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Berliner Zeitung | Haus der Zukunft: Wie wir künftig wohnen wollen
20. January 2015
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Haus der Zukunft: Wie wir künftig wohnen wollen

So stellen sich die Architekten die Innenräume des Gebäudes vor.

So stellen sich die Architekten die Innenräume des Gebäudes vor.

Foto:

Architekturbüro Richter Musikowski

Berlin -

Wie können uns Roboter im Haushalt helfen? Wie versorgen wir uns mit Energie? Und: Wie wollen wir künftig wohnen? Solche Fragen sollen schon bald an einem zentralen Platz in der Hauptstadt thematisiert werden: Im Haus der Zukunft. Das Haus, das neben dem Bundesministerium für Bildung und Forschung am Kapelle-/Alexanderufer in Mitte geplant ist, soll eine Art Schaufenster für Erfindungen und Ideen aus Wissenschaft und Forschung werden.

Die Verträge sind gemacht. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hat der Firma Bam Deutschland AG den Zuschlag für den Bau des Hauses der Zukunft erteilt. Das bestätigte Bima-Sprecher Thorsten Grützner. „Die Bam wird den Bau und den Betrieb des Projekts übernehmen und verpflichtet sich, nach Fertigstellung des Bauwerks Ende 2016 für die Instandhaltung über einen Zeitraum von 28 Jahren Sorge zu tragen“, so Grützner. Die Investitionskosten belaufen sich auf 58 Millionen Euro. Hinzu kommen später die Betriebskosten.

Preisgekrönter Entwurf

Das Haus der Zukunft soll nach Plänen des Berliner Architekturbüros Richter und Musikowski entstehen. Die Architekten haben sich 2012 bei einem Wettbewerb gegen 162 Konkurrenten durchgesetzt. „Das Haus der Zukunft zu bauen, ist für uns etwas Besonderes“, sagt Jan Musikowski. Der preisgekrönte Entwurf sieht den Bau eines Gebäudes mit großen Panoramafenstern zur Spree und zum Stadtbahnviadukt vor. Das Dach soll begehbar sein. Geplant sind 3200 Quadratmeter Ausstellungsfläche, Veranstaltungs- und Konferenzräume für bis zu 600 Personen, darunter ein 670 Quadratmeter großer Saal.

Ökologisch soll das Haus höchste Standards erfüllen. Solarmodule auf dem Dach sollen Sonnenenergie in Wärme und Strom umwandeln. Ein Energiespeicher sorgt dafür, dass die Wärme auch dann abgerufen werden kann, wenn die Sonne mal nicht scheint.

Realisiert wird der Bau in öffentlich-privater Partnerschaft (ÖPP). Ein Bau nach dem ÖPP-Modell ist nach Angaben des Ministeriums für Bildung und Forschung um rund zehn Prozent günstiger als ein Bau in Eigenregie. Wenn die Baugenehmigung vorliegt, sollen die Arbeiten im Frühjahr 2015 beginnen. Die Eröffnung des Hauses ist für 2017 vorgesehen.

Zu den Unterstützern des Projekts gehören neben dem Ministerium für Bildung und Forschung Wissenschaftsorganisationen wie die Alexander von Humboldt-Stiftung, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft. Sie haben sich in einer Trägergesellschaft zusammengeschlossen. Die forschende Wirtschaft ist unter anderem vertreten durch BASF, Bayer, Siemens und Infineon.

Ein Haus für jedermann

„Um Lust auf die Beschäftigung mit der Zukunft zu machen, werden wir innovative Ausstellungen zeigen, welche die Verknüpfungen aller Lebensbereiche untereinander thematisieren und ganz verschiedene, mögliche Zukunftspfade visualisieren“, sagte der Gründungsdirektor des Hauses der Zukunft, Reinhold Leinfelder, der Berliner Zeitung. Der Professor für Geologie an der Freien Universität gilt als erfahrener Museumsdirektor. Er leitete unter anderem das Naturkundemuseum in Berlin. Geplant sind „vielfältige Vortrags-, Diskussions- und Mitmachveranstaltungen sowie ein ,Reallabor’, bei dem sich alle an Experimenten beteiligen, Prototypen ausprobieren und eigene Zukunftskonzepte selbst vorstellen können“, so Leinfelder.

Denkbar ist zum Beispiel, in dem Reallabor eine Küche zu testen, in der Gewürze gleich auf recycelten Küchenabfällen wachsen – natürlich geruchsneutral und hygienisch. „Das Haus der Zukunft soll die Notwendigkeit der wissensbasierten Gestaltung der Zukunft unterstreichen, aber auch betonen, dass dies alle angeht, dass also Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft gleichermaßen gefordert sein werden“, sagt Leinfelder. Das Haus werde „für jedermann da sein“, so der Gründungsdirektor. „Ich freue mich sehr, dass der Baubeginn dieses Futuroskops nun sehr bald erfolgen wird.“

Nicht allen gefällt das Bauprojekt, das noch unter der schwarz-gelben Bundesregierung geplant wurde und nun von der schwarz-roten Koalition realisiert wird. Der Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz beklagt, die Ausgaben für das Haus der Zukunft seien eine „ärgerliche Belastung des Haushalts“. Er hätte das Geld lieber „in die Begabtenförderung oder die Alphabetisierung“ investiert, sagte Schulz. Aber das Projekt sei „nicht mehr zu stoppen“ gewesen.


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