2019 geplant und vorbereitet werden sollte. Es ist ein Stück aus dem Tollhaus, was sich dort abgespielt hat.