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Hausbesetzer und Antifaschist: Eine Straße für Silvio Meier

Von 
berliner zeitung/markus wächter
Jedes Jahr am 21. November ziehen Antifaschisten gegen Nazis durch Friedrichshain und zuletzt auch  Lichtenberg.
berliner zeitung/markus wächter Jedes Jahr am 21. November ziehen Antifaschisten gegen Nazis durch Friedrichshain und zuletzt auch Lichtenberg.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

20 Jahre nach der Ermordung des Linksaktivisten und Hausbesetzers wird die Gabelsbergerstraße in Friedrichshain nach ihm benannt. Eine Gedenktafel im U-Bahnhof Samariterstraße wurde indes mehrfach gestohlen oder beschmiert.

In der Gabelsbergerstraße, einer unscheinbaren Altbau-Verbindung zwischen Frankfurter Allee und Rigaer Straße in Friedrichshain, kommt dieser Tage amtliche Post in die Briefkästen. Das Bezirksamt teilt allen Anwohnern offiziell mit, was seit Donnerstag auch im neuesten Berliner Amtsblatt steht: Die Gabelsbergerstraße wird umbenannt. Sie soll künftig Silvio-Meier-Straße heißen. Geehrt werden soll so ein DDR-Oppositioneller und Aktivist der links-alternativen Szene in Friedrichshain, der am 21. November 1992 von Neonazis erstochen wurde. Silvio Meier war damals 27 Jahre alt. Die Tat geschah ganz in der Nähe, im U-Bahnhof Samariterstraße.

„Wir haben uns nach langen Debatten auf die Umbenennung der Straße geeinigt“, sagt der Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne). Wenn es in den kommenden vier Wochen keine begründeten Widersprüche gibt, könnten die neuen Straßenschilder zum 20. Todestag im November angebracht werden.

Zur Person
Silvio Meier, Vorbild der Linken. Er wurde 27 Jahre alt.

Silvio Meier wurde 1965 in Quedlinburg geboren und kam als Jugendlicher nach Ost-Berlin. Er engagierte sich in der evangelischen Kirche der DDR als Oppositioneller. Bekannt wurde er als Organisator eines Konzerts der Band Element of Crime in der Zionskirche 1987. Nach dem Mauerfall gehörte Silvio Meier zur links-alternativen Hausbesetzer-Szene in Ost-Berlin. Sein Haus an der Schreinerstraße heißt heute „Villa Felix“, benannt nach Meiers damals einjährigem Sohn.

Am 21. November 1992 gerieten er und einige Freunde in Friedrichshain in eine Schlägerei mit Neonazis. Bei einer erneuten Begegnung im U-Bahnhof Samariterstraße verletzte einer von ihnen Meier mit einem Messer tödlich. Der damals 17-jährige Täter wurde 1993 wegen Totschlags zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt.

Es war ein langer Weg bis zu dieser Entscheidung des Bezirksamtes. Ausschlaggebend dafür war letztlich eine Bürgerversammlung vor wenigen Wochen in der Galiäa-Kirche an der Rigaer Straße. Dort hatte sich eine große Mehrheit von über hundert Menschen für eine Silvio-Meier-Straße ausgesprochen. Schulz: „Ein Bündnis aus SPD, Grünen, Linken und Piraten hatte zuvor vereinbart, dass wir das Bürgervotum akzeptieren, egal wie es ausfällt.“ Denn dass es eine Ehrung geben soll, stand vorher fest, nur nicht welche. Als Alternativen zur Straße gab es den Vorschlag, der neuen Bezirksbibliothek an der Frankfurter Allee den Namen Silvio Meier zu verleihen. Oder den Platz vor der Bibliothek nach ihm zu benennen.

Dass der ehemalige Hausbesetzer schließlich mit einer kompletten Straße geehrt wird, dürfte im grün und links dominierten Bezirk eigentlich nicht verwundern. Allerdings sollen dort Straßen nur noch Frauennamen erhalten. „Es sei denn, es gibt gewichtige Gründe für einen Mann und die Anwohner sind mehrheitlich dafür“, sagt Schulz. Was beides in diesem Fall zutraf.

Debatte auch bei Facebook

Seit seinem Tod vor 20 Jahren wird das Andenken an Silvio Meier in Friedrichshain hoch gehalten. An jedem 21. November gibt es eine Demonstration für ihn. Eine Gedenktafel im U-Bahnhof Samariterstraße, die von Meiers Freunden produziert wurde, wurde indes mehrfach gestohlen oder beschmiert. Auch die BVG ließ die Tafel mehrmals entfernen; nach der Bahnhofs-Sanierung 2005 kam sie erst nach öffentlichen Protesten zurück an ihren Platz.

Dass die Straßenumbenennung mehr ist als ein schlichter Tribut an einen jungen Hausbesetzer und Antifaschisten, ist auch an der Diskussion im Sozialnetzwerk Facebook zu sehen. Einige User, die ganz offensichtlich zu jung sind, um die Geschichte um Silvio Meier zu kennen, nörgeln zwar herum, dass sie jetzt ihre Adresse ändern müssen.

Aber es gibt auch viel Zuspruch für den Bezirksamts-Beschluss. So schreibt ein User, er freue sich über ein klares Zeichen gegen Faschismus: „Die Umbenennung einer Straße im Gedenken an ein Opfer rechter Gewalt ist ein schönes Mittel, um als Gesellschaft klar zu machen, dass wir nationalsozialistisches, faschistisches und rechtsextremes Gedankengut und Verhalten ablehnen.“

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