Blick auf die Abfertigungsschalter: Die Komparsen, die mit grünen Westen und Bauhelmen ausgestattet sind, warten mit ihrem Gepäck auf das Einchecken.
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Blick auf die Abfertigungsschalter: Die Komparsen, die mit grünen Westen und Bauhelmen ausgestattet sind, warten mit ihrem Gepäck auf das Einchecken.
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Berlin –
Zum ersten Mal wurden auf dem neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld Passagiere zum Check-in gebeten – zur Probe. Vier Monate vor Inbetriebnahme begann am Dienstag die Testphase für den Flughafenbetrieb mit Komparsen. Unsere Redakteurin Andrea Beyerlein war als Komparsin bei dem ersten Test dabei.
Es ist bitter kalt. An den Shuttlebussen unweit der Airportworld, dem Flughafeninformationszentrum nahe dem Bahnhof Schönefeld, bilden sich an diesem Morgen gegen halb neun lange Schlangen. Gut zweihundert Komparsen, angereist per Bahn oder mit dem Auto, müssen zum Flughafen gebracht werden. Niemand murrt. Auch später nicht, beim erneuten Anstehen vor dem Zelt der „Tester“ auf dem neuen Flughafengelände nach 15 Minuten Busfahrt. Dort werden die Teilnehmerlisten abgeglichen. Jeder erhält eine giftgrüne Warnweste und einen Schutzhelm, schließlich wird eine Baustelle betreten. Rund 10.000 Komparsen hat die Flughafengesellschaft für den bis Mitte Mai jeden Dienstag und Donnerstag geplanten Probebetrieb gesucht. Mehr als 18.000 haben sich gemeldet. Viele stehen noch auf der Warteliste.
Etwa 10 000 Freiwillige, die sich vergangenes Jahr als Testpersonen bewarben, spielen bis Mai Passagiere auf Probe und helfen damit die Abläufe auf dem Flughafen realistisch zu simulieren.
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Freiwillig Schlange stehen: Dichtgedrängt warten die Komparsen im neuen Terminal. Nun werden auch "echte" Jobs vergeben.
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Erste Erkenntnis: Gepäckwagen gibt es zur Genüge. Für den Probebetrieb hatten sich insgesamt 18 000 Menschen beworben.
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Realistische Probe: Wie im wahren Flughafenalltag brachten die Gäste reichlich Gepäck mit.
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Einheitskleidung: Mit ihrer "Dienstbekleidung" erinnert die Komparsen-Schar an Lemminge.
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Sogar an echte Tickets für ihre Pseudo-Fluggäste hatten die Organisatoren am ersten Test-Tag gedacht.
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Auch Gepäck-Etiketten durften nicht fehlen. Ein Mitglied des Operational Readiness Airport Transfer (ORAT) testet die neuen Drucker dafür.
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Komparse "Anuschka Meissner" hat ihr Ticket schon in der Hand. Nun wartet sie auf das Boarding ihres Flugs nach München.
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Der Flug nach München wurde allerdings nicht nachgespielt. Anders als das Terminal war das Rollfeld gähnend leer.
Christa und Manfred Boy aus Schulzendorf, kaum zehn Kilometer vom Flughafen entfernt, sitzen an einem Bierzelttisch und sind begeistert, dass sie schon am ersten Tag dabei sein dürfen. Sie sind Vielflieger. Die Tochter des Rentnerehepaars lebt in Asien. „Wir sind froh, wenn wir nicht mehr nach Tegel müssen“, sagt Christa Boy.
In Schönefeld begann Ende November der Probebetrieb auf dem neuen Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Zunächst probte das Personal die künftigen Abläufe auf dem Flughafen allein. Pro Tag wurden acht bis elf Flüge simuliert.
Die zweite Stufe
Die zweite Stufe des Probebetriebs hat am Dienstag begonnen. Bis Mai spielen Bürger als Komparsen abreisende und ankommende Passagiere – mit Koffer, Bordkarten und fluggasttypischen Problemen. Geld erhalten sie dafür nicht.
Bei den Publikumstagen
Bei den Publikumstagen am 12. und 13. Mai können dann alle Interessierten den BER kennenlernen – das neue Terminal aber nur von außen.
Ein Festakt
Ein Festakt ist für den 24. Mai geplant. Zu den geladenen Gästen gehört Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie hat zugesagt, hieß es.
Die ersten Flugzeuge
Die ersten Flugzeuge sollen am 3. Juni um 5.30 Uhr vom BER starten.
An diesem ersten Tag begrüßt Flughafenchef Rainer Schwarz persönlich die Tester und wirkt ganz aufgekratzt. Schon seit November werden die Betriebsabläufe auf dem Airport erprobt. „Aber heute kommt der Kunde dazu“, sagt Schwarz. „Sie nehmen ein wichtiges Stück in der Geschichte des Flughafens ein.“
Ausdruck der Gepäckaufkleber. Foto: dapd
Ausdruck der Gepäckaufkleber. Foto: dapd
Um kurz nach zehn werden endlich die Tickets verteilt. Mit der Lufthansa geht es nach München und Budapest, mit Air Berlin nach Wien und Oslo. Die Komparsen sollen für den ersten Flug zwei Koffer nehmen und für den zweiten einen. Dann werden sie zum Terminal chauffiert. Zurückbleiben die „Transfer-Gäste“. Das sind wir, die, die aus Brasilien kommend auf dem Airport nur umsteigen.
