Einsatzbereit: Melanie von Allwörden vor Hubschrauber Christoph 39.
Foto: Markus Wächter
Einsatzbereit: Melanie von Allwörden vor Hubschrauber Christoph 39.
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Perleberg –
Melanie von Allwörden ist bundesweit die einzige Frau unter den 150 Piloten, die einen ADAC-Hubschrauber steuern darf. Fliegen wollte sie schon immer. Jetzt rettet sie mit ihrer Leidenschaft Menschenleben.
Zwei Minuten sind das Limit. Egal, ob sie sich soeben einen Kaffee gebrüht hat oder endlich ihr Mittag isst. Egal, ob sie gerade dringend auf die Toilette muss oder sich in ihrer Zwölf-Stunden-Schicht einfach mal ein wenig auf der Liege ausruht. Bei jedem Alarm bleiben der Pilotin Melanie von Allwörden genau zwei Minuten, dann muss der Hubschrauber in der Luft sein. Denn es geht darum, Leben zu retten, und da zählt oft jede Sekunde.
Die Pilotin arbeitet in Perleberg im nordwestlichen Zipfel des Landes Brandenburg. Der dortige Rettungshubschrauber "Christoph 39" ist hinter dem Kreiskrankenhaus stationiert.
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Melanie von Allwörden ist 34 Jahre alt, sieben Jahre lang flog einen Polizeihubschrauber für die Hamburger Polizei. Sie wohnt noch immer in der Nähe von Hamburg und fährt extra für ihre mehrtägigen Schichten nach Perleberg.
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Christoph 39 war im vergangenen Jahr 1021 Mal im Einsatz. Insgesamt betreibt der ADAC bundesweit 34 Rettungsstationen mit 51 Hubschraubern. Die flogen im Vorjahr insgesamt 47.315 Einsätze und versorgten 43.273 Patienten.
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Sobald ein Alarm ausgelöst wird, haben die Piloten zwei Minuten Zeit, bis der Hubschrauber in der Luft sein soll. Sie müssen drei Instrumente gleichzeitig bedienen, um den Helikopter zu lenken: Mit dem Steuerknüppel können sie den Heli in alle Richtungen steuern. Gleichzeitig müssen sie mit der anderen Hand einen Hebel bedienen, um festzulegen, ob der Helikopter hoch oder runter fliegt. Dazu muss noch ein Pedal gedrückt werden, der die Vorwärtsbewegung steuert.
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Jeder Rettungshubschrauber hat einen Einsatzradius vom maximal 70 Kilometern. Die Perleberger retten somit Patienten in vier Bundesländer: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.
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Bundesweit gibt es 71 Standorte für Rettungshubschrauber verschiedener Firmen. Die Standworte wurden so gewählt, dass es auf der Karte kaum noch weiße Flecken gibt, die nicht abgedeckt sind.
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Auf diesem Platz hinter dem Piloten sitzt der Notarzt. Neben ihm ist die Patientenliege und viele Geräte zur Notversorgung der Patienten. An Bord gibt es einen Defibrillator, um Patienten wiederzubeleben, aber auch EKG-Geräte und Medizintechnik, um Medikamente in den Körper zu leiten. Außerdem ist immer noch ein Rettungsassistent an Bord.
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Die ADAC Luftrettung gibt es seit 1982, bislang flossen 220 Millionen Euro aus den Beiträgen der Mitglieder in diese Organisation. Die Hubschrauber absolvierten bislang 1,2 Millionen Flüge.
Melanie von Allwörden arbeitet seit einigen Tagen in Perleberg (Prignitz) und ist dort, im nordwestlichsten Zipfel Brandenburgs, eine von drei Piloten des ADAC-Rettungshubschraubers Christoph 39. Aber nicht nur in Perleberg ist sie die einzige Pilotin, sie ist auch bundesweit die einzige Frau unter den 150 ADAC-Piloten. „Hubschrauberpilotinnen sind schon sehr selten“, sagt die 34-Jährige, die zuvor sieben Jahre für die Hamburger Polizei geflogen ist. „Auch dort gibt es keine Pilotin. Ich weiß auch nicht, warum sich so wenige Frauen trauen.“
Bundesweit dürfen 11.000 Piloten Verkehrsflugzeuge steuern. Unter den 5.300 Lufthansa-Piloten waren im Vorjahr fast 300 Frauen. Die erste Pilotin trat dort 1988 ihren Dienst an, die erste Kapitänin fliegt seit 2000 im Linienverkehr. Zudem gibt es 40.000 Privatpiloten. Zwar sind 82.000 Lizenzen registriert, aber viele Piloten haben Genehmigungen für unterschiedliche Flugzeugtypen.
Für Hubschrauber gibt es 2.252 Pilotenlizenzen. Darunter sind 46 Frauen – also zwei Prozent (31. Dezember 2010). 398 Männer fliegen Verkehrshubschrauber mit Passagieren. Dazu kommen 600 Piloten bei der Bundeswehr (davon 12 Frauen), sowie 278 bei der Polizei (4 Frauen). Zehn Männer haben eine Privatfluglizenz. Die größte Gruppe sind die 966 Berufspiloten (30 Frauen), die im Rettungseinsatz für Arbeitgeber wie den ADAC, BMI und DRF oder als Arbeitspiloten unterwegs sind.
Arbeitspiloten fliegen für Firmen und transportieren Material auf entlegene Baustellen oder Klimaanlagen auf Hochhäuser. Sie kontrollieren aus der Luft auch Gas- oder Stromleitungen, fliegen Lebensmittel in Gegenden ohne Flugplatz oder in die Gebirge. Sie helfen auch mit Löschwasser bei Bränden oder mit Sandsäcken bei Fluten. Derzeit werden immer mehr Piloten gebraucht, um Menschen und Material zu den Baustellen für die vielen neuen Windräder auf der Nordsee zu bringen.
