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Hauptbahnhof Berlin : Neuer Ärger für Fahrgäste der Bahn

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Hier werden  86 Tage keine Züge fahren: Die Gleiskonstruktionen im oberen Teil des Hauptbahnhofs werden saniert.
Hier werden 86 Tage keine Züge fahren: Die Gleiskonstruktionen im oberen Teil des Hauptbahnhofs werden saniert.
Foto: DB/Jochen Schmidt
Berlin –  

Berlins Hauptbahnhof ist nicht mal sieben Jahre in Betrieb, muss aber trotzdem schon saniert werden – für viel Geld. Der Bahnhof Zoo muss teilweise gesperrt werden.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat erbost auf die Mängel im Berliner Hauptbahnhof reagiert. Die Anlage ist erst 2006 eröffnet worden – nun wurde bekannt, dass Teile der oberirdischen Gleiskonstruktionen für 25 Millionen Euro saniert werden müssen, wofür 2015 die dortigen Fernbahngleise 86 Tage und 2016 die S-Bahn-Gleise rund 60 Tage lang gesperrt werden müssen.

Dass schon so früh Wartungsarbeiten in einem so großen Umfang erforderlich würden, sei ärgerlich, sagte der Minister am Mittwoch im Fernsehsender n-tv. Inzwischen bestätigte die Deutsche Bahn (DB), dass im Hauptbahnhof nicht nur auf den vier oberirdischen Fern- und Regionalzuggleisen ein Tempolimit gilt. Auch die S-Bahn aus Richtung Friedrichstraße muss die Geschwindigkeit drosseln – auf 20 Kilometer in der Stunde. Schuld sei eine schadhafte Schiene, hieß es.

Er sei der schönste und modernste Bahnhof, hieß es am 26. Mai 2006, als die Eröffnung des Hauptbahnhofs gefeiert wurde. Doch damit die Anlage wie versprochen rechtzeitig zur Fußball-WM ans Netz gehen konnte, hatten der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn und sein Projektchef Hany Azer, der jetzt ebenfalls am Flughafen BER anheuert, das Tempo stark erhöht.

Viele Schrauben locker

Das führte nicht nur dazu, dass das Dach über den Ost-West-Gleisen kürzer ausfiel als vom Architekten Meinhard von Gerkan geplant – viele Dachteile lagern bis heute im Stadtbahn-Viadukt am Ostbahnhof. Bei Details wurden ebenfalls einfachere Lösungen gewählt. Dies betraf auch die so genannten Fahrbahnübergangskonstruktionen, die sich auf dem aus mehreren Brücken bestehenden Viadukt befinden. „Sie sollen auftretende Kräfte zwischen den einzelnen Brücken aufnehmen, ableiten und so die Schienen vor Überlastung schützen“, erklärte ein Sprecher. Anfangs sollte für die in einer Kurve liegenden Ost-West-Gleise eine Sonderkonstruktion entwickelt werden. Doch aus Zeitgründen entschied sich die Bahn für eine Standard-Bauart – die den Belastungen nicht gewachsen ist.

Geht es hier um Pfusch? „Nein“, sagte Helge Schreinert von DB Netz. „Die Konstruktionen wurden technisch abgenommen.“ Aber von den 3 250 Schrauben lockerten sich bald viele, einige brachen sogar ab. Eine Instandsetzung brachte nicht den erhofften Erfolg. Weil Schienenbrüche befürchtet wurden, senkte die Bahn die Geschwindigkeit auf den Ferngleisen in Richtung Friedrichstraße zum 1. Dezember 2011 von 60 auf 40 Kilometer pro Stunde. Schwarze Blechtafeln mit einer 4 zeigen dies den Lokführern an. „Die Schrauben werden monatlich kontrolliert, der Betrieb ist sicher“, so Schreinert. Trotzdem sollen alle 37 Konstruktionen östlich und westlich der Bahnsteige durch stabilere Elemente zu ersetzen. Dafür muss der Zugbetrieb im oberen Bahnhofsteil ab August 2015 drei Monate unterbrochen werden, weil auch der Fahrweg ausgetauscht wird und der Beton Zeit zum Aushärten braucht. 2016 liegt die S-Bahn lahm.

„Die Fahrgäste müssen es ausbaden, dass mal wieder Schnelligkeit vor Qualität ging“, sagte Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB. Die Politik hätte nicht akzeptieren dürfen, dass die Planungen verändert wurden. „Was hat die WM mit dem Hauptbahnhof zu tun?“ Es sei nur um das Prestige der DB gegangen. Wieseke forderte, dass die Bahn die Sperrungen dazu nutzen sollte, weitere Weichen einzubauen, damit der Betrieb bei Störungen besser aufrecht erhalten werden kann. Aber das ist nicht geplant – auch nicht die Verlängerung des Daches.

Bereits in den nächsten Wochen, voraussichtlich am 31. Mai, soll die schadhafte Schiene, die Ursache des Tempolimits bei der S-Bahn ist, ausgetauscht werden. „Dafür wird der S-Bahn-Betrieb wahrscheinlich am späten Abend unterbrochen“, sagte ein Bahnsprecher. Der Schienenfehler an dem Gleis aus Richtung Osten, das intern die Nummer 216 trägt, war bei einer planmäßigen Inspektion mit Ultraschall festgestellt worden. „Bei der vorangegangenen Prüfung war diese Schiene noch ohne Befund gewesen“, hieß es.

Teil-Sperrungen am Bahnhof Zoo

Gravierender wirken sich die Arbeiten aus, die im Sommer Teil-Sperrungen des S-Bahnhofs Zoo erfordern. Weil der S-Bahnsteig Blindenleitstreifen erhält, rollen S-Bahnen ohne Halt durch – vom 15. bis 21. Juli die Züge nach Westen, vom 22. bis 29. Juli die Züge nach Osten. Fahrgäste müssen Umwege fahren. „Für den am stärksten genutzten S-Bahnhof in der City West hätte man eine schonendere Lösung finden müssen“, kritisierte Jens Wieseke.

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