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Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg: Pankow will gegen Trinker und Drogendealer vorgehen

Brennpunkt Helmholtzplatz: Auch über das Platzhaus wird diskutiert. Der Bezirk hatte den Betreibern zunächst gekündigt – und die Frist jetzt verschoben.

Brennpunkt Helmholtzplatz: Auch über das Platzhaus wird diskutiert. Der Bezirk hatte den Betreibern zunächst gekündigt – und die Frist jetzt verschoben.

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Berliner Zeitung/Markus Wächter

Berlin -

Die Tischtennisplatten sind ihr Stammtisch, Bier und Schnaps ihre tägliche Nahrung. Seit vielen Jahren haben die Trinker ihren Treffpunkt mitten auf dem Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg. Es sind mal bis zu 20, mal 30 Leute, die sich da zum täglichen Besäufnis treffen.

Doch waren die Trinker bisher überwiegend Menschen aus dem Kiez, sind laut Polizei in den vergangenen Monaten zunehmend mehr Leute hinzugekommen, die nicht nur Alkohol trinken, sondern auch Drogen nehmen, damit handeln und das Geschehen auf dem Platz bestimmen.

Anwohner beschweren sich bei der Polizei immer häufiger über den Lärm der nächtelangen Trinkgelage, zurückgelassene Abfälle und abgeladenen Sperrmüll. Die Stimmung sei aggressiver geworden, heißt es bei der Polizei. „Das unterschwellige, aber beständige Spannungsverhältnis zwischen den einzelnen Platznutzern belastet den sozialen Frieden deutlich spürbar“, sagt Polizeioberrat Klaus-Dieter Burkowski, Leiter des Polizeiabschnitts 15, zu dem der Helmholtzplatz gehört.

Debatte über Vielfalt des Platzes

Der Bezirk Pankow hat aufgrund der polizeilichen Warnung erste Konsequenzen gezogen – und ausgerechnet den Betreibern des Platzhauses, einem Nachbarschaftstreff am Rande des Helmholtzplatzes, den Nutzungsvertrag gekündigt. Ein neues Konzept für das Platzhaus sei wegen der schon immer existierenden Nutzungskonflikte angedacht, begründet Stadtrat Jens-Holger-Kirchner (Grüne) seine Entscheidung. „Viele Anwohner haben Angst und meiden den Platz, obwohl er für alle da ist“, sagt er.

Jörg Lampe vom Vorstand des Fördervereins Helmholtzplatz sagt, das Platzhaus sei einer der letzten selbstverwalteten und nicht kommerziellen öffentlichen Räume des Prenzlauer Bergs. Ohne öffentliche Förderung organisieren die ehrenamtlichen Helfer dort seit zwölf Jahren Kiezfeste und Märkte, Lesungen und Theateraufführungen.

Jörg Lampe sagt, das Besondere am Helmholtzplatz sei die soziale Mischung und Vielfalt. „Den Platz nutzen Dachgeschossbewohner ebenso wie Obdachlose. Das führt zu Reibungen und Konflikten.“

Kirchners Kündigung hat im Viertel eine Debatte über die Zukunft des Platzes ausgelöst. Anwohner haben eine Online-Petition gestartet, am Platzhaus steht: „Wer hat Angst vorm Helmholtzplatz?“ Am Sonnabend sind die Bewohner eingeladen, darüber zu diskutieren. Klar scheint, dass es in den vergangenen Jahren etliche Versäumnisse gab. Im vergangenen Jahr ließ der Bezirk die öffentlichen Toiletten im Platzhaus schließen, seitdem pinkeln die Leute in die Hecken. Der Bezirk kritisiert, das Platzhaus sei ständig verschlossen, es fehlten Ansprechpartner.

Gesprächsrunden mit den Anwohnern

Einig sind sich die Beteiligten: Es muss einen Neustart geben und die Trinker brauchen professionelle Hilfe. Niemand soll verdrängt werden, auch die Trinker nicht. „Auch Alkoholiker sind Bürger dieses Landes“, sagt Jörg Lampe. 2003 wollte die Polizei noch mit einem Alkoholverbot und stündlichen Kontrollen die Trinker vertreiben, der Platz sollte eingezäunt werden, er galt als gefährlicher Ort. Arbeitslose sollten ihn bewachen.

Im Januar 2015 startet die erste Gesprächsrunde mit Anwohnern, Polizei, Bezirksmitarbeitern und Trinkern. Es geht darum, wie der Platz umgestaltet werden kann, damit die Alkoholiker nicht mehr im Zentrum stehen. „Der Platz braucht mehr Zuwendung“, sagt Kirchner und hat die geplante Kündigung des Platzhaus-Vertrages um ein halbes Jahr verschoben.

Im Gespräch: An diesem Sonnabend, 06.12.2014, (13–17 Uhr) sind alle Bewohner ins Platzhaus an der Raumerstraße eingeladen. Ein Straßenmusiker spielt, und das Helmi-Puppentheater tritt auf.



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