02.02.2012

Hennigsdorf: Suche nach dem Bombenbastler

Von Jens Blankennagel und Katrin Bischoff
        

Jedes Detail könnte den Täter überführen – Polizisten suchten am Donnerstagabend den Tatort in Hennigsdorf akribisch ab.
Jedes Detail könnte den Täter überführen – Polizisten suchten am Donnerstagabend den Tatort in Hennigsdorf akribisch ab.
Foto: ZB/Peer Grimm
        

Jedes Detail könnte den Täter überführen – Polizisten suchten am Donnerstagabend den Tatort in Hennigsdorf akribisch ab.
Jedes Detail könnte den Täter überführen – Polizisten suchten am Donnerstagabend den Tatort in Hennigsdorf akribisch ab.
Foto: ZB/Peer Grimm
Hennigsdorf –  

Es passiert immer abends. Ein lauter dumpfer Knall schreckt Anwohner auf. Wieder ist eine Rohrbombe explodiert. Seit vergangenem Wochenende hält eine Sprengstoffserie Hennigsdorf in Atem. Die Polizei geht derzeit nicht von politischen Motiven aus

Von weitem weist nichts drauf hin, dass diese Bank mitten in Hennigsdorf (Oberhavel) ein Tatort ist. Am Donnerstagabend kurz vor 18 Uhr sind hinter den Hochhäusern an der Fontanestraße drei Sprengsätze explodiert. Es ist bereits der dritte Abend innerhalb einer Woche, an dem in der 25 800 Einwohner zählenden Stadt selbst gebastelte Sprengsätze gezündet wurden. Am Freitagnachmittag ist aber auf dem Platz nichts mehr von dem nächtlichen Großeinsatz der Polizei zu sehen. Es gibt keine Absperrungen mehr. Nur an der Bank sind noch die Explosionsspuren zu sehen. An vier der zehn dicken Holzlatten der Bank hat der Sprengsatz einige Holzstücke herausgefetzt.

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„Kurz nach 18 Uhr wurden wir am Donnerstag alarmiert“, sagte Polizeisprecher Toralf Reinhardt. Die Beamten fanden in der kleinen Parkanlage die Reste von drei explodierten selbst gebastelten Rohrbomben. Ein weiterer Sprengsatz, der nicht gezündet hat, wurde mit einem kleinen Bergungsroboter sichergestellt. Insgesamt gab es seit Freitag vor einer Woche sieben Rohrbomben, von denen sechs explodierten. „Bislang wurde niemand verletzt“, sagte Reinhardt. Am Donnerstagabend müssen die drei Rohrbomben sehr zeitnah explodiert sein, denn Zeugen haben kurz hintereinander nur zwei Detonationen gehört.

Die Polizei vermutet bislang kein politisches Motiv hinter den Rohrbombenexplosionen.
Die Polizei vermutet bislang kein politisches Motiv hinter den Rohrbombenexplosionen.
Foto: Thomas Schröder

Am Freitagmittag läuft Margit Möller hinter den Hochhäusern entlang. Sie hat sich selbst noch dicker eingemummelt als ihren Dackel. Sie geht Gassi – aber nur noch auf einer wenig befahrenen Straße. „Ich traue mich mit dem Hund derzeit in keinen Park mehr“, sagt die Rentnerin, „wer weiß, was der Kleine da findet und ob das dann explodiert.“ Sie habe den Knall am Vorabend auch gehört, aber nur leise, weil sie ein Stück entfernt wohnt. „Die Welt wird immer verrückter“, sagt sie und erzählt, dass dann überall Polizei und Feuerwehr waren und mit hellen Scheinwerfern alles absuchten. „So lange die den Täter nicht gefasst haben, gehe ich mit dem Hund nur noch vor die Tür, wenn es noch hell ist“, sagt sie.

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Selbst gebaute Sprengsätze sorgen immer wieder für Schlagzeilen: Im Juni 2007 wird ein 34-jähriger Mann in Großziethen schwer verletzt, als ihm ein Sprengsatz in den Händen explodiert.

Die Polizei hat nun eine Soko mit zehn Kriminalisten gebildet. Sie gehören zum Staatsschutz, der vor allem politisch motivierte Straftaten untersucht. „Doch es gibt bislang keinerlei Bekennerschreiben“, sagte Polizeisprecher Reinhardt.

Deshalb gehen die Ermittler weiterhin davon aus, dass der oder die Täter kein politisches oder terroristisches Motiv haben. Denn solche Täter bekennen sich meist anonym sehr schnell zu ihren Taten.

„Ich glaube nicht, dass eine organisierte Gruppe dahinter steckt“, sagt ein Taxifahrer. Zwar gebe es auch in Hennigsdorf Rechte und Linke. „Aber die würden sich eher gegenseitig auf die Rübe hauen, als abends auf unbelebten Plätzen einen selbst gebastelten Riesenknaller zu zünden.“ Trotzdem seien Rohrbomben aus Metall durchaus gefährlich. „Da hat sich ein Spinner zu Silvester reichlich mit Polenböllern eingedeckt und sich dann die Bauanleitung für den Sprengsatz aus dem Internet geholt.“

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Bislang nutzte der Täter stets den Schutz der Dunkelheit und zündete seine Bastelbomben dort, wo gerade keine Passanten waren. Der erste Sprengsatz ging am Freitag voriger Woche um 22.20 Uhr im Lift des S-Bahnhofs hoch. Durch die Wucht wurde die Glastür des Fahrstuhls zerstört. Sie ist nun mit einer Pressholzplatte gesichert, der Lift für einen Monat stillgelegt. Ein Aufkleber verkündet: „Wir beseitigen Vandalismusschäden“. Am Aufgang zum Nachbarbahnsteig klafft in einer Scheibe ein Loch. Dort wurde zeitgleich mit der ersten, die zweite Bombe gezündet. Die dritte explodierte am Dienstag neben einer Parkbank auf dem leeren Havelplatz – ohne Schäden zu verursachen.

Bürgermeister Andreas Schulz sagte, man sei besorgt, aber in die Ermittlungen nicht involviert. „Ich kann nur weiter dazu auffordern, aufmerksam zu sein“, sagte er. „Wir haben großes Vertrauen in die Polizei.“ Am Freitagnachmittag ist nur ein Polizeiwagen im Stadtgebiet zu sehen. Doch wer die Szenerie in der Stadt aufmerksam beobachtet, kann unauffällige Männer sehen: Polizisten in Zivil, ausgerüstet mit Funkgeräten, die unablässig durch die Stadt laufen und hoffen, den Täter zu erwischen – wenn er den nächsten Sprengsatz ablegt.

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