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Hansa-Ufer: Protestierende Senioren aus Moabit erzielen Etappensieg

Eva-Maria Kaes (l.) und ihre Mutter Christa Kaes führen am Leipziger Platz den Senioren-Protest an. Auch im Abgeordnetenhaus führen sie Gespräche.

Eva-Maria Kaes (l.) und ihre Mutter Christa Kaes führen am Leipziger Platz den Senioren-Protest an. Auch im Abgeordnetenhaus führen sie Gespräche.

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Berliner Zeitung/Uwe Aulich

Sie wollen kämpfen, sich nicht unterkriegen lassen. Einige Senioren schieben Rollatoren vor sich her. Andere tragen Plastikstühle, um sich später hinsetzen zu können. Obst haben sie dabei in ihrem kleinen Protestzug, auch Wasserflaschen. Die jüngste Frau ist 75 Jahre alt, die älteste 97. Sie alle wohnen im Haus am Hansa-Ufer 5 in Moabit. Am Dienstag sind sie gut gerüstet mit einem Bus zum Leipziger Platz gefahren, um vor dem Firmensitz ihres Hauseigentümers Akelius GmbH gegen eine geplante Modernisierung und hohe Mietsteigerungen zu protestieren.

„Ich habe noch nie demonstriert“, sagt Christa Kaes. Die 83-Jährige wohnt zwar erst seit gut einem Jahr am Hansa-Ufer, inzwischen ist sie aber die Wortführerin der älteren Menschen. „Wir waren schon vorher eine Gemeinschaft. Der Protest hat uns zusammengeschweißt.“ Sie komme aus Rheinland-Pfalz, erzählt sie. „Dort geht man anders mit alten Menschen um.“ Nach Berlin ist sie gezogen, um in der Nähe ihrer Tochter zu leben, die in einem Nachbarhaus wohnt. Am Hansa-Ufer 5 leben insgesamt 33 Senioren, viele Wohnungen stehen aber leer, einige sind an jüngere Bewohner vermietet.

Falsche Versprechungen

Im April hat Akelius den Bewohnern angekündigt, sie wolle die Wohnanlage energetisch modernisieren, neue Fenster einbauen und die Fassade dämmen. Außerdem sollen Dachgeschosse ausgebaut und ein weiteres Haus mit 24 Wohnungen errichtet werden. Bauzeit: zwei Jahre. Die Anlage mit kleinen Wohnungen war in den 1970er-Jahren als seniorengerechtes Wohnhaus von der Gesellschaft Neue Heimat errichtet worden. Die Mietverträge wurden bis 2007 mit dem Bezirksamt Mitte abgeschlossen. Das versicherte, dass die Miete immer den finanziellen Möglichkeiten der Rentner angepasst würde. Das Land verkaufte 2008 das Ensemble jedoch an Akelius. Dabei erklärte der Bezirk den Bewohnern, dass „der Bestandsschutz Ihrer Mietverträge gesetzlich geregelt ist, es besteht an dieser Stelle kein Anlass zur Sorge“.

Das erweist sich nun als falsch. Denn mit der Modernisierung sollten zugleich die Mieten meist zwischen 40 und 60 Prozent angehoben werden, so die Ankündigung von Akelius. Das würde dazu führen, dass sich viele Mieter die Wohnungen nicht mehr leisten können. Aus Protest trommeln die Senioren am Leipziger Platz auf Backbleche, sie haben Trillerpfeifen und selbst gemalte Plakate mitgebracht. Darauf steht: „Wir lassen uns nicht Raus-Sanieren“ und „Kein Luxusumbau auf dem Rücken der Senioren“. Sie fordern vom Land, dass es das Senioren-Wohnhaus zurückkauft.

Mit dem Protest haben die Senioren aus Moabit ähnlich wie die Rentner in der Stillen Straße in Pankow vor zwei Jahren bundesweit auf sich aufmerksam gemacht. Eine Online-Petition haben mittlerweile fast 60 000 Menschen unterzeichnet. Zum Thema Mieten sei das die größte Petition bundesweit, heißt es beim Portal change.org.

Ralf Spann, der Regionalleiter der Akelius GmbH, stellt sich nach einem Telefonat mit Christa Kaes dem Gespräch auf dem Leipziger Platz. Am Morgen hatte er bereits schriftlich neue Vorschläge an die Senioren verschickt. „Wir haben die Mieterhöhungen überprüft und begrenzt“, sagt Spann. Kein Mieter werde eine Mieterhöhung von mehr als 89 Euro pro Monat erhalten. Für Härtefälle würde die Mieterhöhung nur bis zu 20 Euro pro Monat betragen. „Kein Mieter wird gezwungen auszuziehen.“ Die künftige Kaltmiete würde damit bei durchschnittlich 7,30 Euro liegen. Akelius will für kommende Woche zu einer Einwohnerversammlung einladen.

Eva-Maria Kaes, die Tochter von Christa Kaes, sieht die Zugeständnisse als ersten großen Erfolg. „Das ist ein Verdienst der älteren Bewohner und ihrem Protest.“


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