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Heidi Hetzer: Rallyefahrerin beginnt Oldtimer-Weltreise

Tschüss: Die ehemalige Rennfahrerin Heidi Hetzer geht auf große Tour.

Tschüss: Die ehemalige Rennfahrerin Heidi Hetzer geht auf große Tour.

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dpa

Zum Abschied von Berlin war Heidi Hetzer am Sonntag für einige Stunden ein bewegliches Verkehrshindernis. Erst füllte sich um 10 Uhr der Olympische Platz vor dem Olympiastadion mit Oldtimern, deren Besitzer sich von der beliebten Oldtimerrallye-Fahrerin verabschieden wollten. Hier stiegen der 77-Jährigen zum ersten, allerdings längst nicht zum letzen Mal an diesem Tag die Tränen der Rührung in die Augen. Nächster Halt bevor es an Brandenburger Tor und Eastside Gallery vorbei weiter ging: Hotel Kempinski am Kurfürstendamm.

Angesichts der vielen Berliner, die sich hier von ihr verabschieden wollten (darunter Playboyveteran Rolf Eden, Sänger Henry de Winter und GZSZ-Bösewicht Wolfgang Bahro), stieg die Weltreisende auf das Dach ihres Hudson Great Eight von 1930, den sie zärtlich Hudo nennt. Sie winkte den Damen vom Verein der Unternehmerinnen, die ein Aufmunterungstransparent („Komm gesund wieder!“) mitgebracht ha- ben.

Vom Hotel wird ihr ein großer Korb mit gekochten Eiern gereicht – eine Anspielung auf Clärenore Stinnes, die 1927 bis 1929 so eine Reise im Auto um die Welt unternommen hat, und auf deren Spuren Heidi Hetzer nun unterwegs ist. „Clärenore hat damals 186 gekochte Eier mitgenommen. Für ihre Mechaniker. Mein Beifahrer kann sich auf was gefasst machen...“ Vielleicht war ja diese einseitige Ernährung 1927 ein Grund für die Revolte der Mechaniker, die sich schon in Moskau weigerten, die Chefin weiter zu begleiten.

Kurz bevor sich Heidi Hetzer auf die erste Etappe bis Bad Elster („Dort übernachten wir bei einem Freund. Dann geht es weiter über Prag, Wien und Istanbul in den Iran.“) machte, erzählte sie: „Ich habe die Nacht durchgearbeitet und meine Wohnung ausgeräumt.“ Am Sonnabend hatte sie einen Mieter gefunden. Und freut sich: „30 000 Euro mehr für die Reisekasse!“ Die ersten Kilometer der Weltreise haben ihre Zweifel an der Zuverlässigkeit des Oldtimers bestärkt: „Mein Auto macht jetzt schon Geräusche.“ Der Motor des Wagens, der eigentlich als Ersatzteilspender dienen sollte, wird jetzt überholt: „Dann können wir den unterwegs austauschen.“ Über ihre Seelenlage sagte die Weltreisende: „Natürlich habe ich Bammel. Aber meine Neugierde ist größer.“

Clärenore Stinnes fuhr damals mit einem Revolver los. Heidi Hetzer ist auch darauf vorbereitet, dass nicht alle Menschen auf der Welt liebenswürdig sind: „Ich habe mein Pfefferspray und meinen Baseballschläger dabei.“ Sie findet, dass sie etwas Widersinniges unternimmt: „Ich lebe in der schönsten Stadt und bräuchte gar nicht weg zu fahren.“ Die Wochen vor ihrer Abreise haben ihr allerdings gezeigt, dass sie stellvertretend fährt: „So viele Leute haben gesagt, dass sie diese Fahrt selbst gern machen würden, aber wegen des Jobs und der Familie nicht können. Ich verwirkliche den Traum von sehr vielen Menschen.“

Beifahrer ist der 25-jährige Reisefotograf Jordane Schönfelder aus dem Taunus. Eigentlich hatte der sich mit dem ersten Satz seiner Bewerbung ins Abseits gestellt: „Sie erinnern mich an meine Oma.“ Welche Dame möchte so etwas lesen? Die Weltreisende Heidi Hetzer zunächst auch nicht. Aber dann gab sie ihm eine Chance und stellte fest: „Der liebt seine Oma.“ Und dieser junge Mann bewegt sich geübt im Internet und bei Facebook. Heidi Hetzer: „Wir ergänzen uns perfekt.“ Dass Jordane keinen Führerschein hat und sie ihn trotzdem auswählte, ließ manchen in der Umgebung von Heidi Hetzer an ihrer Zurechnungsfähigkeit zweifeln. Sie kann das schlüssig erklären: „Ich mag doch niemanden neben mir sitzen haben, der mir das Lenkrad wegnehmen will. Ich will selber fahren.“ Jordane sollte sich an wesentliche Regeln halten. Bitte keine Störungen durch Konversation oder laute Musik im Auto. Seine Chefin ist resolut, aber: „Er darf was sagen, wenn er sich in Gefahr fühlt.“
Der Tag der geplanten Heimkehr von Heidi Hetzer ist der 26. Juli 2016. „Ich würde mich freuen, wenn dann so viele Menschen ans Brandenburger Tor kämen, wie 1929 bei Clärenore Stinnes.“