Die „Transfer-Gäste“ müssen noch etwas warten, aber dafür keine Koffer schleppen. Und sie bekommen von den Mitarbeitern des Logistik-Teams, die normalerweise in Tegel und auf dem alten Flughafen Schönefeld arbeiten, vor Abfahrt ihrer Busse die etwas verunsichernde Anweisung: „Wie es dann weitergeht, müssen sie selbst sehen.“
Mit Gepäckwagen zum Schalter. Foto: dpa
Mit Gepäckwagen zum Schalter. Foto: dpa
Im Flughafen-Terminal hilft der Herdentrieb. Vorbei an den mit Sprühfarbe beschrifteten Check-in-Schildern USA, China, Iran, Paris bahnt sich die Transfer-Gruppe den Weg über die Baustelle. Eine Frau stolpert über einen Topf mit Pinseln und schimpft. „Jetzt stinken meine Schuhe nach Farbverdünner.“ Angekommen im ersten Stock sind zwei junge Männer ganz angetan von der Holzvertäfelung in Nussbaum-Furnier: „Das hat Wohnzimmerflair. Was Edles“, sagt Mark Neubauer. Er ist Flugbegleiter bei Air Berlin in Stuttgart, aber für den Testlauf privat angereist. „Man ist hier Teil von etwas Besonderem“, sagt Neubauer.
Der Bundespolizist an der Flughafen-Passkontrolle hat sich auf die Kundschaft eingestellt. „Na, da hatten sie es ja viel wärmer als hier bei uns“, begrüßt er die Reisenden aus Brasilien und begutachtet den Ausweis. Dann bittet er noch, die Hand auf einen Scanner zu legen. Als sein Gegenüber etwas zögert, grinst er freundlich: „Die Dinger sind doch noch gar nicht angeschlossen.“
Weil nach der Passkontrolle die Transfer-Schilder fehlen, weisen Flughafen-Mitarbeiter den Weg zur Sicherheitskontrolle. Die Plastik-Kisten für Handgepäck und Mäntel reichen nicht. Wieder bilden sich Schlangen. Ein Teil der Förderbänder ist noch unter Planen vor Baustaub geschützt. Dort, wo sie laufen, funktioniert die Kontrolle. Der Rucksack mit dem Laptop wird entdeckt und muss ein zweites Mal zum Durchleuchten aufs Band.
Beim Testlauf wird niemand ungeduldig. Olaf Wilmsen aus Westend sagt: „Das ist doch eine irre Leistung, so etwas zu organisieren.“ Wilmsen macht gelegentlich Komparsen-Jobs, um sich zur Rente etwas hinzu- zuverdienen. Dass es für den ganztägigen Flughafen-Test kein Salär gibt, ist ihm egal: „Wenn ich noch arbeiten würde, hätte ich mir freigenommen.“
Nach offiziellen Angaben arbeiten jetzt 1500 Menschen an der Fertigstellung des Terminals, weitere 3500 sind im Freien beschäftigt.
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Das Wetter meint es gut mit ihnen. Die Arbeiten liegen im Plan, sagt Flughafensprecher Ralf Kunkel.
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Rund hundert Fluggäste klappern in diesen Tagen die Stationen im Terminalgebäude des künftigen Hauptstadtflughafens ab, um ihre Flüge pünktlich zu erreichen.
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Um Einzuchecken, um das Gepäck aufzugeben und die Sicherheitskontrolle zu passieren.
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Beim Boarding ist Schluss. Denn natürlich wird vom neuen Flughafen Berlin Brandenburg in Schönefeld noch nicht geflogen.
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Aber zweimal wöchentlich proben jetzt Mitarbeiter des Bodenpersonals, der Airlines und Bundespolizisten die Abläufe an ihren künftigen Arbeitsstellen.
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Immer und immer wieder. Es soll nichts schief gehen, wenn am frühen Morgen des 3. Juni der Airport mit dem Kürzel BER seinen Betrieb aufnimmt.
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In diesen Tagen erhalten die letzten Check-In-Schalter ihr Mobilar, werden Computer angeschlossen und Transportbänder getestet.
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Folien und Pappe schützen die edlen Holzverkleidungen der Abfertigungsinseln. Die Marmorfußböden sind, soweit schon vorhanden, mit Spanplatten bedeckt.
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Zwischen unzähligen Koffern und Taschen, die längst keine Besitzer mehr haben, für den Probebetrieb aber unentbehrlich sind, bahnen sich Arbeiter mit Baumaterialien und Ausrüstungsgegenständen ihren Weg durch die staubige Abfertigungshalle.
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Knapp fünf Minuten brauchen die Koffer auf ihren Bändern von den Check-In-Schaltern bis zur vollautomatischen Sortieranlage eine Etage tiefer.
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Nach Weihnachten hatten Helfer 16.000 Gepäckstücke durch die Anlage geschickt – in einer Stunde.
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Die Abläufe der Kontrollen seien optimiert worden, heißt es.
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Noch längst nicht einsatzbereit sind die Bänder, von denen einmal ankommende Passagiere ihr Gepäck nehmen sollen.
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