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Hanfparade in Berlin: Weißer Rauch vernebelt die Sicht

In diesem Jahr kamen deutlich weniger Menschen zur Hanfparade als erwartet.

In diesem Jahr kamen deutlich weniger Menschen zur Hanfparade als erwartet.

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Getty Images/Sean Gallup

Zwischen den Bäumen auf dem Platz vor dem Neuen Tor vernebelt weißer Rauch die Sicht. Die einen wippen im Rhythmus des lauten Reggae-Bass, die anderen haben es sich auf der Wiese bequem gemacht. In ihren Händen Joints und Bierflaschen. Es riecht nach Cannabis. Die Hanfparade kampiert vor der Bundesgeschäftsstelle der Grünen. Zum 18. Mal haben sich am Sonnabend Menschen aus ganz Deutschland in Berlin versammelt, um sich für die Legalisierung von Cannabis als Medizin, Genussmittel und Rohstoff einzusetzen.

Nicht zum Spaß dabei

In diesem Jahr habe sich die Veranstaltung auf die therapeutische Verwendung von Cannabis konzentriert, sagt Parade-Sprecher Steffen Geyer. Anlass dazu gab ein kürzlich vom Verwaltungsgericht Köln gefälltes Urteil. Zum ersten Mal wurde drei Schmerzpatienten die Erlaubnis erteilt, zu Hause selbst Hanf anzubauen. Für die Hanffreunde ist das ein revolutionäres Zeichen in Richtung Legalisierung.

Das grüne Hanfblatt ziert als Körperbemalung viele der Teilnehmer. Die Zusammenkunft gleicht einem Festival aus Punks, Hippies und Normalbürgern. Ein Vater trägt sein Baby auf den Schultern, auf den Ohren hat es zum Schutz gegen den Lärm viel zu große Kopfhörer. Erstmals mit dabei sind Jenifer Held und Carsten Borowski. „Wir sind nicht zum Spaß hier. Wir wollen uns künftig auch über diesen Rahmen hinaus engagieren“, sagt Borowski, 24 Jahre alt. „Ich habe einen Bekannten, der unter dem Tourette-Syndrom leidet. Er profitiere von der Wirkung von Cannabis. Deswegen setze ich mich für die Legalisierung ein“, sagt Held, 25 Jahre alt. Die beiden Berliner haben es eilig. Sie wollen den Anschluss zur Parade, die weiter Richtung Friedrichstraße zieht, nicht verlieren.

Der nächste Halt findet vor dem Bundesministerium für Gesundheit statt. Maximilian Plenert vom Verein Akzept, dem Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik, tritt ans Mikrofon und greift die Drogenbeauftragte Marlene Mortler an. „Machen Sie Ihren Job so, weil er schon immer so gemacht wurde oder sind Sie wirklich so steinzeitlich?“ Laute Buhrufe ertönen. „Im Görlitzer Park verkaufen Asylbewerber das Marihuana von Deutschen an Deutsche. Sie erledigen die Drecksarbeit.“ Plenert fordert, dass Polizisten sinnvollere Dinge tun sollten, als Cannabisdealer und -konsumenten zu verfolgen. „Organisiert euch!“, ruft er in die Menge. Die Parade setzt sich langsam wieder in Gang und zieht zum Brandenburger Tor weiter.

Auch Sue Barrientos schiebt ihr Fahrrad in diese Richtung. Die Eltern der 32-Jährigen leben in Uruguay, wo der Cannabishandel legal ist. „Die Leute dort können an Hanf verdienen. Das sollte hier auch so sein. In Deutschland gehen hohe Steuereinnahmen durch das Verbot verloren“, sagt sie. Für sie sei Hanf bunt, Liebe. „Deswegen ist es ja auch verboten. Würden wir alle kiffen, gäbe es keinen Krieg mehr. Das will die Politik natürlich nicht.“

Die Forderung nach der Legalisierung lockte in diesem Jahr weniger Menschen auf die Straße als erwartet. Die Veranstalter rechneten zunächst mit mindestens 8 000 Teilnehmern, auf Facebook hatten sogar knapp 10 000 Menschen der Veranstaltung zugesagt. Die Polizei zählte etwa die Hälfte.

Rolf Ebbinghaus, Teil des Organisationsteams der Parade und der Leitung des Hanfmuseums, ist trotzdem nicht enttäuscht. „Die Hanfparade ist hervorragend gelungen.“ Dazu beigetragen habe auch die Polizei, die sich milde gezeigt habe. „Zu jeder Parade reist ein Hanfbauer aus der Uckermark an. Er bringt Cannabispflanzen von seinem Acker mit, um sie zu präsentieren. Diese wurden in den letzten Jahren immer von der Polizei beschlagnahmt“, so Ebbinghaus. „In diesem Jahr zum ersten Mal nicht.“ Für den Organisator ist das ein positives Zeichen.