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Berliner Zeitung | Haschisch-Wohnmobil im Görlitzer Park: Shitstorm gegen Kreuzberger Hanf-Aktivisten
20. June 2014
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Haschisch-Wohnmobil im Görlitzer Park: Shitstorm gegen Kreuzberger Hanf-Aktivisten

Zu viel gekifft? In seinem neusten Video brüllt Oliver Becker unverständliche politische Parolen in die Kamera.

Zu viel gekifft? In seinem neusten Video brüllt Oliver Becker unverständliche politische Parolen in die Kamera.

Foto:

Screenshot/Youtube

Am Anfang klang alles noch ganz vernünftig. So vernünftig jedenfalls, wie der Plan klingen kann, 40 Kilogramm Haschisch aus Marokko nach Berlin zu bringen, um sie dann im Görlitzer Park zu verkaufen. Aber gut, seit Monaten ist die Diskussion um einen legalen Coffeeshop im Görli in der Welt, hat Unterstützer wie die Kreuzberger Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann und ist seit Ende vergangenen Jahres als Modell-Projekt beschlossene Sache in der Bezirksverordnetenversammlung.

Es geht darum, endlich dem Dealerproblem Herr zu werden, da ist Kreativität gefragt. Und die Legalisierung von Cannabis ist eine Lösung, die - auch wenn der Berliner Senat bisher noch dagegenhält - nicht mehr so abwegig erscheint. Weltweit übrigens: Uruguay kündigte im Dezember vergangenen Jahres an, Cannabis legalisieren zu wollen, im Januar gab der US-Bundesstaat Colorado Haschisch zum Verkauf frei.

Wenn dann also einer auf Facebook ankündigt, er wolle mit diesem Projekt schon mal anfangen und Deutschlands ersten mobilen Coffeeshop eröffnen, dann klingt das gar nicht so unrealistisch. Der Mann, der dahinter steckt, heißt Oliver Becker, ist 46 Jahre alt und präsentiert seinen Vorschlag in einem knapp vierminütigen Youtube-Video.

Er steht darin neben einem psychedelisch bemaltem Wohnmobil irgendwo in der Wüste, gut gelaunt, in einigermaßen gerade Sätzen redet er über seinen Plan, in der Hand eine Gewerbeanmeldung für den „Verkauf und Import von marokkanischem Haschisch“.



Gut, im Hintergrund tanzen da ein paar seltsame Gestalten, eine davon springt ab und zu nach vorne ins Bild und brabbelt Unverständliches; alles wirkt etwas durcheinander und abstrus. Aber trotzdem irgendwie glaubwürdig genug, dass nun auf Facebook Dutzende von Neugierigen aus ganz Deutschland nach Mitfahrgelegenheiten suchen, weil sie sich Beckers Coffeeshop nicht entgehen lassen wollen.

Noch dazu, wo doch gleichzeitig auch noch die Fete de Musique steigt und im und um den Park lauter Gratis-Open-Air-Parties locken.

Vor fünf Tagen posierte Becker dazu passend vor einem Stapel in Plastik verpackter brauner Riegel: "Die ersten fünfzehn Kilo sicher in Berlin angekommen, sollte reichen für die Party im Görli", schrieb er dazu.

Doch als ob das Ganze bis hierhin nicht schon einigermaßen absurd genug war, tauchen seit ein paar Tagen immer seltsamere Nachrichten von Oliver Becker im Internet auf. Durchgeknallte Facebook-Posts, ein Video, in dem er völlig von Sinnen mit weit aufgerissenen Augen Obama und Putin in den Görli einlädt und dabei einen irren Tanz aufführt, seitenlange offene Briefe an den marokkanischen König, und zu allem Überfluss auch noch ein ärztliches Attest über seine Vorhautverengung.



Seitdem findet auf seiner Seite ein Shitstorm statt: Vorwürfe, er würde dem Image der Cannabis-Aktivisten schaden, Beschimpfungen und Bedrohungen. Becker pöbelt dann zurück. Und lässt dabei ziemlich offen, ob alles nur ein Scherz war, das verrückte Video, die ganze Aktion. Vor zwei Tagen schrieb er dann, er habe dem König von Marokko mit dem ersten offenen Brief auch seinen Pass geschickt und könne deshalb gar nicht ausreisen. Alles also nur ein Fake?

Die Berliner Polizei beobachtet Becker jedenfalls gelassen. Er sei ihnen als Aktivist seit einiger Zeit bekannt, sagt ein Sprecher, und nicht so richtig ernst zu nehmen. Sollte Becker am Samstag tatsächlich dabei erwischt werden, Haschisch zu verkaufen, verstoße er natürlich gegen das Betäubungsmittelgesetz. Er werde dann umgehend festgenommen. Becker hat angekündigt, in diesem Fall in den Hungerstreik treten zu wollen. Bis zur Hanfparade Anfang August.