08.02.2012

Hauptstadtflughafen in Schönefeld: Mit Helm in die Abflughalle

Von Andrea Beyerlein
        

Blick auf die Abfertigungsschalter: Die Komparsen, die mit grünen Westen und Bauhelmen ausgestattet sind, warten mit ihrem Gepäck auf das Einchecken.
Blick auf die Abfertigungsschalter: Die Komparsen, die mit grünen Westen und Bauhelmen ausgestattet sind, warten mit ihrem Gepäck auf das Einchecken.
Foto: dpa
Berlin –  

Zum ersten Mal wurden auf dem neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld Passagiere zum Check-in gebeten – zur Probe. Vier Monate vor Inbetriebnahme begann am Dienstag die Testphase für den Flughafenbetrieb mit Komparsen. Unsere Redakteurin Andrea Beyerlein war als Komparsin bei dem ersten Test dabei.

Es ist bitter kalt. An den Shuttlebussen unweit der Airportworld, dem Flughafeninformationszentrum nahe dem Bahnhof Schönefeld, bilden sich an diesem Morgen gegen halb neun lange Schlangen. Gut zweihundert Komparsen, angereist per Bahn oder mit dem Auto, müssen zum Flughafen gebracht werden. Niemand murrt. Auch später nicht, beim erneuten Anstehen vor dem Zelt der „Tester“ auf dem neuen Flughafengelände nach 15 Minuten Busfahrt. Dort werden die Teilnehmerlisten abgeglichen. Jeder erhält eine giftgrüne Warnweste und einen Schutzhelm, schließlich wird eine Baustelle betreten. Rund 10.000 Komparsen hat die Flughafengesellschaft für den bis Mitte Mai jeden Dienstag und Donnerstag geplanten Probebetrieb gesucht. Mehr als 18.000 haben sich gemeldet. Viele stehen noch auf der Warteliste.

Flughafen-Alltag auf Probe

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Christa und Manfred Boy aus Schulzendorf, kaum zehn Kilometer vom Flughafen entfernt, sitzen an einem Bierzelttisch und sind begeistert, dass sie schon am ersten Tag dabei sein dürfen. Sie sind Vielflieger. Die Tochter des Rentnerehepaars lebt in Asien. „Wir sind froh, wenn wir nicht mehr nach Tegel müssen“, sagt Christa Boy.

Der Countdown läuft
In Schönefeld

In Schönefeld begann Ende November der Probebetrieb auf dem neuen Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Zunächst probte das Personal die künftigen Abläufe auf dem Flughafen allein. Pro Tag wurden acht bis elf Flüge simuliert.

An diesem ersten Tag begrüßt Flughafenchef Rainer Schwarz persönlich die Tester und wirkt ganz aufgekratzt. Schon seit November werden die Betriebsabläufe auf dem Airport erprobt. „Aber heute kommt der Kunde dazu“, sagt Schwarz. „Sie nehmen ein wichtiges Stück in der Geschichte des Flughafens ein.“

Ausdruck der Gepäckaufkleber.
Ausdruck der Gepäckaufkleber.
Foto: dapd

Um kurz nach zehn werden endlich die Tickets verteilt. Mit der Lufthansa geht es nach München und Budapest, mit Air Berlin nach Wien und Oslo. Die Komparsen sollen für den ersten Flug zwei Koffer nehmen und für den zweiten einen. Dann werden sie zum Terminal chauffiert. Zurückbleiben die „Transfer-Gäste“. Das sind wir, die, die aus Brasilien kommend auf dem Airport nur umsteigen.

Die „Transfer-Gäste“ müssen noch etwas warten, aber dafür keine Koffer schleppen. Und sie bekommen von den Mitarbeitern des Logistik-Teams, die normalerweise in Tegel und auf dem alten Flughafen Schönefeld arbeiten, vor Abfahrt ihrer Busse die etwas verunsichernde Anweisung: „Wie es dann weitergeht, müssen sie selbst sehen.“

Mit Gepäckwagen zum Schalter.
Mit Gepäckwagen zum Schalter.
Foto: dpa

Im Flughafen-Terminal hilft der Herdentrieb. Vorbei an den mit Sprühfarbe beschrifteten Check-in-Schildern USA, China, Iran, Paris bahnt sich die Transfer-Gruppe den Weg über die Baustelle. Eine Frau stolpert über einen Topf mit Pinseln und schimpft. „Jetzt stinken meine Schuhe nach Farbverdünner.“ Angekommen im ersten Stock sind zwei junge Männer ganz angetan von der Holzvertäfelung in Nussbaum-Furnier: „Das hat Wohnzimmerflair. Was Edles“, sagt Mark Neubauer. Er ist Flugbegleiter bei Air Berlin in Stuttgart, aber für den Testlauf privat angereist. „Man ist hier Teil von etwas Besonderem“, sagt Neubauer.

Der Bundespolizist an der Flughafen-Passkontrolle hat sich auf die Kundschaft eingestellt. „Na, da hatten sie es ja viel wärmer als hier bei uns“, begrüßt er die Reisenden aus Brasilien und begutachtet den Ausweis. Dann bittet er noch, die Hand auf einen Scanner zu legen. Als sein Gegenüber etwas zögert, grinst er freundlich: „Die Dinger sind doch noch gar nicht angeschlossen.“

So sollen die Flugzeuge starten

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Weil nach der Passkontrolle die Transfer-Schilder fehlen, weisen Flughafen-Mitarbeiter den Weg zur Sicherheitskontrolle. Die Plastik-Kisten für Handgepäck und Mäntel reichen nicht. Wieder bilden sich Schlangen. Ein Teil der Förderbänder ist noch unter Planen vor Baustaub geschützt. Dort, wo sie laufen, funktioniert die Kontrolle. Der Rucksack mit dem Laptop wird entdeckt und muss ein zweites Mal zum Durchleuchten aufs Band.

Beim Testlauf wird niemand ungeduldig. Olaf Wilmsen aus Westend sagt: „Das ist doch eine irre Leistung, so etwas zu organisieren.“ Wilmsen macht gelegentlich Komparsen-Jobs, um sich zur Rente etwas hinzu- zuverdienen. Dass es für den ganztägigen Flughafen-Test kein Salär gibt, ist ihm egal: „Wenn ich noch arbeiten würde, hätte ich mir freigenommen.“

Am Flughafen wird gebaut und geprobt

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