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Berliner Zeitung | Haus Cumberland: Das Cumberland lebt wieder
13. September 2013
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Haus Cumberland: Das Cumberland lebt wieder

Die Gartenanlagen im Innenhof des Hauses Cumberland wurden originalgetreu wieder hergestellt.

Die Gartenanlagen im Innenhof des Hauses Cumberland wurden originalgetreu wieder hergestellt.

Foto:

dpa

Berlin -

Dornröschenschlaf beendet: Das neue Haus Cumberland am Kurfürstendamm ist fertig. Am Sonnabend wird es mit einem großen Fest an seine Bewohner übergeben. Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit wird dabei sein. Seine Glückwünsche schickte er aber schon am Freitag: „Die totgesagte City-West ist lebendig, der Kurfürstendamm wird attraktiv wie in seinen besten Zeiten“, ließ er mitteilen, und es klang auch ein bisschen erleichtert.

Denn das Haus Cumberland, so prächtig seine Fassade auch wirken mag, ist bisher wahrlich keine Erfolgsgeschichte. Das wissen auch die Investoren. „Wir wollen mit unserem Projekt die ersten hundert Jahre vergessen machen“, sagte Dirk Germandi am Freitag bei der Vorstellung des sanierten Gebäudekomplexes.

Mit Sauna und Kamin

185 Wohnungen haben Dirk Germandi und sein Partner Detlef Maruhn in dem denkmalgeschützten Ensemble errichten lassen. Sie alle sind schon während der Bauphase verkauft worden – zu Quadratmeterpreisen von 3 900 bis 7 500 Euro. Der Stellplatz in der Tiefgarage kostet noch einmal 35 000 Euro extra. Dafür wird natürlich eine exzellente Ausstattung geboten und vom Balkon, den jede Wohnung hat, der Blick in die sagenhaft grünen oder künstlerisch gestalteten Innenhöfe.

Die Wohnungen sind zwar noch nicht alle fertig, aber längst verkauft, allerdings nicht an arabische Investoren, wie geargwöhnt wurde. „Wir haben drei Käufer aus dem Ausland, davon sind zwei aus der Schweiz“, sagte Maruhn. Die Erwerber kämen vielmehr aus der gesamten Bundesrepublik, viele auch aus Berlin. Und aus Bayern.

„Wenn morgen der 9-Uhr-Flieger aus München ankommt, ist wahrscheinlich das halbe Flugzeug mit den Gästen unserer Übergabeparty voll“, so Germandi. Für 105 Wohnungen wurden die Investoren auch mit der Vermietung betraut. Und es sind sogar noch welche zu haben, für 12,50 bis 15 Euro Miete pro Quadratmeter, kalt versteht sich. Einige Erwerber haben ihre Wohnungen selbst vermietet – für bis zu 18 Euro je Quadratmeter.

Wer sich keine Cumberland-Wohnung leisten kann, kann den Glanz des Ensembles zumindest als Gast im Restaurant „Grosz“ genießen, das wie der Rest des mehr als 5 000 Quadratmeter großen Gewerbeteils, den der Investor Thomas Bscher verantwortet, im vergangenen Winter eröffnet wurde. Zum Gewerbeteil gehören zudem zwei Ladengeschäfte und zehn Bürokomplexe – fast alles längst vermietet, wie Bscher sagte.

Das Duo Germandi und Maruhn hat sich auf die Sanierung denkmalgeschützter Immobilien spezialisiert. Ihr neuestes Projekt ist das Ludwig-Hoffmann-Quartier in Buch. Hier entstanden im Klinikensemble 210 Eigentumswohnungen, alle bereits verkauft.

Vornehm wohnen im Haus Cumberland war schon vor hundert Jahren der Plan. Als das Gebäude errichtet wurde, waren die Ziele hoch gesteckt, die Realität aber ernüchternd. Entworfen vom gleichen Architekten, der auch das Hotel Adlon errichtete, sollte das Cumberland Luxus und Eleganz nach Berlin bringen.

Deshalb benannte man das palastartige Gebäude nach Ernst August II. von Hannover, der von 1845 bis 1923 lebte und auch den Titel des 3. Duke of Cumberland führte. Es gab Suiten, die man komplett mit Hauspersonal mieten konnte, Restaurants, Konditorei, Clubzimmer, Dachgarten und sogar einen Fechtsaal. Offenbar aber nicht genügend zahlungskräftige Gäste. Das Konzept scheiterte praktisch mit der Eröffnung im Jahr 1912, der Eigentümer ging in Konkurs.

Danach beherbergte das Gebäude Behörden und stand seit 2003 ganz leer. Alle Konzepte scheiterten, bis sich Maruhn, Germandi und Bscher zusammentaten. „Wir haben das Haus so angenommen wie es ist“, sagte Maruhn. Das Erfolgskonzept: „Keine Wunder machen. Einfach Wohnungen bauen.“