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Hindu-Tempel: Göttersegen in der Hasenheide

Karte: Isabella Galanty

Karte: Isabella Galanty

Nach indischem Brauchtum hat alles schon mal gut geklappt. Die Götter haben ihren Segen gegeben, sie bekamen Früchte und Blumen als Opfergaben, indische Priester sind nach Neukölln gekommen, um den sandigen Boden zu weihen. Die Gläubigen haben jetzt auch genügend Startkapital beisammen und verbindliche Zusagen vermögender Hindus, die später noch mehr Geld spenden wollen

Nach jahrelanger Planung wollen die Gläubigen vom Verein Sri Ganesha Hindu Tempel am Rande der Hasenheide nun endlich mit dem Bau ihres Gotteshauses beginnen. Es könnte Deutschlands zweitgrößter Tempel werden, der größte steht in Hamm.

Im Mai werden zwei erfahrene Tempelbauer aus Indien nach Neukölln reisen, um als erstes das 17 Meter hohe Eingangsportal zu errichten. Ein indischer Architekt wird den Bau in Berlin betreuen. 17 Meter hoch soll das Eingangsportal werden, prunkvoll verziert mit Ornamenten und Skulpturen von 108 Göttern, darunter Sri Ganesha, dessen Namen der Tempel tragen wird. Das elefantenköpfige Wesen gilt als Zerstörer des Bösen und als Quelle von Glück, Energie und Klugheit.

Der Sri Ganesha Hindu Tempel

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Vilwanathan Krishnamurty vom Vorstand des Sri Ganesha Hindu Tempel Vereins ist erleichtert. Schon vor acht Jahren sollte der Bau beginnen. „Wir wollen jetzt allen Menschen zeigen, es geht voran“, sagt Krishnamurty. „Und wenn die Menschen sehen, dass das Tempelportal steht, sind sie auch spendabler.“ Denn erst 160.000 Euro haben die Vereinsmitglieder gesammelt, etwa 850.000 Euro kostet die gesamte Tempelanlage. Noch in diesem Jahr soll das Portal fertig sein.

Deutsches Baurecht unterschätzt

Doch ob sich dieser Zeitplan einhalten lässt, ist derzeit fraglich. Denn die Gläubigen haben offenbar nicht an die strengen Regeln des deutschen Baurechts gedacht. Eine Baugenehmigung aus dem Jahr 2010 ist nicht mehr gültig. Zwar haben die Tempelbauer vergangenes Jahr die Betonpfeiler für das Portal errichtet, doch im Bauamt spricht man von Baustillstand, es gebe „kein kontinuierliches Bauen“.

„Die Bauherren hätten eine Verlängerung beantragen müssen“, sagt der Neuköllner Amtsleiter für Stadtentwicklung Rolf Groth. Nun müssten sie einen neuen Bauantrag vorlegen. Groth versichert zwar, den Antrag mit „gebotener Zügigkeit“ zu bearbeiten, das könne dennoch ein bis zwei Monate dauern. Das Tempelkomitee solle nun „schnell mit dem Bauamt reden“.

Die Pläne für den Tempel gibt es seit 2005. Zur Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2006, so damals die Idee, sollten Hindus in Berlin einen Ort zum Pilgern haben. Das Bezirksamt Neukölln verpachtete dem Verein ein 1300 Quadratmeter großes Grundstück in der Hasenheide. Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) unterstützt den Bau bis heute.

Im Herbst 2007 feierten die Gläubigen mit Hindu-Priestern den Baubeginn. Doch das Vorhaben erwies sich schwieriger als gedacht. Es gab nicht genügend Spender. „Indien erlebte eine wirtschaftliche Krise“, sagt Krishnamurty. Das änderte sich vergangenes Jahr. Da reiste eine Delegation aus Berlin ins indische Bangalore und warb vor indischen Geschäftsleuten für den Berliner Tempel. „Viele Unternehmer haben zugesagt, Geld zu spenden. Wir vertrauen uns.“

Damit die Gläubigen auch ohne Tempel einen Ort für Gebete haben, bauten sie die frühere Freiluftturnhalle im Park zum Gebetshaus um. Dort steht jetzt ein provisorischer Tempelschrein. Jeden Abend kommen bis zu 100 Gläubige und Besucher. „Wir sind offen für alle. Das ist unser Teil der Integration“, sagt Krishnamurty.

Platz für 300 Menschen

Diese Offenheit soll auch im Sri Ganesha Hindu Tempel gelten. Die Räume sollen auch Nichtgläubigen offenstehen. Etwa 300 Menschen haben Platz. Eine Bibliothek, Räume für Feiern, Meditations-, Koch-, Yoga- und Sprachkurse sind geplant. Der jetzige Gebetsraum wird auch für Hochzeiten und Veranstaltungen genutzt. Schon jetzt kommen Schulklassen, Studenten und andere Interessierte.

Wann der Sri Ganesha Hindu Tempel fertig wird, weiß niemand. „Ich hoffe, wir erleben es, bevor wir sterben“, sagt Krishnamurty. Es sei üblich, dass Tempel „nach und nach“ gebaut werden, das kann 20 Jahren dauern. „Das entscheiden allein die Götter“, sagt Krishnamurty.

Ein weiterer, wenn auch viel kleinerer Hindu-Tempel soll im Süden Neuköllns im Sommer 2013 fertig sein. In der Riesestraße in Britz baut ein Hindu-Verein den Sri Mayurapathy Murugan Tempel. Ganesha und Murugan sind Brüder.

Hindu-Fest: Sonnabend (13.4.2013, 11–17 Uhr) feiern die Gläubigen das Ganesha-Jahresfest. 15 Uhr beginnt ein Umzug. Am Sonntag (17–21 Uhr) wird das Hindu-Neujahrsfest gefeiert. Ort: Hasenheide 106. Gäste sind willkommen.