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Hellersdorfer Flüchtlingsheim: Studenten lernen im Flüchtlingsheim

Die Hochschule geht ins Flüchtlingsheim.

Die Hochschule geht ins Flüchtlingsheim.

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Markus Wächter

Mit Tafel, Beamer und Computern ist der Seminarraum im Hellersdorfer Flüchtlingsheim ausgestattet. Ab dieser Woche unterrichten hier Dozenten der Alice-Salomon-Hochschule (ASH) bis zu 50 ihrer Studenten. Dabei geht es um Seminare aus dem Fachbereich Soziale Arbeit. An den englischsprachigen Kursen können auch die Heimbewohner teilnehmen.

„Wir wollen im Heim präsent sein und dafür sorgen, dass die Flüchtlinge mit anderen Menschen ins Gespräch kommen“, erklärt Nivedita Prassad, Professorin an der ASH. „Wir wünschen uns ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Bewohnern. Aber wir werden uns nicht aufdrängen.“ Künftig sollen aber die Studenten nicht nur in das Heim kommen, sondern die Flüchtlinge auch in die Hochschule. Bibliothek und Café stehen den Heimbewohnern offen, ebenso der Computerraum. „Jeden Freitag Nachmittag können sie dort mit ihren Familien und Freunden in der Heimat Kontakt aufnehmen oder Arbeiten am PC erledigen“, erklärt die 45-Jährige.

Damit die Flüchtlinge den Weg in die Hochschule finden, wollen die Professorin und ihre Studenten die Wegbeschreibung auf Flyer drucken oder persönlich erklären. „Zwei meiner Studenten arbeiten ab kommender Woche als Praktikanten in dem Heim“, ergänzt Prassad. Beide seien in der Arbeit mit Flüchtlingen ausgebildet. Sie begleiten die Bewohner zu Behördenterminen und helfen beim Deutsch lernen.

Von den Angeboten der Hochschule wissen bisher noch nicht alle Flüchtlinge. Zwar haben Prassad und ihre Studenten schon mit einigen darüber gesprochen. Eine offizielle Vorstellung gab es nicht. „Wahrscheinlich hätten dazu nicht alle Heimbewohner kommen können. Sie haben derzeit andere Sorgen“, betont die Professorin. „In dieser Woche hängen wir Poster mit den wichtigsten Informationen auf. Darauf soll aber nicht nur stehen, was mir machen. Wir fragen auch, was sich die Flüchtlinge wünschen.“ Für die kommenden Monate hat Prassad schon Ideen: Filmabend, mehrsprachiger Poetry Slam und Gedichtelesung. „Wir möchten den Flüchtlingen auch kulturelle Angebote machen, aber da sind wir noch in der Planung.“

Die rassistischen Ausschreitungen in Hellersdorf im Sommer sind der Grund für die Einrichtung des Seminarraums. „Wir waren entsetzt und haben überlegt, wie wir helfen können“, erinnert sich Prassad. Theda Borde, Rektorin der ASH, bekam nach Gesprächen mit Franz Allert, Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales, die Zusage für den Seminarraum.