blz_logo12,9

Hauptstadt-Flughafen: Diepgen verteidigt BER-Standort

Der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) verteidigt im Abgeordnetenhaus beim Untersuchungsausschuss die Standortwahl für BER.

Der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) verteidigt im Abgeordnetenhaus beim Untersuchungsausschuss die Standortwahl für BER.

Foto:

dpa

Wilhelm Bender avanciert zum Hoffnungsträger für den Hauptstadtflughafen. „Wenn es gelänge, den Herrn Bender dazu zu bewegen, noch mal etwas fürs Vaterland zu tun, dann hätten wir wirklich einen Riesenfortschritt gemacht“, sagte der frühere Berliner Flughafen-Aufsichtsratschef und spätere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel am Freitag in Berlin.

Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens Bender wird als möglicher neuer Geschäftsführer in Berlin gehandelt. Der neue Flughafenkoordinator in der Potsdamer Staatskanzlei, Rainer Bretschneider, äußerte sich ausweichend zu der Personalie.

„Über den Ex-Fraport-Chef kann ich Ihnen nichts sagen“, sagte Bretschneider in Potsdam. Er sei aber offensichtlich ein fähiger Mann, der seine Aufgaben als früherer Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Flughafens gelöst habe. Es wäre hilfreich, wenn der Nachfolger des abgelösten Chefs des Hauptstadtflughafens, Rainer Schwarz, Fachkenntnisse habe. Gleichzeitig sollte er über „soziale und mediale Kompetenzen“ verfügen.

Scharfe Kritik von Henkel

Henkel machte im Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses schwere Fehler des Aufsichtsrats um die Länderchefs Klaus Wowereit und Matthias Platzeck (beide SPD) für das Fiasko um ausufernde Kosten und geplatzte Termine verantwortlich - ohne die Politiker zu nennen.
Henkel kritisierte, die Verantwortung sei in der Geschäftsführung nicht klar verteilt gewesen, weil der kürzlich gefeuerte Chef Schwarz nur ihr Sprecher war, nicht aber Vorsitzender. Es sei auch falsch gewesen, den Bau nicht einem Generalunternehmer aufzutragen. Henkel betonte, Ursache des Debakels sei aber nicht, dass Politiker im Aufsichtsrat des Flughafens sitzen. Henkel war selbst von 1994 bis 1996 Vorsitzender des Kontrollgremiums.

Aufsichtsrat als "Schlangengrube"

Henkel verteidigte sein damaliges Vorgehen, über den Flughafenstandort die Gesellschafter - die Länder Berlin, Brandenburg und den Bund - entscheiden zu lassen, nicht den Aufsichtsrat. „Der Aufsichtsrat war eine Schlangengrube.“ Es herrschten demnach Chaos und Grabenkämpfe in dem Gremium.

Henkel überließ die Entscheidung deshalb dem damaligen Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) sowie den Ex-Länderchefs Eberhard Diepgen (CDU) und Manfred Stolpe (SPD).

Diepgen verteidigt Standort Schönefeld

Der frühere Berliner Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) hat die Entscheidung für Schönefeld als Standort für den Hauptstadtflughafen verteidigt. „Es gab unterschiedliche Interessenlagen der Gesellschafter“, erklärte Diepgen am Freitag vor dem Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses, wie es 1996 dazu kam.

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.“ An dem stadtnahen Standort Schönefeld gibt es zum einen Kritik, weil er zahlreiche Menschen dem Fluglärm aussetzt und zum anderen, weil der Flughafen dort nicht so stark wachsen kann wie weiter außerhalb.

Brandenburg drängte laut Diepgen auf einen größeren Flughafen in Sperenberg. Der Bund habe dagegen Rücksicht auf andere Großflughäfen wie Frankfurt und München nehmen wollen und deshalb wenig Interesse an einem ebenbürtigen Konkurrenten gehabt. Berlin sei es ebenso wie Potsdam um Arbeitsplätze gegangen. „Für Berlin kam es darauf an, in dieser Situation zu einem Ausgleich zu kommen.“

Zunächst sei er für Sperenberg gewesen, hob der 72-Jährige hervor. Als sich herausstellte, dass Potsdam die Anbindung des mehr als 40 Kilometer von Berlin entfernten Standorts nicht vorfinanzieren kann, seien die Würfel für Schönefeld gefallen.

Neuer Flughafen-Koordinator unter Erfolgsdruck

Brandenburgs neuer Flughafen-Koordinator Bretschneider sieht sich unter Erfolgszwang. „Ich weiß auch, dass ich nicht scheitern darf“, sagte der 64-Jährige nach einer Woche im Amt. Als erstes müsse die noch unvollständige Geschäftsführung der Flughafengesellschaft handlungsfähig werden, erläuterte Bretschneider. Dann gelte es, den Hauptstadtflughafen in Gang zu bringen. Außerdem komme es darauf an, die Arbeitsfähigkeit des alten Flughafens Tegels zu garantieren. „Tegel darf nicht kollabieren.“

Bis Mitte Februar werde die von ihm geführte zehnköpfige Gruppe vollzählig sein, kündigte Bretschneider an. Die Arbeitseinheit wurde gebildet, nachdem im Januar der vierte Flughafen-Eröffnungstermin geplatzt war. Mit Blick auf Resultate warb der Koordinator um Geduld. „Wir sind noch im Aufbau. Da bitte ich um vier Wochen Zeit.“

Nachtflug-Verbot ab November?

Schon von diesem November an könnte am alten Verkehrsflughafen Berlin-Schönefeld die Nachtruheregelung des neuen Hauptstadtflughafens BER gelten, obwohl dessen Eröffnungstermin noch unklar ist. Dies würde bedeuten, dass zwischen 23.30 und 5.30 Uhr keine Luftfahrzeuge starten und landen dürfen.

Bis Mitternacht wären allenfalls verspätete, ab 5.00 Uhr verfrühte Flüge gestattet. Einen entsprechenden Vorschlag unterbreitete Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Freitag. Die bisherigen Regelungen am bestehenden Flughafen mit durchgehendem Betrieb laufen Ende Oktober aus.(dpa)