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Hauptstadtflughafen BER: Noch nicht eröffnet, aber schon am Limit

Blick aus einem Hubschrauber auf den neuen Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld (Archivbild).

Blick aus einem Hubschrauber auf den neuen Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld (Archivbild).

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Patrick Pleul/dpa

Der Luftverkehr in Berlin boomt, ein Ende ist nicht in Sicht. Doch es wird immer klarer, dass der neue, noch gar nicht eröffnete Schönefelder Flughafen BER weitere größere Zuwächse gar nicht verkraften könnte. Dafür lieferte Olaf Nozon von der Flughafengesellschaft FBB, der bis Mitte 2012 als Teilprojektleiter für das Terminal zuständig war, am Freitag weitere Anhaltspunkte. „Validierungen zeigen, dass man hart am Limit ist“, sagte der Planer vor dem BER-Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses.

Die Passagierzahlen haben eine ungeahnt dynamische Entwicklung genommen, bestätigte Nozon. Darum mussten die Planungen für das zentrale Gebäude immer wieder angepasst werden. Als sie 2004 ins Detail gingen, war noch von einer jährlichen Kapazität von 19 bis 20 Millionen Fluggästen die Rede – mit maximal 3 800 abfliegenden Passagieren pro Stunde. 220 000 Quadratmeter Geschossfläche und 490 Millionen Euro sollten dafür reichen.

Kündigung war keine gute Idee

Heute ist das künftige Schönefelder Terminal für bis zu 5.400 abfliegende und 5.700 ankommende Passagiere pro Stunde ausgelegt. Doch damit sind die Kapazitätsgrenzen in Sicht, wie Nozon am Rande der Ausschusssitzung bestätigte. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn erwägt, den bestehenden Flughafen Schönefeld nach der BER-Eröffnung weiter zu nutzen.

Außer Umplanungen habe auch die Verteuerung von Baumaterial dazu beigetragen, die Kosten des Terminals in die Höhe zu treiben. Bereits 2009 waren sie auf „weit über 700 Millionen Euro“ gestiegen, wie Nozon mitteilte. Er deutete an, dass es zuletzt auf der Baustelle zuweilen drunter und drüber gegangen sein musste. Änderungswünsche hätten nicht selten dazu geführt, dass bereits Gebautes wieder abgebrochen werden musste. Nozon: „Das führt zwangsläufig zu Nachträgen.“

Er sprach auch von Schlechtleistungen der Planungsgemeinschaft pg bbi, an der die Architekturbüros gmp und J.S.K. beteiligt waren. Deren mangelhafte Planungen hätten ebenfalls die Kosten erhöht. Trotzdem kritisierte Nozon, dass der Planungsgemeinschaft im Mai 2012 gekündigt wurde. Er habe dagegen votiert. Eine Kündigung des Generalplaners könne nur das letzte Mittel sein, weil Know-how verloren gehe. „Das ist keine gute Idee gewesen.“

Jeder Tag, den der BER geschlossen bleibt, koste je nach Rechenweise 500 000 bis eine Million Euro.