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Hochhäuser am Alexanderplatz: Der Alex ist kein Ort für Geborgenheit

Verdrehter Turm von Frank O. Gehry, der Siegerentwurf (links). Gebäude mit großen Fenstern des Büros Barkow Leibinger. Jan Kleihues orientierte sich an den Nachbarhäusern (rechts).

Verdrehter Turm von Frank O. Gehry, der Siegerentwurf (links). Gebäude mit großen Fenstern des Büros Barkow Leibinger. Jan Kleihues orientierte sich an den Nachbarhäusern (rechts).

Foto:

Gehry Partners/Barkow Leibinger/Kleihues + Kleihues

Der Berliner Architekt Jan Kleihues hat den Alexanderplatz als Hochhaus-Standort verteidigt. Der Bau von Hochhäusern könne dort dazu führen, dass der Platz eine Qualität bekomme, sagte Kleihues in einem Gespräch mit der Berliner Zeitung. Für ihn werde ein städtischer Platz durch Raumkanten gebildet, eine solche räumliche Fassung fehle jedoch am Alexanderplatz. Der Alex sei kein Ort, der ein Gefühl der Geborgenheit vermittle. „Für mich ist das kein städtischer Raum, sondern eine ziemlich undefinierte Fläche“, sagte Kleihues.

Zehn Türme waren geplant

Der Masterplan des Architekten Hans Kollhoff aus dem Jahr 1993 war nach Ansicht von Kleihues „ein guter Ansatz“ für die Neugestaltung. Dass von den damals geplanten zehn 150 Meter hohen Türmen bisher nicht ein einziger errichtet wurde, habe an der fehlenden wirtschaftlichen Nachfrage gelegen. Der Druck habe gefehlt. Wie viele Türme am Alex entstehen können, werde letztlich der Markt entscheiden, sagte Kleihues. Dass es zehn Hochhäuser werden, glaubt er jedoch nicht. Das liege nicht etwa daran, dass der Platz keine zehn Hochhäuser vertrage, sondern daran, dass der Platz dafür nicht vorhanden ist.

Denn auf den meisten Hochhaus-Grundstücken stehen Gebäude, die mittlerweile aufwendig saniert wurden und für die langfristige Mietverträge abgeschlossen wurden. Ein Abriss zugunsten eines Hochhauses steht nicht zur Debatte. Kollhoffs Masterplan soll deswegen überarbeitet werden. Wichtig ist hierbei laut Kleihues beispielsweise, die Riegelwirkung des Hauses der Elektroindustrie aufzuheben. Dadurch ließe sich das Stadtviertel hinter dem Büro-Riegel besser mit dem Alexanderplatz verbinden. So wie es auch Kollhoff geplant habe.

Bei der künftigen Gestaltung des Alexanderplatzes sollte die vorhandene Bebauung aus der DDR-Zeit genauso berücksichtigt werden wie die denkmalgeschützten Behrens-Bauten und der umgestaltete Kaufhof, sagte Kleihues. Die Gebäude der DDR-Moderne hätten „alle ihre Qualität“. Zu den Häusern der DDR-Moderne gehört unter anderem das Haus des Reisens und das denkmalgeschützte Haus des Lehrers.

Eine klare kubische Form

Bei dem Wettbewerb zum Bau des ersten Hochhauses am Alex, den der US-Investor Hines errichten will, habe er versucht, einen Bezug zu den vorhandenen Gebäuden herzustellen, sagte Kleihues. „Wir waren der Meinung, dass man an der Stelle ein Gebäude entwickeln sollte, das eine klare kubische, einfache Form hat.“ Er habe nicht ein Gebäude für Manhattan oder Chicago entworfen, wo es auch wunderschöne Türme gebe. Solche extravaganten Hochhäuser würden nicht zu einem Ensemble von Türmen passen, wie man sie am Alexanderplatz bauen sollte.

Ein Seitenhieb auf das geplante Hochhaus des US-Architekten Frank O. Gehry, der den Wettbewerb mit dem Entwurf für ein in sich verdrehtes Hochhaus gewonnen hat. „Wenn nur ein einziges Hochhaus am Alexanderplatz entstehen sollte, könnte man sicher auch über irgendeine Diva nachdenken, aber das war nicht unser Ziel“, sagte Kleihues. „Unser Ziel war die klare kubische Form.“ Die Plastizität des Baukörpers beziehe sich dabei auf die Form des Grundstücks.

Der geplante Hotel- und Wohnturm des Investors Hines am Alexanderplatz , der bis zu 250 Millionen Euro kosten soll, kann laut Kleihues ein Erfolg werden. „Wohntürme richten sich eher an eine internationale Klientel“, sagte der Architekt. „Wenn Hines ein gutes Haus baut , dann wird das Projekt am Alexanderplatz erfolgreich sein.“ Ob der Bau weiterer Wohntürme in Berlin ebenfalls erfolgreich sein wird, lässt sich laut Kleihues schwer sagen. Die Frage sei, wie groß die internationale Klientel sei, die sich für diese Türme interessiere. Für Hines sei es deswegen gut, als erster Investor an den Start zu gehen.

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