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Haus der Zukunft: Vier Neubauten und ein Sanierungsfall im Berliner Regierungsviertel

Das Regierungsviertel am Spreebogen wächst weiter.

Das Regierungsviertel am Spreebogen wächst weiter.

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imago/Westend61

Noch fahren die Stadtrundfahrts-Busse an der Baustelle am Kapelle-Ufer in Mitte vorbei, ohne die Geschwindigkeit zu drosseln. Aber das dürfte sich bald ändern. Am Rande des Regierungsviertels entsteht neben dem neuen Ministerium für Bildung und Forschung ein Gebäude, das neugierig macht: das Haus der Zukunft.

„Die Arbeiten kommen gut voran, im Juni 2015 war offizielle Grundsteinlegung“, sagt Christina Brüning, Sprecherin des Ministeriums für Bildung und Forschung. Das Ressort ist einer der Initiatoren des 58 Millionen Euro teuren Projekts. Was das Haus der Zukunft sein soll, beschreibt Gründungsdirektor Reinhold Leinfelder: „Unsere Besucher werden Ausstellungen und Experimentierräume vorfinden, in denen wir versuchen, mögliche Wege in die Zukunft darzustellen.“ Dabei werde die gesellschaftliche Frage, ob alles Machbare auch wünschbar ist, im Vordergrund stehen. „Die Ausstellungen sollen solche möglichen Zukunftswelten sichtbar machen“, so Leinfelder. „In unserem Reallabor werden die Besucher zum Beispiel mit Robotern kommunizieren oder Nahrung aus dem 3D-Drucker verkosten und bewerten.“

Das Haus der Zukunft entsteht nach Plänen des Berliner Architekturbüros Richter und Musikowski. Ihr Entwurf sieht den Bau eines Gebäudes mit großen Panoramafenstern zur Spree und zum Stadtbahnviadukt vor. Das Dach soll begehbar sein. „Die Baufertigstellung ist voraussichtlich Ende 2016/Anfang 2017“, sagt Brüning.

Das Haus der Zukunft ist das jüngste Bauprojekt im Parlaments- und Regierungsviertel. Das Stadtquartier rund um Reichstagsgebäude und Kanzleramt wächst Jahr für Jahr. Nachdem 2014 der Neubau des Ministeriums für Bildung und Forschung fertiggestellt wurde, kam 2015 das neue Domizil von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hinzu. Es entstand für 208 Millionen Euro auf einem bundeseigenen Grundstück an der Straße Alt-Moabit – in Sichtweite zum Kanzleramt.

Beide Ministeriumsbauten sollten so ausgelegt sein, dass dort nach einem Komplettumzug der Ministerien von Bonn nach Berlin sämtliche Mitarbeiter Platz finden. Das klappte jedoch nur beim Neubau für das Bildungs- und Forschungsressort. Das neue Domizil für das Innenministerium, in dem rund 1400 Beschäftigte arbeiten, fiel dagegen zu klein aus. Etwa 30 Mitarbeiter mussten deswegen, wie berichtet, an einem Ausweichstandort im Bundeshaus an der Bundesallee in Wilmersdorf einquartiert werden. Grund für die Panne: Die Planung für den Neubau basierte auf den Zahlen aus dem Jahr 2005. Inzwischen kamen neue Aufgaben und mehr Personal hinzu.

Zwar wurde der Neubau des Innenministeriums im Kosten- und Terminplan fertiggestellt, doch droht noch Ärger. Mit zwei Planungsbüros aus dem Bereich der Technischen Gebäudeausstattung gibt es laut Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) „rechtliche Auseinandersetzungen“. Die Klagen liegen laut BBR dem Landgericht Berlin vor. Auf Grund der laufenden Verfahren wollte das Amt keine Angaben zur Höhe der Streitsumme machen.

Von Pannen begleitet ist noch ein weiteres Projekt im Parlaments- und Regierungsviertel: Der Erweiterungsbau des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses des Bundestags. Eigentlich sollte das Haus, in dem neben weiteren Abgeordnetenbüros ein Bereich für Kunstausstellungen geplant ist, 2016 fertig werden. Doch daraus wird nichts, weil der Erweiterungsbau noch vor der Eröffnung ein Sanierungsfall ist. Die Bodenplatte hat Mängel. Wie schwer diese sind, wird derzeit geprüft. Abschließende Angaben zum Schadensausmaß können laut BBR bisher nicht gemacht werden. Die Untersuchungen werden voraussichtlich bis zum Frühjahr dauern.

Unterdessen plant der Bundestag den nächsten Neubau: An der Scheidemannstraße soll ein Besucher- und Informationszentrum (BIZ) für das Parlament entstehen. Der Neubau soll die provisorischen Baracken auf dem Platz der Republik überflüssig machen, in denen die Besucher vor Betreten des Reichstagsgebäudes kontrolliert werden. Die Kontrollen werden künftig in das BIZ verlegt. Von dort sollen die Besucher durch einen Tunnel bis vor das Reichstagsgebäude gelangen. Kosten für das Projekt: 150 Millionen Euro.