Für Rettungshubschrauber existieren bundesweit 71 Stützpunkte. Die Helis decken jeweils einen 70-Kilometer-Radius ab. Der ADAC betreibt 34 Stationen mit 51 Maschinen. Sie flogen im Vorjahr 47.315 Einsätze und halfen 43.273 Patienten.
Sie sitzt im Aufenthaltsraum der Rettungsstation am Kreiskrankenhaus. Sobald der Pieper in ihrer Tasche Alarm schlägt, liest sie auf dem Gerät, wohin es diesmal geht, greift sich den Helm und läuft in die benachbarte riesige Garage. Dort steigt sie in den Heli. Der steht auf einer Plattform und wird vors Tor gerollt. Währenddessen schaltet sie bereits die Instrumente an und startet die Motoren. Draußen kontrolliert der Rettungsassistent noch schnell, ob auch keine Flammen aus dem Triebwerk schießen und ob alle Luken geschlossen sind. Dann steigen er und der Notarzt ein, Christoph 39 hebt ab.
Bereits 1.370 Flugstunden
Genau 1 021 Mal war Christoph 39 im vergangenen Jahr im Einsatz, sagt Pilot Marian Lindner. Der 52-Jährige ist auch Pilot in Perleberg und seit 1994 dabei. Vorher flog er bei der Luftwaffe der DDR und der Bundeswehr. „Melanie ist eine wirklich gute Pilotin“, sagt der Mann, der bereits 5.000 Flugstunden absolviert hat. Seine Kollegin bringt es auf 1.370. „Sie hat bereits gute Erfahrungen bei der Polizei gesammelt.“
Zentrum Perleberg: Christoph 39 deckt – so wie jeder Rettungshubschrauber bundesweit – einen Radius von 70 Kilometern um den Standort ab.
Foto: Markus Wächter
Zentrum Perleberg: Christoph 39 deckt – so wie jeder Rettungshubschrauber bundesweit – einen Radius von 70 Kilometern um den Standort ab.
Foto: Markus Wächter
Melanie von Allwörden wollte schon immer fliegen. Da sie aber den extrem harten Eignungstest für Lufthansa-Piloten nicht geschafft hat, wurde sie Hubschrauberpilotin. „Heute sage ich: Zum Glück. Denn mit einem Hubschrauber macht es mehr Spaß, als mit einem Airbus. Da fliegen ja vor allem die Instrumente. Aber beim Hubschrauber kann der Pilot noch fast alles selbst machen und er muss sich auch noch selbst einen Landeplatz suchen.“
Das wird oft zum Problem für die Retter. Bei einem Unfall auf der Autobahn sperrt die Polizei zwar häufig einen Platz ab. „Aber manchmal rollt der Verkehr noch, wenn wir landen. Und wir müssen hoffen, dass die Autofahrer uns sehen.“
Der Rotor misst knapp 11 Meter. Zum Landen braucht sie mindestens 15 Meter Platz. Kürzlich sollte sie mitten in einem Ort auf dem Grünstreifen neben einer Bushaltestelle landen. „Ich dachte, es sei zu eng“, sagt sie. Doch der Copilot sagte, dass er dort auch schon gelandet sei. „Also bin ich dort runter.“
Jeder Flug ist anders
Die Rettungsflieger werden gerufen, wenn ein Krankenwagen zu lagen bräuchte. Meist geht es um Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Unfälle. Neulich flogen sie zu einem Wald bei Gransee. Ein paar Männer fällten dort einen Baum. Weil das Holz gefroren war, spaltete sich der Baum der Länge nach und stürzte auf einen Mann. Sein Becken war zertrümmert, der Kopf schwer verletzt. „Er wurde ins Koma versetzt“, sagt die Pilotin. „Um sein Leben zu retten, flogen wir ihn in eine Berliner Klinik. Flugzeit: 21 Minuten.“
Melanie von Allwörden ist 34 Jahre alt. Sieben Jahre lang flog sie einen Polizeihubschrauber für die Hamburger Polizei. Nun für den ADAC. Foto: Markus Wächter
Melanie von Allwörden ist 34 Jahre alt. Sieben Jahre lang flog sie einen Polizeihubschrauber für die Hamburger Polizei. Nun für den ADAC. Foto: Markus Wächter
Melanie von Allwörden wohnt weiterhin in der Nähe von Hamburg. „Ich hatte Glück, dass in Perleberg eine Stelle frei war“, sagt sie. Mit dem Auto braucht sie nur zweieinhalb Stunden. „Ich hätte auch in München landen können.“
Die Schicht beginnt im Winter mit dem Sonnenaufgang, im Sommer um 7 Uhr. Mit Sonnenuntergang ist immer Schluss. Im Sommer dauern die Schichten maximal 15 Stunden, deshalb sind die Piloten verpflichtet, zwischendurch zu schlafen. Im Extremfall haben die Piloten eine Woche lang Dienst, hinterher aber auch eine Woche frei. Manchmal werden sie gar nicht gebraucht, oft starten sie ein oder zwei Mal am Tag, manchmal klingelt der Pieper aber auch neun Mal.
Trotz der Daueranspannung mache ihr die Arbeit einfach Spaß, sagt sie. „Denn jeder Flug ist anders.“ In der EU dürfen Piloten bis zum 60. Lebensjahr fliegen – so lange will sie auch selbst Helikopter steuern.
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